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Vom Lendenschurz bis Nicki Minaj: die Geschichte des Tangas

Schon Jahrtausende bevor er uns bei der Arbeit unbequem wurde—und vor seinem Aufstieg zu popkultureller Prominenz—schmückte der Tanga die Körper unserer frühesten Vorfahren.

von Elizabeth King
19 März 2016, 5:10pm

Screenshot via YouTube

Was haben Lady Gaga und die ältesten Zivilisationen gemeinsam? Sisqó wollte sie sehen und zwar „all night long", Victoria's Secret verkauft sie gerne und viele von uns haben schon Stunden damit „zugebracht, sie zurechtzurücken. Ja, wir sprechen von Tangas.

Dieses scheinbar moderne Wunderwerk der minimalistischen Unterwäsche hat eine Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht—als Tangas höchstwahrscheinlich noch viel unbequemer waren als heute. Hier geben wir euch einen Überblick über die Vielfalt des Tangas vom antiken Griechenland bis heute.

Zeig mir deinen Ledenschurz

Es wird angenommen, dass der Lendenschurz der Vorgänger des Tangas (und der Unterwäsche im Allgemeinen) ist. Dieses kaum vorhandene Stück Stoff, das das Gesäß und die Genitalien verdeckt, wurde ursprünglich nur von Männern getragen. Der wohl bekannteste Lendenschurz (aus dem wahren Leben) gehörte Ötzi, dem Mann aus dem Eis. Als sein außergewöhnlich gut erhaltener Leichnam aus dem 31. Jahrhundert v.Chr. 1991 in den italienischen Alpen gefunden wurde, konnte man Ötzi in seinem eigenen Lendenschurz, welcher wohl das berühmteste paar Unterhosen der Welt darstellt, bestaunen. Heute werden der Ötzi und seine schmuckvolle Unterwäsche im Südtiroler Archäologiemuseum ausgestellt.

Echte, als Unterwäsche getragene Tangas konnte man einige Jahrhunderte später an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt finden—jedoch wurden sie wieder ausschließlich von Männern getragen. Angeblich reichen die Entdeckungen erster Tanga-Träger in Asien, Afrika und den wärmeren Regionen Europas sogar zurück bis 42.000 v.Chr.: Bereits vor tausenden von Jahren fertigten die San in verschiedenen Teilen Afrikas Tangas aus Tierhäuten an, die mit Schnüren oder Sehnen um die Hüften gebunden wurden. Über die darauffolgenden Jahrtausende verbreitete sich diese Technik über die ganze Welt bis in das alte Ägypten, das antike Griechenland und Japan.

Japanische Zeichnung eines Fährmanns, der seinen Lendenschurz auswringt. Bild: Wikipedia

Die Geißel der Stripper

Aber kommen wir nun zu dem, woran wir alle denken, wenn wir an Tangas denken: ein winziges, sexy aussehendes und manchmal auch aus irgendwelchen Gründen zwickendes Höschen (vorwiegend für Frauen). Seinen ersten großen Auftritt hatte der Tanga, wie wir ihn heute kennen, auf der Weltausstellung von 1939 in New York—jedoch nicht als neumodische Erfindung, die man aufstrebenden Investoren aus aller Welt präsentieren wollte. Vielmehr trieb der damalige Bürgermeister Fiorello La Guardia die Entwicklung voran, nachdem er verlangt hatte, dass Nackttänzer während der Weltausstellung „ihre Blöße bedecken" sollten. Als ein etwas eigenwilliges Zeichen des Entgegenkommens trugen die Tänzer Tangas, die gerade genug bedeckten, um den offenkundig prüden Bürgermeister La Guardia zufriedenzustellen.

„Das kann nur ein Mann erfunden haben"

Tangas werden oft in direkten Zusammenhang mit High-Heels gesehen; Sie sind beide weder sonderlich bequem noch wurden sie notwendigerweise dafür gemacht bequem zu sein. Während Stripper die ersten waren, die die moderne Version des Tangas getragen haben, hört man oft, dass der Tanga in der Modeszene erst 1981 ankam, als Frederick Mellinger den Frauen erstmals seine knappen Höschen—bekannt als „scanty panties"—verkaufte.

Falls euch der Name Frederick Mellinger bekannt vorkommt, kommt das wahrscheinlich daher, dass irgendjemand bei euch zuhause in eurer Kindheit den Dessouskatalog von Frederick's of Hollywood bekommen hat. Der Kult um die Lingerie- und Wäschemarke reicht zurück bis in die 1940er Jahre, als Mellinger den Push-up erfunden hat. Es ist unbestreitbar, dass dieser Mann ein Händchen für revolutionäre Unterwäsche hatte.

Frederick's of Hollywood machte den Tanga massentauglich, aber Mellinger ließ sich den ersten Tanga nicht patentieren. Diese Ehre gebührt dem Designer Rudi Gernreich, der sich den Hauch von Nichts 1979 patentieren ließ. Derselbe Mann brachte uns auch den Oben-ohne-Monokini.

Pop-Songs und Tangas

Tangas wurden irgendwann zu einem festen Bestandteil der Popkultur und der massentauglichen Mode. Sisqós „Thong Song" von 1999 schaffte es auf die Nummer drei der Billboard Hot 100 im Jahr 2000. In dem Song heißt es unter anderem „All night long, let me see that thong" (dt. „Zeig mir deinen Tanga und zwar die ganze Nacht"). Zehn Jahre später veröffentlich der HipHop-Künstler Pitbull seinen Song „No Thongs". Und auch Sia brachte 2016 eine Single raus, die den Tanga zum Thema machte: „Sweet Design"—hier sampled die Sängerin Sisqós Leitmelodie.

Der „Perlenstring" markiert einen weiteren wichtigen Moment in der popkulturellen Geschichte des Tangas. Dieser sorgte 2013 für reichlich Aufsehen, als er der Welt von Designer Bracli präsentiert wurde (wobei sich Fans der Serie Sex and The City bereits an ein ähnliches Kleidungsstück am Körper von Samantha Jones erinnern dürften). Während das Unternehmen nicht explizit erklärte, wofür dieses spezielle Kleidungsstück gedacht war, wurde der Öffentlichkeit schnell klar, dass der Perlenstring unter anderem auch ein Sexspielzeug für die Frau darstellen sollte. Bracli umschreibt diese sinnliche Version eines Tangas nach wie vor als ein "Design für leidenschaftliche Menschen". Hierzu muss noch erwähnt werden, dass der Perlenstrang vom Umtausch ausgeschlossen ist.

Obwohl die Verkaufszahlen von Tangas in den letzten Jahren leicht rückläufig sind—2015 zitierte die New York Times die Umfrageergebnisse des amerikanischen Marktforschungsinstituts National Purchase Diary, welche zeigen, dass der Verkauf von Tangas zwischen 2014 und 2015 um sieben Prozent gesunken ist—ist der Tanga wohl auch in naher Zukunft nicht aus den Wäschekollektionen wegzudenken. Schließlich wurde 2014 von einigen Medienvertretern zum „Jahr des Hinterns" erklärt und dieser Trend scheint sich so bald wohl nicht umzukehren. Von Nicki Minajs Albumcover zu Anaconda, über Rihannas Jeans-Tanga, bis hin zu Miley Cyrus mit Hanfblättern geschmückten Leotard—es scheint, als ob der Einfluss dieses geschichtsträchtigen Höschens noch längst nicht abnimmt.