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In Japan essen sie Schließmuskel

Auf ihrer Tour durch Japan und China hat die Berliner Band UMA einige kulinarische Höhepunkte erlebt. Dieser unerwartete Leckerbissen war sicher einer davon.
27.11.14

Was kann schon passieren, wenn man seinen Instinkten folgt und das Gehirn in den Stand-by-Modus schaltet:

Als wir, den enthusiastischen Empfehlungen unserer japanischen Hosts Folge leistend, ein kleines Grill-Restaurant im Tokioter Stadtteil Harajuku aufsuchten, haben wir uns nichts weniger als fantastisches Essen erwartet. Das Restaurant sah aufregend anders aus. Es bestand aus einem übertrieben großen Grillplatz von 3 x 1 Meter, einer Handvoll Stühle für die Gäste auf der einen Seite und zwei freundlichen Köchen dahinter.

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Da wir die ersten Gäste waren (Tipp: Anderen Gästen abkucken, was sie bestellt haben und ganz indiskret mittels Handzeichen das Gleiche bestellen!) und unser japanisch zu wünschen übrig lässt, waren wir hocherfreut, als uns eine Karte mit Bildern ausgehändigt wurde. Vor meiner Reise nach Asien, hatte ich noch nie über die Notwendigkeit einer bebilderten Speisekarte nachgedacht, eher hätte ich Restaurants, die Karten mit verschwommenen Fotos aushändigen, die Existenzberechtigung abgesprochen. Die ersten Seiten haben wir, was sich im Nachhinein als großen Fehler erweisen sollte, komplett ausgelassen und uns auf den grilled meat-Abschnitt konzentriert.

Nach dem Zufallsprinzip suchten wir uns mehrere Gerichte anhand ihrer Fotos aus und warteten hungrig und gespannt auf die Umsetzung. Die beiden Köche fingen umgehend damit an, diverse Zutaten aus den schon vorbereiteten Schalen auf den Grill zu befördern und mittels akrobatischer Koch-Skills hin und her zu bugsieren. Zwischendurch wurde noch mit diversen Ölen und Saucen gesprüht, um am Ende kleine, formvollendete Gerichte auf kleinen Tellern in unsere Richtung zu schubsen.

Während des ersten Rumprobierens auf der Suche nach dem besten Geschmack und des obligatorischen „Was-ist-was"-Spiels, wurden wir durch eines der Gerichte allerdings abrupt gestoppt.

Bisher konnten wir so ziemlich alles einordnen und wussten ungefähr, was wir gegessen haben. Doch damit war jetzt Schluss.

Mit verwirrtem Blick betrachtete ich meine Begleitung, während ich auf einem zähen und gummiartigem Stück Fleisch bzw. Muskel herumkaute und nicht recht wusste, wie mir geschah. Ausgesehen hat das Ganze nämlich sehr harmlos: wie kleine Hähnchenstücke auf Kohl. Geschmeckt hat es, obwohl nur leicht mit Zitrone und Salz mariniert, extrem intensiv. Aber auch nach nichts mir Bekanntem. Angefühlt hat es sich ziemlich widerlich. Ein bisschen wie ein alter, halbharter Kaugummi, der eben nach altem Fleisch mit Zitrone schmeckt. Meine Begleitung hat umgehend die „Darm! Ahh!"-Karte gezogen, war sich aber, ob fehlenden Vergleichs, auch nicht ganz sicher. Da die netten Köche ja direkt vor uns standen, machten wir freundliche Miene zum überforderten Gaumen und zwängten Stück für Stück hinunter, während neu ankommende Gäste eine gefüllte Pfannkuchenrolle nach der anderen bestellten. Die Seiten 1-3 wären es gewesen!

Panisch schickte ich ein Foto von DEM Gericht an unsere Hosts, um nach wenigen Minuten ein

Oh my God, we are sorry" als Antwort zu erhalten. Natürlich habe ich ganz intuitiv Schließmuskel bestellt.

Und verspeist.

yolo

P.S.: Leider wurden die restlichen, hervorragenden Gerichte durch dieses in mehrerlei Hinsicht intensive Erlebnis in den Schatten gestellt.