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UPDATE: Dax J erhält Todesdrohungen, weil er den islamischen Gebetsruf gesampelt hat

Nach seinem Gig auf einem tunesischen Festival gab es wütende Reaktionen auf Facebook. Anschließend schritten sogar die Behörden ein.
4.4.17

Promofoto

UPDATE: Wie die BBC berichtet, wurde Dax J aufgrund des Tracks mit dem Sample eines islamischen Gebetsruf von einem tunesischen Gericht wegen Verstoß gegen die öffentliche Sittlichkeit und Moral zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Unter Bezugnahme auf einen Bericht der französischen Presseagentur AFP wird in dem Artikel ein Sprecher des tunesischen Gerichts zitiert. Dieser gibt an, dass gegen die Festivalveranstalter keine Strafen ausgesprochen wurden, allerdings wurde ihnen gesagt, dass sie vorher hätten überprüfen müssen, was Dax J spielen werde. 

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Da Dax J nicht mehr in Tunesien weilt, wird die Strafe nicht vollstreckt werden können. Das Facebook-Profil des in Berlin lebenden DJs ist weiterhin offline. In den letzten Tagen tauchten immer wieder Fake-Profile des DJs auf Facebook auf, die nach kurzer Zeit gelöscht wurden. Nachfolgend findest du unsere Meldung vom 4.April 2017 zu dem Vorfall.

Am vergangenen Freitag spielte der in Berlin lebende DJ und Produzent Dax J einen Gig auf dem Orbit Festival im tunesischen Hammamet. Während seines Sets sampelte er einen islamischen Gebetsrauf, den sogenannten Adhan. Das missfiel etlichen Menschen in den sozialen Netzwerken, die Dax J in ihren Kommentaren sogar mit dem Tod drohten. Allerdings erst, nachdem eine lokale Zeitung über den Einsatz des Samples berichtet hatte.

Ein Video wurde zudem publik, das zeigt, wie Dax J den Song mit dem besagten Sample auflegt. Ob Teile des Publikums dabei schon empört reagierten, ist darin nicht eindeutig zu erkennen:

Die tunesischen Behörden nahmen seine Songauswahl zum Anlass, den Club El Guitone, in dem das Festival stattfand, nach dem Ende des Festivals bis auf Weiteres zu schließen. Der Gouverneur des zuständigen Bezirkes Nabeul sagte gegenüber der französischen Zeitung Le Parisien: "Wir erlauben keine Verletzung religiöser Gefühle und des Heiligen." Der Betreiber des Clubs wurde wegen der Verletzung der guten Sitten und Erregung öffentlichen Ärgernisses in Untersuchungshaft genommen.

Das Festival reagierte mit zwei Entschuldigungen. In der Ersten heißt es, dass man überrascht von der Reaktion des Publikums gewesen sei, allerdings habe man dann "reagiert und Dax J hat versucht, einen anderen Track zu spielen." Dax J habe den Track außerdem schon in Europa aufgelegt, ohne dass jemand sich sichtbar beleidigt gefühlt habe.

In der zweiten Entschuldigung heißt es, dass sie wie Dax J den Klang des Gebetsrufes inspirierend fanden. Außerdem schreiben die Organisatoren: "Wir wollen uns nicht in religiöse Debatten einmischen. Wir sind aber weit weg davon, das Bild des ISLAM [sic]  zu beschmutzen, eine Religion des Friedens und der Vergebung."

Dax J selbst hat sich ebenfalls schon bei allen Festivalteilnehmern und sonstigen Menschen entschuldigt, die sich durch seine Samplingauswahl in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt haben könnten. Der Künstler hat seine Facebookseite allerdings mittlerweile bei Facebook abgeschaltet, wodurch seine Entschuldigung auch nicht mehr einzusehen ist. Es ist anzunehmen, dass Dax J sein Künstlerprofil aufgrund der zahlreichen (Todes-)Drohungen bis auf Weiteres vom Netz genommen hat.

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