Chris Brown wurde vorläufig wegen des Verdachts auf Vergewaltigung festgenommen

Keine Sorge: Seine Internet-Anwälte sind schon zur Stelle, um ihren Liebling in Schutz zu nehmen. Aber hat er das überhaupt verdient?

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22 Januar 2019, 4:04pm

Foto: imago | MediaPunch 

UPDATE vom 23. Januar, 14:33 Uhr: Chris Brown wurde inzwischen entlassen. Die Ermittlungen gegen ihn laufen trotzdem weiter. Er selbst hat sich in einem inzwischen gelöschten Instagram-Post zu den Vergewaltigungsvorwürfen geäußert. Er stritt alles ab. Außerdem gab er über seinen Anwalt bekannt, nun seinerseits die Klägerin wegen Verleumdung verklagen zu wollen.

Chris Brown ist am Montag in Paris von der Polizei festgenommen worden. Eine 24-jährige Frau hatte eine Anzeige wegen Vergewaltigung gegen den Sänger und zwei weitere Personen bei der Polizei eingereicht. Eine der anderen Personen soll angeblich Browns Leibwächter sein. Laut Medienberichten soll er sich immer noch in Gewahrsam befinden, während die Anzeige geprüft wird.

Was genau vorgefallen sein soll, ist im Detail noch nicht bekannt. Brown soll sich wegen der Fashion Week in Paris aufgehalten haben, wo er das angebliche Opfer in einem Club kennengelernt und schließlich mit in sein Hotelzimmer genommen haben soll. Dort sollen er und die beiden weiteren Verdächtigen die Frau vergewaltigt haben, so das Online-Magazin Focus, das sich auf das britische Boulevard-Magazin The Mirror bezieht.

Fast genau zehn Jahre ist es her, seit Chris Brown im Februar 2009 seine damalige Freundin Rihanna übel zusammenschlug und sein aggressives Verhalten – vor allem gegenüber Frauen – erstmalig öffentlich bekannt wurde. 2017 erwirkte beispielsweise Karrueche Tran, eine weitere Langzeit-Freundin Browns, eine einstweilige Verfügung gegen ihn, nachdem er sie während ihrer Beziehung mehrfach geschlagen, sowie eine Treppe runtergeschubst und schließlich mit Morddrohungen belästigt haben soll. Und die Liste von Browns Übergriffen hört da bei Weitem nicht auf.

Inzwischen könnte man fast sagen, dass Chris Brown heute mehr für sein aggressives Verhalten bekannt ist als für seine Musik.

Chris Brown hat sein Aggressionsproblem in der Vergangenheit mehrfach demonstriert und sogar verbal zugegeben. Dennoch konnte man bei einem kurzen Blick auf Twitter schnell unzählige Tweets ausmachen, die den Sänger blind verteidigen.

Natürlich: Die Welt hat sich gegen Chris Brown verschworen und will ihn einfach nur grundlos fertig machen. Oder das Opfer will nur Geld. Oder noch besser: Fame. Wer wäre schließlich nicht gerne weltbekannt dafür, die Frau zu sein, die von Chris Brown und zwei anderen Männern gruppenvergewaltigt wurde? Die Logik einiger seiner Online-Verteidiger ist so hängengeblieben wie ärgerlich.

Es gibt aber zum Glück auch andere.

Die Anzeige wird derzeit noch geprüft. Also bleibt Chris Brown offiziell unschuldig, bis es zu einer Anklage und in deren Verlauf zu einer Verurteilung kommen sollte. Das ist klar.

Bevor man einen #freechrisbrown-Hashtag bemüht, sollte sich dennoch jeder die Frage stellen, warum man in so einer Situation sofort für einen Menschen mit Chris Browns Vergangenheit Partei ergreift. Egal, ob er dieses Mal wieder schuldig sein sollte oder nicht. Vielleicht wäre es ja zur Abwechslung mal angebracht, ähnliche Empathie zuerst für das mögliche Opfer zu entwickeln.

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