Kunstfotografie

Dieses Foto einer Kartoffel ist eine Million Dollar wert

„Kevin Abosch mag Kartoffeln, weil sie alle unterschiedlich sind und doch zur selben Art gehören—genauso wie die Menschen. Er hat viele Kartoffeln fotografiert. Das ist eines seiner Lieblingsfotos.“
26.1.16

Als Laie versteht man den Kunstmarkt nur schwer. Man kann sich eigentlich nur darüber aufregen oder mit unverständlichem Kopfschütteln reagieren: Warum kosten ein paar Farbspritzer von Jackson Pollock 140 Millionen Dollar, also mehr als ich in meinem ganzen Leben je verdienen werde? Das wissen wahrscheinlich nur die milliardenschweren Käufer selbst. Jetzt wurde auch noch ein 1,5 x 1,5 Meter großes Foto einer Kartoffel für eine Million Dollar verkauft. Na, kratzt du dir auch gerade verdutzt am Kopf und fragst dich, warum du nicht schon früher mit der Fotografie angefangen hast?

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Das Kartoffelbild mit dem Titel „Potato #345 (2010)" wurde vom irischen Fotografen Kevin Abosch geschossen, der berühmt ist für seine Fotos vor schwarzem Hintergrund. Vor seiner Linse standen schon die Überflieger des Silicon Valley und Berühmtheiten wie Yoko Ono, Steven Spielberg, Johnny Depp, Malala Yousafzai und Sheryl Sandberg. Abosch ist bekannt für seine effiziente Arbeitsweise, denn er kann auch vielbeschäftigte Leute in nur wenigen Minuten perfekt ablichten, berichtet der Business Insider.

Sein Werk „Potato #345 (2010)" hat er für einen Festpreis von 1 Million Dollar letztes Jahr an einen reichen Sammler verkauft. (Beim Namen des Fotos fragt man sich, ob er irgendwo noch 344 weitere Kartoffelfotos versteckt hat.) Doch wieso ist eine einfache Kartoffel so bedeutend für die Kunstwelt? Für Abosch repräsentieren Kartoffeln die menschliche Existenz.

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„Potato #345 (2010)" von Kevin Abosch

„Kevin mag Kartoffeln, weil sie alle unterschiedlich sind und doch zur selben Art gehören—genauso wie die Menschen", so Aboschs Studio gegenüber PetaPixel. „Er hat viele Kartoffeln fotografiert. Das ist eines seiner Lieblingsfotos."

Ein einfaches Porträt kostet bei Abbot zwischen 150.000 Dollar und 500.000 Dollar, wenn die Fotos gewerblich genutzt werden. Das Kartoffelbild ist also zwei bis sieben mal so wertvoll wie das Foto eines Prominenten.

„Potato #345 (2010)" hing zunächst bei Abbot selbst, bevor er es verkaufte. Noch nie hatte er ein Foto, das nicht Teil eines Auftrags war, für eine Million Dollar verkauft.

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„Das ist nicht das erste Mal, dass jemand ein Bild direkt von meiner Wand weggekauft hat", so Abosch gegenüber der Sunday Times. „Wir haben ein bisschen Wein getrunken und er meinte auf einmal: ,Das Bild gefällt mir.'"

„Nach zwei weiteren Gläsern meinte er: ,Das Bild will ich haben!' Wir haben uns dann zwei Wochen später auf den Preis geeinigt."

Abosch gehört zu den größten Fotografiekünstlern weltweit. Seinen Durchbruch hatte er in den 90er Jahren, als CBS Records einen Fotografen für das Shooting eines Plattencovers gesucht haben. Abosch hatte zuvor gelesen, dass einer der berühmtesten Fotografen Hollywoods, Herb Ritts, damals 10.000 Dollar als Tagessatz genommen hat und hat der Plattenfirma also für ein Shooting, das nur ein paar Stunden dauern sollte, ein Angebot für 5.000 Dollar gemacht. Er hatte damals noch keine richtige Mappe, hat der Plattenfirma aber einige seiner Fotos gezeigt. CBS Records gefiel Aboschs Preis nicht. Sie meinten, dass sie ja auch einfach Herb Ritts nehmen könnten. Abosch entgegnete: „Wollen Sie Herb Ritts oder wollen Sie mich?" Sie haben sich dann auf 2.500 Dollar geeinigt.

Das bringt heutige Musikfotografen wahrscheinlich zum Kochen. Aber man kann nicht leugnen, dass „Potato #345 (2010)" eine wirklich schöne Kartoffel ist. Obwohl Aboschs Fotokunst im Vordergrund steht, sieht er sich auch als eine Art Verbindungsstück im Silicon Valley und befasst sich ontologisch vor allem mit Identität und Existenz.

Die wahren Sieger aber sind doch hier die Kartoffeln. Immerhin kostet ein Kilo im Durchschnitt im Supermarkt 50 Ct. Für eine Millionen Dollar hätte man also entweder das Foto oder gut zwei Millionen Kilo Kartoffeln haben können. Vielleicht ist das die versteckte Kritik an unserer Gesellschaft. Ach, Kunst…