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Im Darknet schlummert ein Schwarzmarkt für Luxus-Schnäppchen

Auf der Suche nach Designerhandtaschen und exklusiven 3-Gänge-Menüs? Dann solltet ihr vielleicht mal im Darknet gucken.

von Joseph Cox
07 Oktober 2016, 7:00am

Bild: Lili Emtiaz | Motherboard

Das Darknet ist vor allem im Zusammenhang mit Waffenhandel, Drogen und Kinderpornographie in den Schlagzeilen. Nach längerem Suchen stößt man im Deepweb jedoch auch noch auf ganz andere Geschäftsmodelle: So finden sich auch eine Handvoll Händler, die im Darknet exquisite Waren anbieten, die man so in den ach so dunklen Tiefen nicht vermutet hätte—darunter Burberry Handtaschen, Hotelschnäppchen und besonders billige Trips nach Disneyland.

Auch wenn es sich bei diesen Deals im Hinblick auf die Masse an Angeboten nicht gerade um die Verkaufsschlager des Darknets handelt, so haben laut Kundendaten und Bewertungen schon einige bei den angebotenen Dienstleistungen und Produkten zugeschlagen.

Ein Angebot auf AlphaBay, dem momentan wohl größten und beliebtesten Darknet-Schwarzmarkt, bewirbt zum Beispiel ein 3-Gänge Menü für Zwei auf Londons neuem Superhochhaus The Shard.

Bild: Screenshot

„Genießt den atemberaubenden Ausblick auf die Londoner Skyline. Ein vom Michelin Guide empfohlenes 3-Gänge-Menü", verspricht das Angebot. Dem Bestellverlauf zufolge—der öffentlich gemacht wird, sobald ein Item gekauft wird—hat ein Käufer bereits den geforderten Preis von umgerechnet schlappen 45 Euro gezahlt.

Ein anderer Anbieter names ETickets bewirbt stark reduzierte Tickets für Disneyland und die Universal Studios in Hollywood. Die Produktbeschreibung bietet zwar nur wenig Informationen, aber scheinbar haben 23 Leute seit letztem Oktober bei diesem Angebot zugeschlagen.

„Habe mich am Montag nach den Tickets erkundigt, sie am Dienstag bestellt und am Donnerstag erhalten. Super Anbieter mit toller Kommunikation, könnte nicht zufriedener sein", schrieb ein Kunde in einer Rezension im April.

Ein weiteres Angebot bietet ein Kombipaket für Flug und Hotel mit einem Mindestbestellwert von umgerechnet 450 Euro, die 17 Käufer scheinbar bereit sind zu zahlen.

Motherboard hat noch 15 ähnliche Angebote entdeckt, obwohl die meisten davon bislang noch keine Käufer gefunden haben. Darunter waren noch mehr Trips zum Shard, eine geführte Tour des britischen Parlamentsgebäudes und ein Familienticket für Shrek's Adventure, einer Londoner Attraktion für Kinder.

Bild: Screenshot

Vieles deutet darauf hin, dass zumindest einige der Eintrittskarten durch Carding, also Kreditkartenbetrug, gekauft wurden. So gibt ein Verkäufer auf AlphaBay an, Tickets für Disneyland und andere Vergnüngungsparks durch Carding erworben zu haben.

Möglicherweise ist Disneyland der Masche jedoch bereits auf die Schliche gekommen. So schrieb ein Händler: „Disneyland kannst du vergessen. Die protokollieren jetzt alle IP-Adressen für E-Tickets. Wenn du nicht extrem vorsichtig mit diesen Tickets bist, wird Disneyland sie stornieren."

Durch das Protokollieren von IP-Adressen könnten Unternehmen Zugriffe von Proxyservern blockieren, bei denen auffällt, dass sie von Online-Kriminellen genutzt werden. Ein Sprecher von Disneyland Resorts berichtete Motherboard am Telefon, dass das Unternehmen mit den Behörden zusammenarbeite, um gegen diese Art von Kreditkartenbetrug vorzugehen.

Dem BKA ist auch schon mal ein hochkarätiger Carder ins Netz gegangen: Asmir_Cracker

Doch Kreditkartenbetrug ist nicht der einzige Weg, um an günstige Tickets zu kommen: In einem Angebot beim Ticketverkäufer Eventbrite bietet ein Händler Tickets zum halben Preis an. Er schreibt, dass die Tickets nicht durch Carding erworben wurden, sondern durch seine Social Engineering-Masche. Social Engineering funktioniert zum Beispiel so, dass ein Hacker eine Firma kontaktiert und sich für jemand anderen ausgibt, um an Daten und Dienstleistungen zu gelangen, auf die er sonst keinen Zugriff hätte.

Bild: Screenshot

Neben exklusiven Dinner-Erlebnissen bietet AlphaBay auch eine große Auswahl an materiellen Luxusgütern an, beispielsweise Burberry Handtaschen, Seiko Uhren und Fitbits. Ob es sich dabei um Imitate oder Originale handelt, ist nicht ganz klar. Obwohl mehr als 50 Fitbits seit letztem August als verkauft aufgeführt werden, konnte Motherboard keinen tatsächlichen Kauf der angebotenen Taschen oder Uhren beobachten.

Auch wenn diese exklusiven Produkte, die man sonst eher in einem Luxusgeschäft oder einem Reisebüro vermuten würde, nur einen geringen Anteil der Deals auf dem Darknet-Schwarzmarkt ausmachen, so zeigen sie eins: Auch die Leute im digitalen Untergrund sehnen sich ab und an nach ein wenig Luxus.