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Was herauskam, als mir vier Wahrsagerinnen die Karten legten

Monikas Miene verdüstert sich. Sie sieht "irgendwas mit Organen" und bittet mich, möglichst bald zum Arzt zu gehen.

von Marie Trankovits
03 Januar 2019, 1:03pm

Collage: VICE || Hände: CC0 || Tarot: imago | Kraft

Meine ungarische Großmutter hat meiner Schwester und mir von klein auf aus der Hand gelesen – obwohl meine Eltern das ausdrücklich verboten hatten. Sie hielten Wahrsagerei schon damals für ausgemachten Humbug. Inzwischen weiß ich, dass zumindest unsere Omi nicht die besten Beziehungen zum Kosmos hatte. So manche Voraussage, wie eine Hochzeit mit Ende Zwanzig, ist nie eingetroffen.

Dennoch bin ich seitdem fasziniert von Menschen mit spirituellen Begabungen, auch wenn ich sonst eher wissenschaftlich geprüften Studien vertraue. Also beschließe ich, meinen eigenen Test zu machen, und mir, anstatt von einer, gleich von vier Personen die Zukunft voraussagen zu lassen.


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Esoterik, Hexerei und Astrologie feiern seit Jahren ihr großes Comeback. Nicht viele geben es zu, aber nicht nur Hollywood-Stars und Politiker lassen sich von Beraterinnen mit übersinnlichen Fähigkeiten lenken. Während in Deutschland und Österreich immer mehr Menschen Kirchen und Religion den Rücken kehren, feiern tausend Arten von Esoterik Triumphe. In Österreich glauben laut dem Linzer Market-Institut fast drei Viertel der Menschen an gutes Karma, an Gottes Allmacht aber nur noch 39 Prozent – und ganze 15 Prozent glauben tatsächlich, dass es Mitmenschen gibt, die zaubern können.

Zu denen gehöre ich zwar nicht, aber mich interessiert, wie es in der Zukunft, im Beruf und in der Liebe bei mir weitergeht. Beruflich fahre ich derzeit mehrgleisig und liebestechnisch bin ich halbherzig Mitglied im Fitnessstudio der Liebe: Tinder. In einem euphorischen Moment angemeldet, um es dann doch nicht zu nutzen. Ich wäre dankbar für ein paar klare Ansagen.

Stundenlang durchforste ich das Internet nach Menschen in Wien, die sich zutrauen, mir meine Zukunft vorauszusagen, und finde eine Telefonberaterin, eine klassische Wahrsagerin, eine Nummerologin und eine Kartenlegerin.

Und zumindest bei einem Thema werden sich alle einig sein.

Kandidatin 1: verwirrende Wortfluten am Telefon

Sich die Karten über das Telefon legen zu lassen, scheint derzeit die beliebteste Methode zu sein. Die meisten dieser Hotlines schreien allerdings direkt: "Abzocke!!!" 0-800-Nummern, die zwischen zwei und vier Euro die Minute kosten. Meine Telefonwahrsagerin-Constanze hat eine verhältnismäßig seriös wirkende Homepage mit Fixpreisen und einer normalen Handynummer. Constanze heißt übrigens nicht Constanze, da ich weder ihr und den anderen vorher gesagt habe, dass ich über ihre Voraussagen schreiben werde, um sie nicht zu verfälschen, habe ich sie hier anonymisiert.

Die auf den Fotos vor guter Laune strotzende Frau bietet ihre Beratung via Skype, Telefon oder Email an. Per Paypal habe ich 45 Euro überwiesen, 30 Minuten Zukunftsprognosen soll ich dafür bekommen. Zwei Stunden nach der Überweisung kriege ich eine SMS, dass die Kartenlegerin nun bereit sei, mit mir zu telefonieren.

Constanze redet hektisch und hat einen befehlerischen Unterton. "Ich muss dich duzen, sonst hat das alles keinen Sinn! Ich kann keinen Kontakt zu dir aufnehmen, wenn ich dich sieze!", macht sie zu Beginn klar. Dann fragt sie mich, ob ich zwischen die Gedanken gehen könne. "Ich meditiere manchmal", biete ich an und sie ist zufrieden.

