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Satellitenbilder enthüllen Spuren verlorener Kontinente unter der Antarktis

Geologen haben unter der Antarktis uralte Stücke der Erdkruste entdeckt, die zum heutigen Indien und Australien gehören. Eine Video-Animation zeigt die Entstehung des kaum erforschten Kontinents.
12.11.18
Screenshot einer Animation über die Entstehung der Antarktis
Bild: Screenshot | YouTube | ESA

Die Antarktis ist aus Sicht von Geologinnen und Geologen der wohl mysteriöseste Kontinent unserer Erde, denn seine dicken Eisschichten machen es schwer, ihn zu erforschen. Jetzt gewähren Satellitenbilder erstmals tiefe Einblicke unter die Eisdecke und bringen neue Erkenntnisse über die Geschichte des Kontinents.

Die Studie, die Forschende vom Institut für Geowissenschaften der Uni Kiel am 5. November in der Fachpublikation Scientific Reports veröffentlichten, gibt Aufschlüsse darüber, wie sich die Antarktis in den vergangenen 200 Millionen Jahren entwickelt hat. Praktischerweise haben die deutschen und britischen Forschenden ihre Ergebnisse in einer 24-sekündigen Animation zusammengefasst.

Das Video rekonstruiert, wie sich die tektonischen Platten im Laufe der Geschichte verändert haben. Es zeigt beispielsweise, wie sich die Landmassen der heutigen Antarktis, Indien und Australien vor etwa 160 Millionen Jahren vom Superkontinent Gondwana trennten und an ihre heutigen Positionen wanderten.

Die Bilder, die die Forschenden ausgewertet haben, stammen von einem Satelliten der ESA, der von 2009 bis 2013 um die Erde kreiste. Mithilfe seiner Aufzeichnungen konnten sie präzise Modelle der Lithosphäre erstellen; das ist die äußerste Schicht der Erde, zu der die Erdkruste und der äußere Teil des Erdmantels gehören.

Bei der Auswertung der Daten kamen Überbleibsel lang verschollener Landmassen zum Vorschein, die in den Aufnahmen sehr alter Krustenteile noch heute sichtbar sind. Diese Daten helfen dabei, die rätselhafte Frühgeschichte der Erde besser zu verstehen, wie die Uni Kiel in einer Pressemitteilung schreibt.

"Satellitengestützte Gravitationsdaten revolutionieren unsere Möglichkeiten, den am wenigsten verstandenen Kontinent der Erde zu erforschen – die Antarktis", sagte der Mitautor der Studie, Fausto Ferraccioli. "In der Ostantarktis sehen wir ein spannendes Mosaik geologischer Formationen, die fundamentale Ähnlichkeiten und Unterschiede erkennen lassen zwischen der Kruste der Antarktis und den anderen Kontinenten, mit denen sie vor 160 Millionen Jahren verbunden war."

Anhand der Satellitenaufnahmen konnte das Forschungsteam tief ins Innere der Erde schauen – auch an Stellen, zu denen sie aufgrund der dicken Eisschicht sonst nicht vordringen können. So entdeckten sie unter den Eisfeldern der Ostantarktis uralte Bereiche der Erdkruste, die in ihrer Form zu den Platten von Indien und Australien passen.


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"Die Satellitendaten können mit seismologischen Daten kombiniert werden, um einheitlichere 3D-Bilder der Kruste und des oberen Mantels der Erde zu erstellen. Diese sind äußerst wichtig, um zu verstehen, wie Plattentektonik und Manteldynamik miteinander interagieren", sagte der Hauptautor der Studie, Jörg Ebbing von der Universität Kiel. Diese Erkenntnisse helfen nicht nur dabei, die Geschichte unseres Planeten besser zu verstehen, sie könnten auch Aufschluss darüber geben, wie die Kontinentalstruktur unterhalb der Antarktis ihre Eisdecke und somit den zukünftigen Anstieg der Meeresspiegel beeinflussen könnte.

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Dieser Artikel ist zuerst auf der englischsprachigen Seite von Motherboard erschienen.