Wie sich Geschlechtskrankheiten mit Alkoholsteuern eindämmen lassen

Selbst eine kleine Steuererhöhung kann große Folgen haben, schreiben die Forscher der University of Florida.

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07 Juli 2016, 9:00am

Photo via Flickr user Thomas Hawk

Wie Alkohol sich auf Selbstbeherrschung und körperliche Anziehungskräfte auswirkt, ist sowohl aus Forschung und Anekdotenwissen wohlbekannt. Es gibt sogar immer mehr Indizien dafür, dass Alkohol den Trinker selbst auch attraktiver für Andere macht.

Natürlich kann diese perfekte Mischung aus erhöhter Anziehung und Spontanität unglückliche Entscheidungen bei der Partnerwahl nach sich ziehen. Alkohol kann bei jungen Menschen zu einem höheren Aufkommen an Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis führen.

Die Verbindung zwischen Alkohol und ungeschütztem Sex ist sogar so stark, dass eine kürzliche Studie der University of Florida nahelegt, dass finanzielle Abschreckung beim Alkoholverkauf einen erheblichen Einfluss auf die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten haben kann.

„Wenn Politiker nach einer Methode suchen, um junge Menschen vor schädlichen Geschlechtskrankheiten zu schützen, dann sollten sie in Erwägung ziehen, die Alkoholsteuern zu erhöhen, denn diese sind im Laufe der Jahre aufgrund von Inflation erheblich gesunken", schrieb Stephanie Staras, die leitende Forscherin der Studie, in einer Pressemitteilung.

Die Studie nahm eine neue Steuererhöhung im US-Bundesstaat Maryland unter die Lupe, die dazu führte, dass in den 18 Monaten nach ihrer Einführung 2.400 weniger Fälle von Gonorrhö auftraten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift American Journal of Preventive Medicine veröffentlicht.

Die Steuererhöhung betrug lediglich 3 Cent pro Dollar, doch das schien bereits auszureichen, um das riskante Verhalten der Trinkenden zu reduzieren. Nach der Erhöhung der Alkoholsteuer verringerte sich die Rate der Gonorrhö-Infektionen auf 24 Prozent unter dem Landesdurchschnitt.

So interessant die Ergebnisse auch sind, müssen sie nicht zwingend die ganze Wahrheit enthalten. Das Forscherteam fand keine signifikante Auswirkung auf die Chlamydien-Infektionsrate und stellte außerdem keine statistischen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen unterschiedlichen Alters und Geschlechts oder unterschiedlicher Ethnie fest.

Dennoch weist diese Arbeit darauf hin, dass wirtschaftliche Negativanreize eine neue Waffe im Kampf gegen die schädlichen Auswirkungen von Alkohol darstellen können.

„Im Augenblick ist das Verteilen von Kondomen die einzige bevölkerungsweite Intervention im Bezug auf Geschlechtskrankheiten, welche die [US-Gesundheitsschutzbehörde] Centers for Disease Control and Prevention empfiehlt", sagte Staras. „Die Auswirkungen, die wir in dieser Studie beobachten konnten, sind allerdings vergleichbar mit der Effektivität der Kondomverteilung, und Steuern bringen Einkünfte, anstatt Geld zu kosten. Dementsprechend handelt es sich um eine mächtige Option, die Entscheidungsträger in Erwägung ziehen können."