"Du befindest dich kurz vor den Presswehen, welche einen neuen Lebensabschnitt hervorbringen. Bereite dich gut vor, aber erwarte nicht zu wissen, was genau auf dich zukommt." – Constanze

Was der Grund für meinen Anruf ist, möchte sie wissen, und ich antworte vage, dass mich interessiert, welche Veränderungen ich in der Liebe und im Beruf zu erwarten habe. Das reicht ihr nicht, ich soll genauer ins Detail gehen.

Nach einer knappen Erläuterung legt Constanze los, und zieht die erste Karte. Wie diese aussieht, verrät sie mir nicht. Sie stehe für "Umbruch, Veränderung", das bedeute, dass etwas Altes nun komplett abgeschlossen ist. "Du befindest dich auf einer Fähre, die gerade ablegt", sagt Constanze und malt mit wenigen Worten ein anschauliches Bild. Ein genaues Ziel könne sie nicht sehen, aber ich würde nie wieder zu dem abgelegten Ufer zurückkehren können. Und so eine Überfahrt kann dauern. "Versuch die Fahrt zu genießen. Du musst generell passiver werden."

Von dem Bild der Fähre geht sie über zu einer drastischeren Metapher: "Du befindest dich kurz vor den Presswehen, welche einen neuen Lebensabschnitt hervorbringen. Bereite dich gut vor, aber erwarte nicht zu wissen, was genau auf dich zukommt", prophezeit sie nebulös. "Das Baby, deine Zukunft, kannst du erst nach der Geburt sehen. Verstehst du, was ich damit meine? Zu wissen wie dein Glück aussieht, ist jetzt noch nicht möglich."

Zögerlich stimme ich zu und frage mich, ob es für die Lebens-Presswehen eine PDA gibt.

Aber sie warnt: "Das wird nicht einfach. Erwarte keine leichte Zeit. Du bist im Inbegriff, dein Glück zu gebären, aber die Geburt kann sich ziehen und teils unangenehm werden." Ich bin etwas verwirrt. Ich soll passiv die Fahrt auf der Fähre genießen, aber der offensichtlich schmerzhafte und aktive Geburtsvorgang werde mir dann mein Glück bescheren.

Dann kommt sie zum Thema Liebe und scheint zu erschrecken. Die Karte, die sie gezogen habe, stehe für eine Warnung. "Es wäre falsch, dich jetzt auf einen Mann zu konzentrieren", betont sie und ich bin nun doch heilfroh, nicht in einer festen Beziehung zu sein. Ihre Worte könnten mich sonst sehr verunsichern, meiner Oma zufolge sollte ich zum jetzigen Zeitpunkt verheiratet sein. Wäre dieser Mann dann der Falsche gewesen?

Ab Mai stehen die Zeichen aber wieder gut, sagt Constanze. Nicht nur das, es wird der Mann fürs Leben! Und wieder mahnt sie: "Denk daran: Gib auch hier die Kontrolle ab. Alles wird sich fügen, nimm einfach an, was das Leben dir zu geben hat."

Nach 20 Minuten kann sie nichts mehr sehen und bricht das Gespräch ab. "Das wars. Mehr kann ich dir diesmal nicht sagen. Das reicht aber auch fürs Erste!" Mir reicht es in diesem Moment auch.

Durch dieses konfuse Telefonat habe ich erfahren, dass ich nicht weiß, was mir die Zukunft bringt und ich mich erstmal von Männern fernhalten soll, aber der Nächste dann immerhin die Liebe fürs Leben wird. Wie ich Anstrengung und passives Verhalten unter einen Hut bringen werde, muss ich mir noch überlegen.

Eine Wahrsagerin wie aus einem Hollywood-Film

Es ist ein eisiger Vormittag in Wien. In einer kleinen Seitengasse, hinter der Mariahilfer Straße finde ich das Büro und den Seminarraum von Frau Lebom, die in Wahrheit auch anders heißt. Die Tür schwingt summend auf und ich trete in einen beengten Raum, offensichtlich der Seminarraum. Auf sechs runden Tischen sind Lavendelsträucher, allerlei Papiere und Broschüren über die Wahrsagerin verteilt, über die gepolsterten Stühle hängen beige Bademäntel mit Kapuzen. Kalter Zigarettenqualm hängt in der Luft, erinnert mich an den Morgen nach einer Party. An der Wand ein Schild mit der Aufschrift: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos".

