Forscher glauben, riesigen Ozean in galaktischer Nachbarschaft entdeckt zu haben

Der „erdähnliche Planet“ Proxima B könnte tatsächlich komplett von Wasser bedeckt sein—und damit beste Bedingungen für die Entstehung von Leben bieten.

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07 Oktober 2016, 9:17am

Bild: European Southern Observatory | Flickr

Der Jupitermond Europa gilt schon länger als ein vielversprechender Kandidat für außerirdische Lebensformen in unserem Sonnensystem. Schaut man jedoch über diesen kosmischen Tellerrand hinaus, gibt es da noch einen anderen, kürzlich entdeckten Exoplanet, der Wissenschaftler aufgrund seiner „erdähnlichen Eigenschaften" in Aufregung versetzt und von manchen Medien bereits als mögliche „zweite Erde" ins Spiel gebracht wurde. Nachdem ein Team von Astrophysikern bereits im August auf die besonderen Charakteristika von Proxima B hinwies, haben sie nun eine weitere ziemlich sensationelle These aufgestellt: Sie glauben jedenfalls, dass Proxima B tatsächlich vollständig mit flüssigem Wasser bedeckt sein könnte—Wasser, das Leben beinhalten könnte.

In einer Studie, die im Fachjournal The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht werden soll, beschreibt das internationales Forscherteam des Labors für Astrophysik in Marseille (CNRS / Aix-Marseille Université), dass die Maße und die Oberflächenbeschaffenheit von Proxima B seine Bewohnbarkeit tatsächlich begünstigten.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass es sich bei dem Planeten um einen „Ozeanplaneten, dessen gesamte Oberfläche mit Ozeanen bedeckt" ist, handeln könnte. Das Wasser könnte ähnlich zusammengesetzt sein wie auf den Eismonden Europa oder Enceladus, die um Jupiter bzw. Saturn kreisen.

„Es ist gut möglich, dass der Planet mit flüssigem Wasser bedeckt ist, und somit auch Lebensformen beherbergen könnte", wurden die Forscher von der Agence Presse France zitiert.

Proxima B wurde im August dieses Jahres entdeckt. Die Forscher haben bereits einige Informationen zu Ausmaß und Flugbahn hochrechnen können: Der Planet umkreist den Stern Proxima Centauri, 4,2 Lichtjahre von der Erde entfernt. Der Planet hat ungefähr die 1,3-fache Größe unserer Erde, umkreist seine Sonne aber in einem 4,6 Millionen Meilen Radius—das ist nur ein Zehntel der Distanz, in der Merkur die Sonne in unserem Sonnensystem umkreist.

Auf der Grundlage dieser Daten gingen einige Forscher davon aus, dass der Planet zu heiß für flüssiges Wasser sein könnte, da seine Nähe zu Proxima Centauri zu einer gebundenen Rotation führen könnte—somit würde sich das Wasser auf dem Planeten zu unbewohnbaren Temperaturen aufheizen oder gar verdampfen. Doch die Forscher vom CNRS scheinen dieser These mit ihren Daten nun zu widerlegen.

„Entgegen der allgemeinen Annahme muss eine solche Nähe nicht zwangsläufig dazu führen, dass die Oberfläche von Proxima b zu heiß für Wasser in flüssiger Form ist", gab das Forschungsteam in einem Statement an.

Der Stern Proxima Centauri hat nur in etwa 12 Prozent der Masse unserer Sonne und ist wesentlich weniger energieärmer und strahlt schwächer. Dadurch verändern sich die Bedingungen für eine bewohnbare Zone und Proxima b könnte somit die idealen Bedingungen für flüssiges Wasser—und Leben—bieten.

„Da es sich bei Proxima Centauri um einen Roten Zwerg handelt, entsprechen seine Masse und Radius nur einem Zehntel von unserer Sonne und auch seine Helligkeit ist tausend Mal geringer. Mit dieser Entfernung befindet sich Proxima b in der bewohnbaren Zone seines Sterns. Er könnte also mit großer Wahrscheinlichkeit auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser beherbergen und somit auch Lebensformen", sagte der Forscher.

In diesem Diagramm werden die Positionen verschiedener Exoplaneten verglichen, darunter Proxima b. Bild: CNRS

Doch den Astrophysikern von CNRS gelang es bisher noch nicht, die exakte Größe von Proxima B festzustellen und die Schlussfolgerungen über flüssige Ozeane beruhen bisher nur auf Simulationen von Planetenstruktur und -radius. Normalerweise ermitteln Wissenschaftler die Größe eines Exoplaneten, indem sie messen, wieviel Licht aus der Perspektive der Erde zurückgehalten wird, wenn ein Exoplanet in der Sichtlinie den Stern passiert. Diese Technik nennt sich Transitmethode, doch bisher konnte noch kein messbarer Transit beobachtet werden. Forscher meinen allerdings, dass es nur eine 1,5 prozentige Chance gibt, dass ein solcher Transit für Proxima B beobachtet werden kann, da die Erde in einem ungünstigen Winkel zu Proxima Centauri steht.

Es gibt jedoch noch einen anderen Weg, um den Radius zu bestimmen: Nämlich, indem man das Verhalten der Substanzen simuliert, aus denen der Planet vermutlich besteht. Genau diese Methode wurde nun von den französischen und amerikanischen Forschern des Marseille Astrophysics Laboratory und des Department of Astronomy der Cornell University angewandt: Die Wissenschaftler errechneten, dass der Durchmesser des Planeten das 0,94-fache bis 1,4-fache der Erde betragen müsse. Falls der Durchmesser tatsächlich dem unteren Wert dieser Berechnung nahe kommt, schlussfolgert das Team, dass der Planet mit einem Durchmesser von ungefähr 6.000 Kilometern sehr massiv sein müsse und einen metallischen Kern habe, der dementsprechend etwa zwei Drittel der Gesamtmasse ausmachen würde. Dieser Kern müsste dann von einer felsigen Hülle umgeben sein.

Falls der Planet einen Maximaldurchschnitt von 8.920 Kilometern hätte, so dürfte die Masse von Proxima B laut den Forschern zu gleichen Teilen aus einem felsigen Kern und einem Mantel aus 200 Kilometer tiefen Ozeanen bestehen.

„In beiden Fällen könnte der Planet von einer dünnen gasartigen Atmosphäre umgeben sein, genau wie die Erde, die Proxima B möglicherweise bewohnbar machen könnte", schlussfolgerten die Wissenschaftler.