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Popkultur

Menschen erzählen von den coolsten Orten, an die sie sich jemals geschummelt haben

"Plötzlich waren wir bei den Grammys in der ersten Reihe angekommen."

von Justin Caffier
22 Januar 2017, 4:00am

Foto mit freundlicher Genehmigung von Vitalii Sediuk

Wenn du nicht gerade ein verklemmter Spießer bist, weißt auch du, dass eine der größten Freuden des Lebens darin besteht, sich an Orte zu schleichen, an denen du eigentlich gar nicht sein dürftest. Ob durch kokette Finesse oder minutiöse Vorbereitungen: Seit der erste Türsteher das Licht der Welt erblickte, haben findige Gauner kreative Wege gefunden, um an Orte zu gelangen, an denen sie nichts zu suchen haben.

Wir haben Menschen nach ihren dreistesten, ihren blauäugigsten und schlichtweg wahnsinnigsten Reinschleichgeschichten gefragt. Mithilfe von Täuschung, Hilfsmitteln und guter, alter Unehrlichkeit  sind diese talentierten Hochstapler in den Genuss kostenloser Unterhaltung und fürstlicher VIP-Behandlung gekommen – und das alles ohne Warnweste!

Foto mit freundlicher Genehmigung von Vitalii Sediuk

Meine Freunde hatten vier Karten für die Grammys, aber wir waren zu fünft. Ich wollte trotzdem mit, um zu sehen, ob ich es auch ohne Ticket auf den Roten Teppich schaffe. Überraschenderweise kontrollierten die Menschen am Eingang unsere Karten recht hastig und ließen uns alle durch die erste Sicherheitsschleuse. Meine Freunde gingen dann den Roten Teppich runter. Ich blieb in dem Bereich vor dem Teppich.

Der erste Star, den ich sah, war Adele. Ich fragte sie sofort nach einem Selfie und sie machte bereitwillig mit. Ich ging einfach mit Adeles Team mit, um zu schauen, ob ich mit ihnen auf den Roten Teppich kann. Die Ordner ließen jemanden aus Adeles Gruppe nicht rein. Ich nutzte den kleinen Disput, um auf den Roten Teppich zu gehen. Dort angekommen interviewte ich mit meinem iPhone Promis.

Es gab eine Durchsage, dass der Teppich in fünf Minuten schließen würde. Also hängte ich mich wieder an andere Menschen. Dieses Mal war es eine Dame in grünem Kleid. Zu meiner eigenen Überraschung kam ich mit ihr sehr schnell durch mindestens fünf Sicherheitskontrollen. Die Securitys schauten immer nur in unsere Taschen und das war's. Plötzlich waren wir in der ersten Reihe der Grammys angekommen. Die Dame in Grün war, wie sich herausstellte, Katy Perry!

Die Preisverleihung sollte bald losgehen, also mussten wir uns hinsetzen. Zu diesem Zeitpunkt gab es nicht mehr viele leere Plätze. Ich dachte kurz daran, mein Glück zu versuchen und mich neben Beyoncé zu setzen, aber dann tauchte Jay Z  in letzter Minute doch noch auf. Und so setzte ich mich einfach in die zweite Reihe hinter Justin Timberlake und Sting. Wie ich später herausfinden sollte, hatte ich den Platz von Adam Levine von Maroon 5 erwischt, weswegen dieser sich neben Blake Shelton auf den Boden setzen musste. Ich selbst saß in dem bequemen Sessel und tat so, als würde ich dazugehören. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass die Leute um mich herum über mich flüsterten. "Wer ist das?", fragten sie sich wahrscheinlich.

Dann wurde die erste Award-Kategorie des Abends bekanntgegeben: Best Pop Solo Performance. Natürlich ging der Preis an Adele. Ich entschied mich dazu, auf die Bühne zu rennen und so zu tun, als würde ich den Award bekommen. Ich konnte nicht länger da sitzen, weil die Stars ständig ihre Sitzplätze wechselten. Früher oder später hätten sie herausgefunden, dass ich kein Ticket oder einen triftigen Grund hatte, überhaupt hier zu sein. Ich wollte dem Abend wenigstens noch einen denkwürdigen Abschluss verpassen. 