Nach einigen Minuten Wartezeit begrüßt mich Frau Lebom freundlich, schaut mich fest und ein wenig forschend aus dunklen Augen an. Ihre Lippen und Nägel sind dunkelrot, das Haar kurz und rabenschwarz. Sie geleitet mich in ihr Arbeitszimmer, wo sie sich als erstes eine weiße Slim-Zigarette anzündet. Dann reicht sie mir schweigend ein Miniatur-Kartenset.

Ich werde nie stillstehen, lange leben, gesund bleiben und ein glückliches Leben führen. Ich bin begeistert. Hoffentlich beherrscht sie ihr Handwerk!

Ich soll die Karten gründlich mischen, dann einen Stapel abheben. Mit der linken Hand, wenn ich Single bin, mit der Rechten, wenn ich einen Partner habe. Ich hebe mit links ab und Frau Lebom beginnt, die Karten der Reihe nach zu einem großen Quadrat zu legen. Sie schaut sich lange die Reihenfolge der bunten Bilder an und sprudelt dann los.

Die nächsten zwei Jahre werden für mich "sehr abwechslungsreich und positiv", sagt sie. Ich werde "große Erfolge feiern", "viele Freundschaften schließen" und vor allem "den Mann fürs Leben treffen". Den sieht sie sogar sehr deutlich: Er sei etwas älter, erfolgreich, wir werden viel reisen, ein bis zwei Jahre zusammenleben, um dann zu heiraten und zwei Kinder zu bekommen. Es werde "die große Liebe", und sie sehe stets Harmonie, keine Dramen, kein Unglück. Soll mir sehr recht sein, auch wenn sich das verdächtig nach einem abgedroschenen Standard-Lebensplan anhört.

Aus familiären Gründen werde ich viel reisen, sagt die Wahrsagerin voraus, aber nie wieder umziehen. Höchstens innerhalb Österreichs. Tatsächlich reise ich – mit einer Familie in der halben Welt verstreut – eine ganze Menge. Das tun heutzutage allerdings die meisten. Sie sieht einen Bruder (ich habe zwei). Er werde umziehen und seinen beruflichen Durchbruch feiern. Ich werde nie stillstehen, lange leben, gesund bleiben und ein glückliches Leben führen. Ich bin begeistert. Hoffentlich beherrscht sie ihr Handwerk!

Dann soll ich die Karten erneut mischen, zu einem Fächer ausbreiten, konkrete Fragen stellen und für jede Frage eine Karte ziehen. Ich erkundige mich nach meiner Schwester: Sie habe eine gute Zeit vor sich und werde viel Glück haben, versichert Frau Lebom. Auch meiner ganzen Familie stehen demnach harmonische Zeiten bevor. Meinen mysteriösen, älteren Mann für mein restliches Leben werde ich in den nächsten 12 Monaten kennenlernen. Im Freundeskreis sieht sie einen Umzug und eine Scheidung.

Meine Augen beginnen zu tränen, aber nicht wegen der drohenden Probleme einer Freundin, sondern weil der Rauch von Frau Leboms mittlerweile vierten Zigarette mir etwas schwummerig werden lässt.

Es sind keine 20 Minuten vergangen, dann ist die Sitzung vorbei. 48 Euro bezahle ich dafür – eine lächerliche Summe für diese grandiose Zukunft, dafür, dass ich nun kurz davorstehe, künftig ein rundum glückliches, harmonisches Leben erwarten zu dürfen. Gut gelaunt spaziere ich durch den sechsten Bezirk und überlege, welcher meiner großen Erfolge wohl als erstes eintreten wird.

Numerologie mit guter Küchenpsychologie

Der riesige Hochhauskomplex, indem meine Zukunft wartet, liegt im 23. Gemeindebezirk grau und kalt vor mir. Frau Giesswein, später darf ich sie Monika nennen, öffnet mir freundlich lächelnd die Tür. Ihre Wohnung strahlt Wärme aus, die Wände bunt, der Teppich weich. Monika bietet mir Hausschuhe an, bringt mir dann, wie von mir gewünscht, statt Tee oder Kaffee einfach heißes Wasser. In ihrem Arbeitszimmer erläutert sie, wie sie als Numerologin mit Hilfe meines Geburtsdatums tief in mein Leben und mich als Person hineinschauen könne. Denn niemand sei "nur zufällig an einem bestimmten Tag geboren". Das Geburtsdatum definiere den Menschen in großem Maße.

