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Fleischkonsum

Supermarkt macht in Sachen Tierwohl zwei Schritte nach vorn und einen zurück

Die neuen Richtlinien einer Schweizer Supermarktkette bringen nicht nur Schweine in Bedrängnis. Auch Bauern leiden massiv darunter.

von Katinka Oppeck
14 Dezember 2018, 11:09am

Foto links: Couleur | Foto rechts: Pexels | Pixabay | CC0

Dieser Artikel stammt aus unserer Redaktion in Zürich.

Mit Naturafarm lancierte Coop ein Label, das Supermarktfleisch von glücklichen Bio-Tieren garantieren soll. Mehr Auslauf, bessere Haltungsbedingungen als durch gesetzliche Vorgaben und genug Platz im Stall für Spiel und Spass sind die Stützpfeiler dieses Lebensmittel-Labels. Damit scheint jetzt allerdings Schluss zu sein, zumindest für Schweine.

In einem Brief hat Coop seinen Produzenten kürzlich mitgeteilt, dass die Menge der eingekauften Naturafarm-Schweine bis Ende 2019 um 30 Prozent reduziert werden soll, wie Schweizerbauer.ch am 12. Dezember schrieb. Angekündigt wurde laut dem Newsportal für Landwirtschaft bloss eine Reduzierung um 13 Prozent.

Coop-Sprecher Urs Meier begründet den Entscheid mit sinkenden Kalb- und Schweinefleischkonsum. Beim Kalbfleisch greifen die Schweizer um 20 Prozent weniger zu, als noch vor acht Jahren, wie Meier MUNCHIES per Mail mitteilt. Beim Schweinefleisch seien es 13 Prozent. "Als Konsequenz muss sich auch Coop den veränderten Konsumgewohnheiten und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden anpassen", sagt Meier.


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Weil weniger Schweine- und Kalbfleisch auf den Tellern der Schweizern landet, ist das eigentlich eine logische wirtschaftliche Entscheidung. Und eigentlich ein Fortschritt fürs Tierwohl. Die Krux an den neuen Richtlinien, die Coop an seine Bauern verschickt hat: Die übrig gebliebenen Schweine, die Coop für sein Naturafarm-Label einkauft, sollen künftig weniger Platz bekommen. Und das bringt nicht nur die Tiere sondern auch die Bauern in Bedrängnis.

Denn neben den eigenen Richtlinien für ihre Naturafarm-Höfe, wo die Tiere im Stall "separate Bereiche finden, wo sie fressen, schlafen und spielen können", wie Coop auf der eigenen Website schreibt, sollen künftig für alle Höfe die gesetzlich vorgegebenen BTS- (besonders tierfreundliche Stallhaltung) oder RAUS-Bedingungen (regelmässiger Auslauf) gelten. "Das einzige, das sich ändert, ist die Platzanforderung", sagt Meier. Er betont, dass die Tiere weiterhin Platz zum Spielen, Fressen und Schlafen hätten. Was er aber nicht sagt: Weniger Platz für die Schweine bedeutet auch weniger Lebensqualität, bevor sie ihren Lebensabend als Schnitzel antreten.

Für die Bauern bedeutet der Brief von Coop, dass einerseits die Zuschläge fast um die Hälfte gesenkt werden. Andererseits haben viele Bauern ihren Stall so umgerüstet, um bei Coop als Naturafarm-Hof durchzugehen. Ein kostspieliges Unterfangen, das ab 2020 schon wieder obsolet ist. Mit dem geringeren Umsatz ist das eine Doppelbelastung für Schweinebauern: "Es geht hier um rund acht Millionen Franken Ertrag allein bei den Naturafarm-Produzenten", sagt Suisseporc-Präsident Meinrad Pfister zu Schweizerbauer.ch.

Unter den neuen Richtlinien von Coop müssen auch die Produzenten von Kalbfleisch leiden. Dort wird das Naturafarm-Label abgeklemmt, die bisherigen Landwirte gelten so nicht mehr als Naturafarm-Höfe und müssen künftig "normales" Kalbfleisch verkaufen. Ab dann konzentriert sich Coop nur noch auf das Label Naturaveal, statt Naturafarm-Kalbfleisch in die Regale zu packen. "Naturaveal ist mit der Ammen- und Mutterkuhhaltung die natürlichste und nachhaltigste Form der Kalbfleischproduktion", erklärt Meier.

Gut für die Kälber, schlecht für alle Bauern, die keine Mutterkuhhaltung betreiben.

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