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Fisch

Umweltschützer befürchten irreparable Schäden durch genmanipulierten Lachs

In Kanada steht gentechnisch veränderter Lachs kurz vor der Produktionszulassung. Sollte einer dieser Lachse jedoch in die freie Wildbahn entkommen, sind die Folgen für die Umwelt noch nicht absehbar. Umweltschütze vermuten aber, dass sie verheerend...
18.11.15
Photo via Flickr user Dexter HP

Konsumenten haben einen scheinbar unersättlichen Hunger auf Lachs—und der Großteil des Fischs, etwa 70 Prozent, stammt von Fischzuchtbetrieben. Jedes Jahr verzehren wir 2,4 Millionen Tonnen Zuchtlachs und laut der World Wildlife Foundation ist Lachs-Aquakultur das am schnellsten wachsende Nahrungsmittelproduktionssystem der Welt. Mit einem Problem hat die Branche jedoch zu kämpfen: Einen Lachs auf Verkaufsgewicht zu züchten, kann bis zu drei Jahre dauern.

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Ein amerikanisches Unternehmen versucht, diesen Wachstumsprozess mit Hilfe von Gentechnik zu beschleunigen, aber die kanadische Regierung macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

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Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet das Unternehmen AquaBounty aus Massachusetts an einem gentechnisch veränderten Lachs, der den Produktionszyklus von Lachs mit Marktgewicht um die Hälfte verkürzt, von 32 bis 36 Monaten auf 16 bis 18. Die Superlachse werden mit einem Wachstumsgen des Königlachses und einem Gen des Meeresdickkopfes—ein visuell recht unattraktiver, aalartiger Fisch—hergestellt, die in die befruchteten Wildlachseier injiziert werden.

AquaBounty wartet schon seit 20 Jahren darauf, dass die amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel und Medikamente (FDA) seinen Lachs, offiziell mit dem Namen AquAdvantage Salmon, absegnet und kürzlich schien das Unternehmen der Zulassung für den menschlichen Verzehr einen bedeutenden Schritt näher gekommen zu sein, als die kanadische Regierung einen Eierproduktionsbetrieb auf Prince Edward Island genehmigte. Jetzt behandelt ein kanadisches Bundesgericht Berufungsklagen, laut derer die Einrichtung ein Risiko für die Umwelt darstellt und die Pläne gestürzt werden sollten.

Obwohl der AquaBounty-Lachs in großen Tanks in Lagerhallen an Land gezüchtet wird, gibt es Bedenken, dass es verheerende Folgen für den wilden Lachsbestand haben könnte, falls ein gentechnisch veränderter Lachs in die freie Wildbahn gelangt. Es würde sich bei dem Lachs im Grunde um eine invasive Art handeln und bislang ist unbekannt, welche Folgen ein gentechnisch veränderter Lachs—von manchen Frankenfisch genannt—in der Wildnis mit sich ziehen würde. Von manchen Seiten wird befürchtet, dass der Wildlachsbestand verdrängt oder die Umwelt auf andere Art verändert werden könnte.

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„Wenn dieser Fisch sich erst einmal mit einem Wildlachs gepaart hat, gibt es kein Zurück mehr", sagte Mark Butler vom Ecology Action Centre in Halifax, Kanada, einer der Gruppen, die gegen die Einrichtung protestieren.

AquaBounty sagt, das Unternehme treffe jegliche Vorsichtsmaßnahmen, um den genmanipulierten Fisch unter Kontrolle zu halten und ein Sprecher sagte zu NPR, dass eine Flucht „nahezu unmöglich" sei. Der Lachs werde in Lagerhallen an Land produziert. Bildschirme, Filter und Netze blockieren Wasser, das aus der Einrichtung ausgeschleust wird. Außerdem seien alle gezüchteten Lachse weiblich und sterilisiert. (Obwohl: Wenn wir eins aus Jurassic Park gelernt haben, dann dass eine ausschließlich weibliche Population nicht unbedingt garantiert, dass es nicht mehr Raubvögel gibt—oder Lachse.)

Umweltschützer sind jedoch nicht überzeugt. Sie sagen, die Betriebe an Land können sich in der Nähe von Flüssen befinden und Fluchtversuche seien in der Fischzucht unvermeidlich. Die Einrichtung, in der die Lachse heranreifen, befindet sich in der Nähe eines Flusses in Panama und zukünftige Einrichtungen—sollte der Fisch zugelassen und die Zuchtmethoden übernommen werden—könnte sich überall befinden. Bei der Sterilisierung von Fischen gibt es außerdem eine geringe, aber existente Misserfolgsrate und wenn diesen Fischen die Flucht gelangen sollte, könnten sie sich mit regionalen wilden Arten fortpflanzen.

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Wie die Folgen aussehen würden, weiß momentan keiner, aber eine Studie in der Fachzeitschrift BioScience besagt, dass wenn ein entkommener Lachs in lokalen Ökosystemen Chaos verursacht, es „im Grunde unmöglich" wäre, den Bestand von genmanipuliertem Lachs zu vernichten, wenn sie einmal in die Wildnis gelangt sind.

AquaBounty sagt, der Fisch des Unternehmens sei der nachhaltigste Lachs, den es gibt, und ihr Prozess reduziere die Futtermenge, die man für die Zucht eines ausgewachsenen Lachses benötigt. Da sich die Betriebe an Land befänden, argumentiert das Unternehmen, sei der Fisch näher am Konsumenten. Das Unternehmen hofft, die Menge von importiertem Lachs zu reduzieren. Derzeit importieren die USA 86 Prozent aller Meeresfrüchte und Fische, was zu extrem hohen Kohlendioxidemissionen führt, da der Lachs bis zum Konsumenten sehr lange Distanzen zurücklegt. Den Lachsen von AquaBountys werden keine Antibiotika verabreicht, Zuchtlachs aus dem Ausland kann hingegen mit Medikamenten vollgepumpt sein.

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Ein kanadisches Gericht wird über die Risiken und Vorteile von gentechnisch verändertem Lachs diskutieren, aber AquaBounty ist zuversichtlich, dass ihr Lachs genehmigt wird. In den USA hingegen wartet das Unternehmen weiterhin auf die Zulassung der FDA. Laut eines vorläufigen Kommentars der FDA soll AquAdvantage Salmon unter dem vorgeschlagenen Zuchtsystem jedoch keine bedeutenden Auswirkungen auf die Umwelt haben. Erwähnenswert ist, dass sich die Produktionsstätten nicht in den USA befinden.

Je nach dem, wie die Debatte vor Gericht ausgeht, könnte sich der Lachs von AquaBounty schnell verbreiten und schon bald in deinem Sushi landen.