Geschichten über die wohl schlimmsten Ex-Partner aller Zeiten
Illustration by Grace Wilson
Beziehung

Geschichten über die wohl schlimmsten Ex-Partner aller Zeiten

Hassnachrichten, Stalking, finanzieller Ruin—Trennungen bringen in vielen Menschen die dunkelsten Seiten zum Vorschein. Wir blicken in die Untiefen der Zwischenmenschlichkeit.
22.6.16

Ich war schon immer der Meinung, dass der Roman Sturmhöhe im Vergleich zu anderen Klassikern der viktorianischen Literatur ziemlich unterschätzt wird und eigentlich unglaublich unterhaltsam ist.

Was die Geschichte so interessant macht, ist die Tatsache, dass es nicht nur einen, sondern gleich zwei schreckliche Ex-Freunde gibt. Nach Jahren der Zuneigung zu ihrem Kindheitsfreund und Geliebten Heathcliff wird Catherine Earnshaw zu einem heuchlerischen Snob und weist ihre wahre Liebe aufgrund seines sozialen Status, seiner niederen Herkunft und seiner ungepflegten Manieren zurück. Heathcliff wiederum läuft daraufhin aufgebracht davon. Irgendwann bereut Catherine, ihn abserviert zu haben, und erkrankt an einer dieser unbestimmbaren Krankheiten, an denen im 19. Jahrhundert irgendwie immer alle litten. Heathcliff kommt zurück, geht auf die Avancen von Catherines Schwester ein und kriegt seine Rache. Catherine bekommt eine weitere dieser dubiosen Krankheiten, stirbt und sucht ihn heim, bis auch er schließlich stirbt.

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Zusammengefasst ist die Geschichte die Essenz davon, wie selbstsüchtig, manipulativ und im Allgemeinen furchtbar uns Liebe machen kann—egal wie schön alles mal angefangen haben mag. Aus diesem Grund hat Kate Bush auch einen Song über die beiden geschrieben. Und weil wir alle das Thema der abgründigen Liebe nur all zu gut kennen, habe ich auch so unglaublich viele Rückmeldungen bekommen, als ich die Leute gebeten habe, mir Geschichten über ihre schrecklichen Ex-Partner zu erzählen.

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„Wenn du mit ‚schrecklichem Ex-Freund' den Typen meinst, der mich unsere gesamte Beziehung hinweg (sowohl vor als auch während unserer Ehe) betrogen hat, der abhängig von Schmerzmitteln war, der mehrere Jobs verloren hat, weil er gestohlen hat und einen weiteren, weil er einen falschen Bruder erfunden hat, um dann zu sagen, dass er nicht zur Arbeit kommen könnte, weil er zur Beerdigung seines Bruders müsste, und der mich irgendwann für eine verheiratete Frau verlassen hat—ja, dann habe ich einen schrecklichen Ex-Freund", schrieb mir eine Frau.

„Schreckliche Ex-Freunde! Einer meiner Ex-Freunde hat mir mal gesagt (da waren wir schon sechs Monate zusammen), dass meine Vagina nicht sonderlich ‚einladend' wäre, weil sie angeblich so eng und trocken ist", erzählte mir Emma*. „Ich meinte, dass er eben mehr Wert auf das Vorspiel legen sollte und er antwortete, dass er glaubt, dass meine Vagina versuche, ihm ‚wehzutun', weil ich noch nicht verkraftet habe, dass ich einige Jahre zuvor, sexuell missbraucht worden war. Zuvor hatte er mir bereits gesagt, dass er mich sexuell nicht anziehend fände, weil ich ‚übergewichtig' sei (zu der Zeit erholte ich mich gerade von einer Essstörung). Und das Beste war: Er studierte im Nebenfach Genderstudies."

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„Ich habe zwei schreckliche Ex-Freunde", sagt Annelise. „Der eine hat mich in die Schulden geritten und dafür gesorgt, dass wir beide wegen des Mietvertrags, aus dem er mich nicht rausließ, verklagt wurden (und dann drohte er mir, mich zu verklagen). Der andere schreibt mir alle paar Monate. Manchmal sagt er, dass wir Freunde sein sollten und dass er mich vermisst und dass ich das netteste Mädchen wäre, das er jemals getroffen hat. Dann kommen aber auch immer wieder wirklich böse Nachrichten, in denen er mich als Versagerin bezeichnet und dass ich mich dafür schämen sollte, wer ich bin und was ich tue. Außerdem benutzt er sehr private und persönliche Sachen, von denen er weiß, dass es sensible Themen für mich sind, dazu, mich fertig zu machen."