Als ich dann neben Adele auf der Bühne war, sagte ich schnell ins Mikro: "Danke für diesen Award! Adele, du bist meine Inspiration!" Dann wurde ich von Jennifer Lopez von der Bühne geschoben. Im Backstage-Bereich warteten bereits eine Menge wütender und verwirrter Menschen auf mich – inklusive der Polizei, die mich dann auch verhaftete. Am nächsten Morgen wurde ich zum Glück wieder freigelassen.  – Vitalii

Ich war von Chicago nach New Jersey gefahren, um das Bamboozle Festival für ein Label zu filmen. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass das Label "vergessen" hatte, mich auf die Teamliste zu setzen.

Ich fotografierte also den Künstler-Pass eines Freundes ab, ging zum nächsten Copyshop, druckte das Ganze mehrmals aus und ließ es laminieren. Mit meinem selbstgebastelten Pass auf dem Festivalgelände angekommen verkaufte ich die restlichen Pässe für jeweils 50 US-Dollar und lebte ein Wochenende lang wie der Pop-Punk-König.  – Matt

Es war zwar eher eine Rausschleich-Aktion, aber in meinen Augen nicht weniger erfinderisch und gewagt als meine diversen Reinschleichversuche. Ich war bei einem College-Football-Spiel, wir hatten gerade unsere Erzrivalen geschlagen und das ganze Stadion rastete dementsprechend aus. In solchen Fällen drohen die Fans immer, das Feld zu stürmen und so hatte sich eine Wand aus Polizisten vor den Tribünen aufgestellt.

Ein paar Cops hielten es anscheinend vor lauter Vorfreude nicht mehr aus und deckten das weiterhin sehr artig auf der Tribüne stehende Publikum mit Pfefferspray ein. Einige von uns, inklusive mir, die von dem Spray was abbekamen, dachten sich: "Wenn wir schon von den Cops fertiggemacht werden, warum dann nicht auf dem Feld?"

Ich sprang über die Barriere etwa drei Meter nach unten. Dort angekommen wurde ich natürlich prompt von jemandem an meinem T-Shirt-Kragen gepackt. "Hab' dich, du kleiner Pisser", knurrte er mich an. In der wohl grazilsten Körperbewegung meines Lebens wand ich mich rückwärts aus meine Shirt und entgegnete ihm ein hämisches "Ne, hast du nicht", bevor ich in die Menge rannte.

Jetzt befand ich mich oberkörperfrei und blind in einem Menschenmeer auf dem Feld und irgendein Ordner war mir auf den Fersen. Als ich jemand mit einem Extra-T-Shirt rumlaufen sah, winkte ich den Typen sofort zu mir rüber und ließ mir von ihm Shirt und E-Mail geben. Ich versprach ihm hoch und heilig, ihm das Kleidungsstück wieder zurückzugeben.

Aber gut, ich wollte unbedingt von dem Feld runter, nur wusste ich nicht wie. Plötzlich entdeckte ich eine Sportfotografin, mit der ich einen Tag davor erst gesprochen hatte. Ich rannte zu ihr rüber, erklärte ihr meine Situation und fragte, ob sie mir irgendwie raushelfen kann. Sie gab mir ihre Kameratasche zum Tragen und wir gingen, ich als ihr Assistent, durch den Mitarbeitertunnel nach draußen. Nach dieser Aktion wurden wir ein Paar und blieben mehrere Jahre zusammen.  – Robert

Foto mit freundlicher Genehmigung von Skyler Stone

Wir waren 12 Jungen und Mädchen ohne Plan und ohne Geld und versuchten, Silvester nach Las Vegas zu kommen. Als wir in L.A. losfuhren, merkte ich, dass wir keine Übernachtungsmöglichkeit, keine Tischreservierung und keinen Ort zum Trinken zur Auswahl hatten, der nicht ein Vermögen gekostet hätte.

Also rief ich bei einem Hotel an, dessen Name ich hier nicht nennen werde, und sagte, dass ich Mr. Aubin sei – ein Repräsentant der William Morris Agency.

