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Alarmierende Meldungen aus den USA: Müssen wir uns von der CD verabschieden?

Eine der größten Elektromarkt-Ketten der USA will ab Sommer keine CDs mehr verkaufen, eine weitere hadert noch. Wir haben bei MediaMarkt und expert gefragt, wie es hierzulande aussieht.

von Julius Wußmann
09 Februar 2018, 11:32am

Foto: imago | Schöning

Laut eines Billboard-Berichts wird die größte Elektromarkt-Kette der USA – Best Buy – ab Juli keine CDs mehr verkaufen. Das ist wohl eine Reaktion darauf, dass voriges Jahr die CD-Umsätze insgesamt dramatisch gefallen sind. Man schätzt, dass Best Buy jährlich nur noch etwa 40 Millionen US-Dollar mit CDs verdient. Vinyls bleiben jedoch weiterhin Bestandteil des Sortiments, wenn auch nur für die nächsten zwei Jahre, um laufende Verträge einzuhalten.

Die Discounter-Kette Target nimmt laut Quellen von Billboard ebenfalls Abstand von der CD. Demnach wollen sie die liefernden Labels nur bezahlen, wenn die CDs auch gekauft werden. Bisher kaufen sie auf Risiko ein und müssen die unverkauften CDs kostenpflichtig zurückschicken. Das Ultimatum soll am 1. April oder 1. Mai auslaufen. Bisher hat angeblich bereits ein Major-Label abgelehnt, zwei andere sind noch unentschlossen. Sollten sie das Angebot von Target auch abschlagen, ist das fast schon ein glatter Knock-out für die CD.

Die nicht zu leugnenden Vorteile von Streaming – leichter Zugang, riesige Mediathek, praktische Verbindung des Smartphones mit Bluetooth-Boxen – sind zumindest in den USA gerade dabei, die gute alte CD zu killen. Aber wie sieht das hier in Deutschland aus? Wir haben mal bei MediaMarkt und expert nachgefragt und: Man vertraut immer noch auf die CD. Laut einer Sprecherin von MediaMarkt plane man "langfristig", sowohl digital als auch physisch Musik zu vertreiben. Der Grund dafür sei, dass "viele Kunden – ähnlich wie bei Büchern – Wert darauf legen, sich die Platten/CDs zuhause ins Regal stellen zu können und ständig verfügbar zu haben".

Eine Sprecherin von expert betont, dass die "CD-Käuferschaft recht stabil" sei. Physische Tonträger würden noch immer 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Die CD aus den Regalen zu nehmen, sei nicht geplant, jedoch würde man das Sortiment "inhaltlich an die Bedürfnisse der deutschen Kunden" anpassen. Da sich immer mehr Kunden für Vinyl interessieren, will expert darauf natürlich reagieren.

Scheint, als würde uns die CD hierzulande noch ein paar Jahre erhalten bleiben und uns mit Kratzer-Remixen und Wutanfällen beim Zerreißen der widerspenstigen Plastikfolie erfreuen. Die nostalgische Seite in uns jubelt, die rationale sucht bei unserem MacBook vergebens nach einem Laufwerk und weint im Auto still vor sich hin.

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