Er hat den Tod von David Bowie zum Anlass genommen, sich nach einem Jahr wieder bei mir zu melden.

Ich wollte diesen Artikel schreiben, um zu zeigen, wie Menschen Monate und Jahre der Vertrautheit einfach einstampfen können. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass es zu viele schlimme Ex-Freunde gibt, um sie alle in einem Text unterzukriegen.

Das wirft natürlich die Frage auf, warum überhaupt so viele Leute mit Personen zusammen waren, die sich später als wahre zwischenmenschliche Monster herausstellten. Also habe ich Lisa Brateman, einer Psychotherapeutin und Beziehungsexpertin aus New York, angerufen. Sie sagt, dass „Leute manchmal vollkommen abheben und man gar nichts dafür kann", das Problem ist oft nur, dass Leute überhaupt nicht wissen, wie sie mit einer Trennung umgehen sollen.

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„Es ist ja nicht so, als ob sich die Person plötzlich verändert", sagt sie mir. „Wenn es irgendwie abwärts geht, dann spürt man das ja schon länger. Die Leute fangen an, sich anders zu verhalten, sie rufen nicht mehr so schnell zurück, sie begleichen ihre Schulden nicht mehr. Sie halten den anderen nicht mehr auf dem Laufenden und die Person, die ausgeschlossen wird, spürt das. Doch anstatt zu sagen: ‚Weißt du was? Das funktioniert so nicht', lebt [die erste Person] ihre Gefühle aus und hofft, dass die andere Person die Andeutungen schon versteht. Aber eigentlich macht es [die andere Person] nur wütend."

Manchmal fängt der zukünftige schreckliche Ex-Freund natürlich auch an, Warnsignale zu geben. Annelise—die Frau, deren Ex sie wegen der Streitigkeiten über den gemeinsamen Mietvertrag in die Schulden geritten hat—sagt, dass ihre Freunde genau sagen können, in welchem Moment sich sein Verhalten verändert hat. „Ich habe immer gedacht, dass jeder Mensch tief in seinem Inneren gut ist oder dass man sich zumindest mit jedem unterhalten könnte", sagt sie. „Falsch. Nachdem ich jahrelang mit Freunden gesprochen habe, die ihn kannten und ich erfahren habe, wie sie ihn als Außenstehende gesehen haben, bin ich überzeugt, dass sich irgendwann etwas verändert hat. Er fing an, Grenzen zu überschreiten, was zunächst niemand erwartet hätte—und zwar nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen."

In anderen Fällen ist einfach nicht ersichtlich, dass die Person, mit der du zusammen bist, so schlimm auf die Trennung reagieren wird. Jamil war ungefähr vier Monate lang mit Carly zusammen, als er merkte, dass sie noch an einem ihrer Ex-Freunde hing und Schluss machte. Carly wurde wütend. „Sie schickte mir einen Brief, der zwar sehr nett war, aber jedes einzelne meiner Worte vollkommen verdrehte. Sie meinte, dass sie wirklich verletzt wäre, dass ich sie nie wieder sehen wollte", sagt Jamil. „Aber ich habe nie gesagt, dass ich sie nie wieder sehen will. Ich schrieb ihr eine Nachricht, in der ich mich für den Brief bedankte und ein paar Sachen klarstellen wollte, die sie gesagt hat, die aber so nicht stimmten—in der Hoffnung, die Dinge so zum Besseren wenden zu können. Doch daraufhin explodierte sie. Sie nannte mich herablassend, bevormundend, unhöflich, arrogant und abgefuckt. Danach hat sie mich noch ziemlich lange per SMS belästigt und meinte, sie könnte mich nicht einmal dann lieben, wenn ich es wollen würde." Umso absurder, als dass Carly zwei Wochen nach der Trennung bereits einen neuen Freund hatte.

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Viele Ex-Partner sehen kein Problem darin, nachzufragen, ob man „sich mal wieder treffen" wolle; auch nachdem die traumatische Beziehung zu einem bitteren Ende geführt hat. Wie bei Catherine Earnshaw nehmen diese Versuche, sich wieder anzunähern—sei es, um das eigene Gewissen zu erleichtern oder weil der Ex nicht mehr schweigend vor sich hinschmachten möchte—nur selten ein gutes Ende. „Nachdem er [während unserer Beziehung] monatelang Kontakt mit seiner bipolaren Ex, die als Prostituierte arbeitet, hatte und wir versucht haben, unsere Beziehung am Laufen zu halten, hat [mein Ex-Freund] einfach sang- und klanglos den Kontakt zu mir abgebrochen und ist zurück zu seiner Ex gegangen, weil sie seine Rechnungen bezahlt", erzählte mir eine Frau namens Leigh. „Er nahm den Tod von David Bowie zum Anlass, sich ein Jahr später wieder bei mir zu melden." Nachdem Emma—die Frau, deren Vagina angeblich nicht „einladend" ist—und ihr Ex „zweieinhalb Monate voller Trennungsgespräche" hinter sich hatten, die darin gipfelten, dass er schließlich Schluss machte, „bettelte" er sie doch irgendwann wieder an, ihn zurückzunehmen.

