Korruption

In Hessen essen sie Hunde: Wie ein Café in der Provinz eine Staatskrise in Südkorea auslöste

Insgesamt geht es um 62 Millionen Euro.
31 Oktober 2016, 11:39am
Massive Protetste gegen die Präsidentin gab es auch schon im letzten Jahr, hier gegen Arbeitsmarktreformen. Alle Bilder via Imago

Auf dem Grundstück am Grabenwiesenweg in Schmitten lebten Hunde, viele Hunde. Die Besitzerin des Hauses ist Koreanerin, die Stammtische der Ortschaft haben einen Verdacht: Die Tiere sollen geschlachtet werden. Jemand ruft das Ordnungsamt, alles in Ordnung, sagen die Beamten. Niemand hatte die Absicht, einen Hund zu schlachten. Die Koreanerin, die dort wohnt, ist Choi Soon-sil, eine enge Vertraute der südkoreanischen Präsidentin.

Soon-sil hatte einige Zeit davor das Hotel „Hattstein" mit angeschlossenem Café in Schmitten gekauft. Der Bürgermeister der Stadt, Markus Kinkel, hatte sich bei der Eröffnung gewundert, dass kaum jemand des Personals deutsch sprach. Schmitten ist kein Zentrum des Tourismus, meist waren es Wanderer, die einkehrten im alten „Hattstein". Es sind die Rollladen geschlossen, niemand ist mehr da. Erst jetzt stellt sich heraus, dass 14 Geschäfte an der Adresse gemeldet sind. Jetzt kommt das öffentlich-rechtliche Fernsehen Südkoreas, KBS, und filmt in Schmitten.

Proteste gegen Park Geun-hye in Soeul.

Proteste gegen Park Geun-hye in Soeul

Hier kommt die Präsidentin ins Spiel, Park Geun-hye. Denn die hat, so der Verdacht, in besonderem Maße von den Gewinnen dieser Briefkastenfirmen profitiert. Soon-sil hatte im Vorfeld 62 Millionen Euro bei südkoreanischen Unternehmen eingeworben. Offiziell für gemeinnützige Sportstiftungen. Offiziell hatte sie unter anderem die südkoreanischen Reiter im Taunus auf die olympischen Spiele 2020 vorbereiten wollen.

Teile der Öffentlichkeit des Landes sind aber davon überzeugt, dass es sich bei dem Geld um einen Bestechungsfond handeln soll, der den Ruhestand der Präsidentin angenehmer machen soll. Park Geun-hye streitet das ab, allerdings hat sie sich schon öffentlich dafür entschuldigt, Reden und Dokumente der Regierung vor deren Veröffentlichung Soon-sil zugänglich gemacht zu haben. Die hatte kein öffentliches Amt und auch keine Sicherheitsfreigabe, sie hätte diesen Zugang zu den Informationen so nicht bekommen dürfen. Journalisten haben das bei der Untersuchung eines Computers herausgefunden, den sie im Müll gefunden hatten. 44 der Reden hatte Soon-sil mit roten Anmerkungen versehen.

Choi Soon-sil bei ihrer Ankunft in Seoul. Bild via Imago.

Choi Soon-sil bei ihrer Ankunft in Seoul

Die Zustimmung in der Bevölkerung für die Präsidentin ist so niedrig wie nie, am Wochenende gingen zwischen 12.000 (Polizeiangabe) und 30.000 Menschen auf die Straße (Veranstalter), um ein Amtsenthebungsverfahren zu fordern.

Das Hotel war schon seit einiger Zeit Gegenstand der Berichterstattung in der Taunus Zeitung, als die von einer Leserin auf die Debatte in Korea aufmerksam gemacht worden war. Verwirrung gibt es unterdessen über einen Polizeieinsatz in Schmitten. Medien hatten von einer Durchsuchung im Hotel gesprochen. Die Frankfurter Rundschau hatte sich darüber informieren wollen, die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, wusste aber nichts von einer Durchsuchung. Allerdings bestätigte sie, dass es eine Anzeige wegen Geldwäsche in Schmitten gäbe, nicht aber gegen wen.

Park Geun Hye bei einer Rede im August. Bild via Imago.

Park Geun-hye bei einer Rede im August

Der Bürgermeister von Schmitten trauert derweil dem alten Hotel hinterher: „Den besten Krümelkuchen weit und breit" hätte es dort gegeben.

Ein einsamer Krümelkuchen. Bild via Imago.

Ein einsamer Krümelkuchen