Aus meinem Geburtstag, dem 9. Januar 1986, erstellt sie in mehreren Schritten die Quersumme und kommt schließlich auf die Zahl 7.

9+1+1+9+8+6 = 34 = 3+4 = 7.

Auch die Zahlen 9 und 1 seien für mich von Bedeutung.

Die 9 steht für die Kindheit, sagt Monika. Das bedeute, dass ich ein sehr sensibles Kind gewesen sei. Die 1 symbolisiere die Mitte meines Lebens und steht ihr zufolge für "Eigenständigkeit und schöpferisches Potenzial".

Meine entscheidende Lebenszahl aber sei die 7. Dies zeige ihr, dass ich "blitzgescheit" sei, ja, den Geist eines Erfinders in mir trage. Leider bestehe aber die Gefahr, dass ich mein Potenzial nicht voll ausschöpfe. Ich merke, wie ich mich freue: Offenbar bin ich fast genial, muss aber wohl mehr meine Möglichkeiten nutzen. Fakt ist, dass ich tatsächlich eine große blaue Ideen-Box habe, in der sich Hunderte Notizen, Gedanken, Projekte und Konzepte befinden. Angegangen bin ich schon einige, umgesetzt wurden nur eine Handvoll. Ich komme mir ertappt vor.

Aus den Quersummen meines Geburtsjahres und des jeweiligen Jahres errechnet Monika dann die Zahl, die das Jahr 2018 für mich geprägt hat, sowie die Zahl, die 2019 bestimmen wird. Heraus kommen 3 und 4.

2018 sei demnach für mich davon bestimmt gewesen, dass ich "Gefühle annehmen" musste. Es sei ein Jahr der Veränderung und Intuitionen gewesen. Was Monika nicht weiß: Ich bin im Sommer spontan von Berlin nach Wien gezogen und auch sonst gab es sehr viele Veränderungen.

Gespannt folge ich ihren Worten. Ich müsse nun aber lernen, nicht nur zu formulieren, was ich nicht will, sondern was ich will. Das Universum höre mit und kenne Wörter wie "nicht" und "kein" nicht. Als ich am nächsten Tag meiner Schwester von den Ratschlägen erzähle, schlägt sie dem Universum einen Deutschkurs vor.

Tarotkarten
Nicht nur Hollywood-Stars und Politiker lassen sich von Beraterinnen mit übersinnlichen Fähigkeiten lenken. Symbolfoto: Max Pixel | CC0

2019 steht laut Monika im Zeichen von "Struktur, Ordnung und Klarheit". Innerlich stimme ich zu. Die letzten Jahre habe ich die Irrwege des Lebens erkundet, nun freu ich mich wieder eine der übersichtlichen Hauptstraßen zu betreten.

Wir sind fertig mit der Numerologie und ich darf auch bei ihr noch Karten mischen, Monika beginnt sie zu legen. Ganz oben auf liegt der Herzensmann. Allerdings soll ich umdenken. Meine Erwartungen an einen Mann stimmten nicht überein mit dem, was mich wirklich glücklich machen würde. Der Zukünftige liegt neben der Karte für Glück und schöne Gefühle.

Dann verdüstert sich Monikas Miene. Sie sieht besorgt aus. Ich mute mir körperlich zu viel zu, meint sie. Sie sieht "irgendwas mit Organen" und bittet mich, möglichst bald zum Arzt zu gehen. Irgendetwas sei mit meinem Darm, sie vermute, dass ich das Leben nur schwer verdauen könne. Ich solle mich "nicht so unter Druck setzen", sie warnt: "Damit fuckst du dich nur selbst an." Ich muss lachen. Die Stimmung ist von Anfang an vertraut und Monika meint es sichtlich gut mit mir.

Inzwischen sind 45 Minuten vergangen, ausgemacht waren 30. Monika schenkt mir nicht nur die 15 Minuten, sondern auch einen der Schlüsselanhänger, die sie sonst verkauft. Ich wähle einen mit einem Schmetterling, der steht für Metamorphose, Neubeginn. Das gefällt mir.