„Er ist mein einziger ehemaliger Freund, den ich als meinen ‚Ex' bezeichnen würde", sagt sie. „Die anderen nenne ich ‚meinen Freund von der Uni' oder ‚den Typen, mit dem ich mal zusammen war'."

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Manche Ex-Freunde reagieren auf die Schuldgefühle und die Leere nach einer Trennung mit einer geradezu strategischen Besessenheit, die verschiedene Formen annehmen kann. Eine davon ist Kontrollsucht. Als Petra und ihre ehemalige Freundin Schluss machten, beschlossen sie, wegen ihres Mietvertrags noch einige Monate lang weiter zusammenzuleben. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

„Ich durfte nicht mit Freunden oder anderen Leuten rumhängen, wenn sie nicht dabei war, obwohl wir eigentlich schon Schluss gemacht hatten", sagt Petra. „Sie durchsuchte mein Telefon, mein Facebook-Profil und meine Kamera. Einmal schlug sie mir ziemlich fest ins Gesicht, weil ich sie nicht küssen wollte."

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Danach zog Petra in eine andere Stadt. Ihre Ex folgte ihr. „Sie stand plötzlich vor meinem Haus, machte meinen ehemaligen Arbeitgeber, einen Fotografen, ausfindig und ließ ihn sein Buch für sie und mich signieren. Sie rief mich immer wieder an und schickte mir noch Ewigkeiten irgendwelche schrecklichen Mails." Die ganze Geschichte wird „in einem furchtbaren Roman nacherzählt, in dem [Petras Ex-Freundin] erklärt, wie schlimm ich un unsere gesamte Beziehung gewesen wären—eine ziemlich einseitige Berichterstattung." Petra hat das Buch nicht gelesen, aber sie hat „die Interviews und ein paar der Zeichnungen" gesehen.

Er hat einen falschen Bruder erfunden, um dann zu sagen, dass er nicht zur Arbeit kommen könnte, weil er zur Beerdigung seines Bruders müsste.

Petra bereut diese Beziehung „komplett". Ihre Ex-Freundin war „noch nicht mal heiß", sagt sie. Das Ganze klingt zwar ziemlich schrecklich, aber es kann auch ziemlich schlimm enden, wenn man seine Beziehung nicht bereut. Mit dem Ex, von dem man sich in aller Freundschaft getrennt hat, befreundet zu bleiben, klingt immer nach einer guten Idee—vor allem, wenn man gerade verzweifelt in das Loch starrt, das der Ex-Partner in der Lebensplanung hinterlassen hat. Wenige dürften diesen Gedanken aber so sehr auf die Spitze treiben wie Malcolm.

„Ich beharre ziemlich fest darauf, dass wir Freunde bleiben—also die Sorte Freunde, die sich ständig schreiben, spätnachts noch anrufen und sich jede Woche sehen. Und das gleich nach der Trennung", sagt er. „Ich finde das nicht schlimm, aber mir wird immer wieder von Außenstehenden gesagt, dass es schrecklich sei."

Während unseres Gesprächs wirkt es so, als wäre Malcolm völlig im Reinen mit der Situation. Probleme hätte er deshalb erst einmal bekommen, sagt er, als seine Ex-Frau vor Kurzem ablehnte, mit ihm Kaffee trinken zu gehen. „Wer mir irgendwann mal wichtig war, ist mir auch weiterhin noch wichtig. Wenn sie nicht will, kann ich sie nicht dazu zwingen, aber das macht mich echt fertig." Als ich ihn frage, ob eine seiner neuen Freundinnen es schon mal unangenehm fand, dass er so eigenartig enge Beziehungen zu Leuten pflegt, in die er mal verliebt war und mit denen er auch geschlafen hat, sagt er: „Zumindest war es noch niemandem EXTREM unangenehm."

Malcolm sagt auch, dass zwar Verabredungen wie Abendessen, Kino oder zusammen kochen OK wären, dass er aber niemals mit seinen Ex-Freundinnen trinken gehen würde. Seiner Meinung nach würde nur bedeuten, dass sie „nochmal Schluss machen müssten." Manchmal ist man eben auch selbst der schreckliche Ex-Partner.


*Alle Namen wurden geändert.