Hangover-News, 3. Juli 2017

Polizisten gehen mit Tränengas gegen G20-Camp vor, Trump dreht auf Twitter durch wie nie zuvor, die AfD will die Ehe für Alle stoppen, darf aber nicht, und ein Typ springt nackt von der Aida.

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03 Juli 2017, 9:19am

Foto: imago | Manngold

Das Wochenende rast. Rasend vorbeigezogen sind diesmal allerdings nicht nur die Tage, sondern auch die Rennfahrer der Tour de France. Am Samstag und Sonntag schnellten die Fahrer an Zuschauern in Düsseldorf vorbei, hier starteten die ersten beiden Etappen des Rennens. Und einer dachte sich, das Gelbe Trikot ist zwar noch nicht vergeben, aber ich kann mich ja mal initiativ bewerben (diese Post ist sicher pünktlich angekommen):

Rasend ist auch das Stichwort für den jüngsten Twitter-Ausraster von Donald Trump. Ebenfalls hitzig ging es auf dem Protestcamp des G20-Gipfels zu, wo Polizisten den Aufbau des Camps verhinderten und Schlafzelte kassierten. Andächtig, aber nicht ohne Spannungen verlief die ungewöhnliche Bestattungszeremonie von Helmut Kohl. Daneben sorgte die AfD mit einer Möchtegern-Klage für weitere Nachrichten und ein Nackter, der von der Aida gesprungen ist: Willkommen bei den Hangover-News.

Polizei behindert Aufbau von G20-Protestcamp

Foto: imago | epd

Jeder Festival-Camper weiß: Zelte aufzubauen nervt. Am Sonntag stellten die G20-Protestcamper am Elbpark Entenwerder fest: Zelte aufzustellen nervt nicht nur, es ist überhaupt nicht möglich. Die Polizei war der Meinung, Kochzelte und Schlafgelegenheiten haben nichts mit Versammlungsfreiheit zu tun, deshalb behinderte sie den Aufbau, indem sie die Zugänge zum Park blockierte. Nachts dann räumte die Polizei das Camp. Dabei setzten die Beamten Tränengas ein, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Organisatoren warfen den Einsatzkräften vor, "unverhältnismäßig" vorgegangen zu sein. Eine Zustimmung des Verwaltungsgerichts zu dieser Verfügung erfolgte erst rückwirkend an diesem Morgen wie Hamburgs Innensenator twitterte:

Das Argument der Polizei: Ein Camp biete "Rückzugsräume für militante Gipfelgegner" und das sei nicht genehmigungsfähig. Jan van Aken (Die Linke) bezeichnete das Vorgehen der Polizisten als Angriff auf die Grundrechte und sieht die Versammlungsfreiheit bedroht. Ohne Polizeibehinderungen startete am Sonntag der erste große Protestzug begleitet von 120 Booten auf der Binnenalster. Die Veranstalter sprechen von 25.000 Demonstranten, die Polizei zählte 8.000.

Trumps kolossaler Twitter-Durchdreher

Bei all dem Verbal-Durchfall, den der Präsident der Vereinigten Staaten auf Twitter beim Kabelfernsehen-Schauen absondert, braucht es viel, um die Welt noch zu schocken. Aber, das muss man ihm lassen, mit diesem Tweet hat er es geschafft.

In einer Videomontage verkloppt Trump als Wrestler die Presse. Das Wrestling-Video ist echt, Trump hatte 2007 an einem Schaukampf mitgewirkt. Der Kämpfer trägt allerdings in der neuen Version das CNN-Logo auf dem Kopf. Trumps Medien-Bashing ist nichts Neues, der wenig subtile Aufruf zur Gewalt schon.

In der letzten Woche legte er sich via Twitter schon persönlich mit zwei Moderatoren an. Dem Sender CNN warf er "Müll-Journalismus" vor. Das Video war dann trauriger Höhepunkt der Eskalation. Die Reaktion von CNN: "Es ist ein trauriger Tag, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten Gewalt gegen Reporter anregt." Solch kindisches Benehmen würdige sein Amt herab, so ein Sprecher des Senders. Bei Twitter schrieb CNN: "Wir werden weiter unseren Job machen. Er sollte damit anfangen, seinen zu machen."

Helmut Kohl wurde beerdigt – und ein Foto bleibt

Foto: imago | Cronos

Wenn ehemalige Staatsoberhäupter beerdigt werden, passiert das oft mit viel Aufwand und Aufgebot. Bei Helmut Kohl war es aber selbst für einen Staatsmann außergewöhnlich viel. Der Sarg des Ex-Kanzlers tourte am Samstag zwölf Stunden für einen Abschieds-Marathon durch Deutschland und Frankreich. Um sieben Uhr morgens wurde der Sarg mit dem Auto in Kohls Heimatort Oggersheim abgeholt. Per Hubschrauber ging es zum EU-Parlament nach Straßburg, später mit einem Schiff wieder den Rhein hinunter, Endstation Speyer. Die Trauerreden beim europäischen Staatsakt in Straßburg hielten unter anderem Bill Clinton und Angela Merkel. Und das, obwohl Maike Kohl-Richter, die Witwe Kohls, anfangs nicht vorgesehen hatte, dass Merkel bei der Zeremonie überhaupt spricht. Merkel und Kohls Verhältnis ist zerrüttet, seitdem Merkel vor 17 Jahren im Zuge der Spendenaffäre mit Kohl gebrochen hat. Dieses Bild mag zwar ein Zufall sein, in diesem Kontext wirkt es, als fasse es das schwierige Verhältnis zusammen:

Ehe für Alle und AfD macht Mimimi

Die Ehe für Alle ist beschlossene Sache und der AfD schmeckt das nicht. Theatralisch und geschmacklos regt sich ein Pressesprecher bei Twitter auf, er sehe das Grundgesetz in Gefahr:

Auch Spitzenkandidat Gauland ist gegen die Ehe für Alle, in der Bild am Sonntag erfand er das Wort "Wertebeliebigkeit" und befand, dafür stehe die Ehe für Alle. Man prüfe nun eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht. Fakt ist allerdings: Die AfD kann hier gar nicht klagen. Weil sie nicht antragsberechtigt ist. Das sind entweder einzelne Bürger oder aber die Bundesregierung, eine Landesregierung oder mindestens ein Viertel aller Bundestagsmitglieder. Da die AfD weder an einer Landesregierung beteiligt ist, noch im Bundestag sitzt, ist ihr Klagevorhaben so unrealistisch wie die Islamisierung Deutschlands.

Ein 24-Jähriger springt nackt von der Aida

Foto: Aida

Vor dem Dreimeterbrett hatte dieser Typ wohl nie Angst: "Mann über Bord" hallte es am Freitagmorgen durch die Kabinen und Flure der Aida. Ein 24-Jähriger ist im Hafen von Palma de Mallorca von dem Kreuzfahrtschiff gesprungen. Wie die Bild berichtet, hat er das wohl nackt gemacht. Passiert ist dem Sprungbrett-Verwechsler nichts, ein Schiff fischte den Mann am Hafen aus dem Wasser. Er wurde anschließend zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht. Zurück an Bord beklatschten ihn offenbar einige Passagiere. Nicht überliefert ist, wie seine Oma, die er auf der Kreuzfahrt begleitete, zur Aktion steht. Wenn da mal nicht das Reise-Taschengeld gestrichen wird.

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