Der Frau am anderen Ende erzählte ich, dass ich einen wichtigen Agenten in der Leitung hätte, der unbedingt mit einem ihrer Vorgesetzten sprechen müsse. Ich verstellte dabei meine Stimme, damit ich von da zu meiner normalen Stimme wechseln konnte – ich war Assistent und Agent. Als Agent sagte ich ihr, dass ich Ben Stiller, Jennifer Aniston, Skyler Stone (meine Wenigkeit) und James Vanderbeek vertreten würde. Die Silvesterpläne meiner Klienten seien in letzter Minute geplatzt, wodurch sie jetzt planlos in Las Vegas festhängen würden.

Als ich schließlich zur wichtigsten Person durchgestellt worden war, die sie finden konnten, merkte ich, dass mein Gegenüber per Handy mit mir telefonierte und sich wahrscheinlich gerade im Urlaub befand. Ich spürte, dass hier eins dieser Szenarien vorlag, in denen wir beide eine echte Bindung zueinander aufbauen konnten, indem wir gemeinsam in letzter Minute eine so große Sache organisierten.

Nach etwas gegenseitigem Abgekumpel sagte er auch sofort, was er meinen "Klienten" anzubieten hätte: vier Luxussuiten, Essen- und Getränkeguthaben, sofortiger VIP-Einlass zu ihrem angesagten, neuen Club UND unseren eigenen Tisch mit Gratis-Bottleservice. Obendrein gab es noch einen eigenen Sicherheitsmann, dessen Aufgabe einzig und allein darin bestand, uns bei Bedarf zu unserer EIGENEN Toilette zu eskortieren.    

Das Beste an dem ganzen Trip war der filmreife Moment, als wir ankamen. Dank des Silvesterverkehrs hatten wir es erst um 23:56 Uhr dorthin geschafft. Als wir den Club betraten, stimmten wir lauthals in den Neujahrs-Countdown mit ein und schafften es pünktlich zur "eins" an unseren VIP-Tisch.

Nachdem wir ausgiebigen Gebrauch von den Gratisgetränken gemacht und ein bisschen gefeiert hatten, gingen wir hoch in unser Zimmer. Und da war er. Ein unfassbar schöner und sündhaft teurer Präsentkorb randvoll mit feinstem Käse, bestem Fleisch und Oliven, die im leckersten Olivenöl aller Zeiten schwammen. Am Korb war sogar eine Karte mit meinem Namen: "Mr. Stone".

Mein Handy-Akku gab irgendwann in dieser Nacht seinen Geist auf und das Ladekabel hatte ich in unserem Wohnwagen gelassen. Als ich es wieder einschaltete, hatte mein Handy diverse Voicemails von diversen Hotelangestellten unterschiedlichsten Ranges. Der Tonfall der Nachrichten wurde zunehmend frustrierter, je länger wir ihnen zuhörten. Es gab definitiv einige "Fragen" und wir waren nicht gerade in der Stimmung, uns einige Antworten aus den Fingern zu saugen. Obwohl wir noch eine weitere Gratisnacht in dem Hotel gehabt hätten, reisten wir noch am selben Tag ab.  – Skyler

Vor langer Zeit lebte ich in einem beschaulichen Vorort. Ich war etwa 19 und besuchte das Community College. Meine Freunde wollten alle zu Raging Waters, einen Wasserpark, aber natürlich hatte nicht jeder von uns genug Geld dafür. Irgendjemand kam schließlich auf die großartige Idee, dass wir einfach an der Straßenböschung runterklettern und uns in den Park schleichen können.

In meinem Bikini und einer Gruppe von acht Leuten kletterten wir zusammen besagte Böschung runter. Dann erklomm ich barfuß einen drei Meter hohen Zaun und schaute von der anderen Seite zu, wie die anderen Mädchen sich abmühten und die Jungs versuchten, ihnen zu helfen und sie rüber zu schieben. Danach krochen wir unter zwei Wasserrutschen durch und kamen schließlich im offiziellen Teil des Park raus.

Wir gingen zum Eingang, um unseren Kram in Schließfächern zu verstauen, als wir dort das Schild sahen: "Nach 15 Uhr kostenloser Eintritt".

Es war 15:30.  – James

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