LGBTQ

Bullenreiten beim Schwulenrodeo

Cowboys gelten als Inbegriff der heterosexuellen Männlichkeit, queere Rodeoteilnehmer werden seit jeher diskriminiert. Deswegen veranstalten sie seit den 70ern ihre eigenen Rodeos—samt Drag-Queen-Wettbewerb.

von Brit Worgan
29 März 2016, 9:50am

Als Dokumentarfotografin versuche ich immer wieder die Subkulturen und Gemeinschaften, die mich umgeben, einzufangen. Von Schwulenrodeos hatte ich zwar schon gehört, jedoch hatte ich keinerlei Vorstellung davon, wie eine solche Veranstaltung aussehen könnte— vor allem, weil das Cowboytum im Allgemeinen als streng heteronormativ gilt.

Das erste Schwulenrodeo fand 1976 in Reno Nevada statt. Über die letzten 40 Jahre haben sich die Rodeos zu einer nationalen Veranstaltung entwickelt, die in Staaten wie Texas, Colorado, Nevada, Kalifornien und Arizona sowie in Kanada stattfindet. Aufgrund der Ablehnung und Diskriminierung, die queere Teilnehmer im Laufe der Geschichte erlebten mussten, haben sie sich zu einer eingeschworenen Gemeinschaft entwickelt; einer bunt gemischte Gruppe aus Rodeoreitern und Unterstützern.

Die International Gay Rodeo Association gibt es seit 1985 und steht Teilnehmern jeden Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung offen. Zu den Disziplinen des Rodeoevents gehören das Zureiten von Pferden, das Ochsen- und Bullenreiten, Ochsen-Wrestling, das Einfangen von Kälbern mit dem Lasso und das Anziehen von Ziegen (genau das, wonach es klingt). Zusätzlich gibt es auch eine Art Schönheitswettbewerb, bei der Teilnehmer in vier Kategorien Schärpen gewinnen können: Mr. (ein Mann, der sich als Mann präsentiert), Ms. (eine Frau, die sich als Frau präsentiert), Miss (ein Mann, der sich als Frau präsentiert) und MsTer (eine Frau, die sich als Mann präsentiert).

Ich habe mir das Rodeo laut, extravagant und kitschig vorgestellt. Was ich zu sehen bekommen habe, war aber ein ebenso geschmackvolles wie durchdachtes Event, das von den Mitgliedern lokaler Gruppen selbst konzipiert und durchgeführt wurde. Barkeeper, Kommentatoren, Farmarbeiter und Freiwillige waren alle Teil einer größeren schwulen Gemeinschaft und stammten alle aus der jeweiligen Region, in der das Rodeo stattfand. Fast jeder, der hierher kommt, kennt sich. Einige von ihnen kommen seit den 70er-Jahren zu diesen Veranstaltungen, also seit der ersten Stunde. Es herrscht eine familiäre Stimmung, auch über die konkurrierenden Farmen hinaus.