Eine Wahrsagerin mit erstaunlichen Fähigkeiten

Auch Frau Köppen lebt in einem riesigen Wohnhauskomplex. Nachdem ich endlich das richtige Haus gefunden habe, empfängt mich eine freundliche Dame um die Sechzig in ihrer altmodisch eingerichteten Wohnung. Es riecht nach Katzen und Kaffee.

Ein Jahr könne sie mir voraussagen. Später erfahre ich, dass die Kartenlegetechnik von Marie Anne Lenormand erfunden wurde, der persönlichen Wahrsagerin von Napoleon. Allerdings landete meine Namensvetterin mehrmals im Kerker, da ihre Klienten aufgebracht waren angesichts dessen, was sie ihnen vorausgesagt hatte. Wahr wurde angeblich trotzdem das meiste davon.

Vielleicht wäre ich schon längst Ehefrau und Mutter mehrerer Kinder, wäre ich vor zehn Jahren zu Wahrsagerinnen gegangen.

Gespannt setze ich mich an den kleinen Wohnzimmertisch. Inzwischen geübt, mische ich die Karten und hebe mit der linken Hand ab, dieselbe wie letztens, aber mit einem anderen Grund. Die linke Hand sei die intuitive, erklärt Frau Köppen. "Oh, bei Ihnen gibt es aber einen Herzensmann!", ruft sie erfreut, nachdem sie die Karten aufgedeckt hat. Ich verneine. "Dann tritt dieser eindeutig demnächst in Ihr Leben!" Er sei karmisch, ein Seelenpartner, den ich bereits aus früheren Leben kennen würde.

Hmm, da kommt eine junge, alleinstehende Frau zu Wahrsagerinnen, und alle, alle sehen die große Liebe gleich um die Ecke warten. Vielleicht wäre ich schon längst Ehefrau und Mutter mehrerer Kinder, wäre ich vor zehn Jahren zu Wahrsagerinnen gegangen. Rasch verdränge ich diese ketzerisch-skeptischen Gedanken und freue mich auf meine goldene Zukunft.

Da der Herzensmann direkt neben der Sommerkarte liegt, vermutet Frau Köppen, dass sich im Sommer die Ereignisse überschlagen werden. Etwas später ändert sie ihre Meinung und sieht den Mann meiner Träume im Dezember 2019. Aber auch sonst werden im nächsten Jahr viele Veränderungen auf mich zukommen, sagt sie. Beruflich werde ich einen neuen Weg einschlagen, der meine Lebensaufgabe erfüllt.

Die Wahrsagerin spricht nun über meine Familie. Zu meinem großen Erstaunen sieht sie, dass meine Mutter nicht mehr lebt – wie kann sie das wissen? Auch wohne meine Familie größtenteils sehr weit weg, was ja auch stimmt.

Da unser Gespräch länger als vereinbart war, berechnet mir Frau Köppen 45 anstatt der ausgemachten 30 Euro, aber das ist schon ok. Dazu bekomme ich einen Kugelschreiber mit ihren Kontaktdaten.

Wieder gehe ich nachdenklich nach Hause, denn ein Ergebnis erreichen alle Wahrsagerinnen mit ihren Beratungen: dass man sich viele Gedanken macht. Manches scheint sehr platt küchenpsychologisch, so stehen wohl in jeder Lebensphase Umbrüche an, neue Chancen bieten sich denen, die sie herbeisehnen. Sehr präzise und spezifische Aussagen, wie die über meine Familie lassen mich allerdings staunen. Wie die Wahrsagerinnen meine in jederlei Hinsicht ungewöhnliche Konstellation sehen konnten, wird mir noch einige Zeit Kopfzerbrechen bereiten.

Auf jeden Fall ist es ein schönes Spiel, wenngleich nicht ganz billig. Wie schon bei meiner Großmutter blicke ich nach einer Sitzung tief bestärkt und positiv in die Zukunft, alle Kartenlegerinnen haben mir Mut gemacht und ein gutes Gefühl gegeben. Für einen Energiekick zwischendurch, der zudem narzisstische Bedürfnisse befriedigt, kann ich diese Erfahrung daher empfehlen.

Allerdings werde auch ich meinen (voraussichtlich zwei) Kindern sagen, dass sie sich bitteschön von Niemandem aus den Karten die Zukunft voraussagen lassen sollen. Kluge, empathische und lebenserfahrene Menschen um einen herum können uns da sehr viel besser beraten.

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