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Noisey News

Das Klügste am Sexismus-Shitstorm um Kollegah sind die Leserkommentare

Wer entscheidet, welche Musik Menschen hören dürfen? Wo liegt die Grenze der Kunst?

von Nina Vedova
13 Dezember 2017, 5:28pm

Foto: Screenshot Youtube

Dass es im Deutschrap dreckig zu- und hergehen kann, ist in etwa so überraschend wie frauenfeindliche Aussagen in der rechtspopulistischen SVP. Dass solche Sprüche auch im HipHop vorkommen, ist zwar fragwürdig, aber nichts Neues. Ob man das mit einem Schulterzucken abtut, weil Rap eben Rap ist, oder sich im Internet aufregt, ist jeder Person selber überlassen. Für beides gibt es triftige Gründe.

In der Schweiz steht aktuell "Ave Maria" von Kollegah und Farid Bang auf Platz 15 der Single-Charts, weshalb er am Wochenende auch vom Radiosender SRF 3 gespielt wurde. Eine Zeile im Song: "Ich fick sie, bis ihr Steissbein bricht". Die Kombination aus dem Sender und der Zeile hat zu einem veritablen Shitstorm in der Schweizer Medienlandschaft geführt.

Etliche Hörer beschwerten sich nach dem Abspielen bei SRF 3 über den Track und auch beim Sender selbst wurde heftig darüber diskutiert. 20 Minuten griff die Debatte auf und traf – wie meistens wenn Strassenrap in der breiten Masse ankommt – einen empörten Puls. Über 3.400 Shares sprechen eine klare Sprache. Angesichts der anstehenden Abstimmung zur Abschaffung der Rundfunkgebühren fragte das Medium im Anschluss Parlamentarier, wie sie die ganze Sache sehen. Wie SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli, die zu 20 Minuten sagt: "Ich frage mich manchmal, was in den Köpfen von solchen Sängern abgeht und was alles unter künstlerischen Freiheiten und Kultur möglich ist. Die Hälfte von diesem Lied versteht man ja gar nicht und die wenigen Passagen, die man versteht, sind gewaltverherrlichend, frauenfeindlich und ich habe für das Null Verständnis". Es folgten noch ein grosses Meinungs-Piece und eine Strassenumfrage.

Wir haben uns durch die Artikel zur breitgetretenen Debatte geklickt und erstaunt festgestellt: Das wohl Klügste an der ganzen Sache sind tatsächlich die Leserkommentare, deshalb möchten wir euch diese zeigen:

Die Sprachbarriere

Alle folgenden Fotos Screenshot von 20 Minuten


Wir kämpfen sogar in der Schweiz selber mit Sprachbarrieren, diese werden nicht kleiner, wenn wir unsere betrachtete Zone auf das Ausland ausdehnen. Deutsch versteht sogar deine Grossmutter, was es ganz einfach macht, sich über deutsche Texte aufzuregen. Doch es stimmt, wenn man die Texte von anderen Liedern übersetzt, gibt es sicher genug "Hit-Lieder", über die sich alle aufregen könnten – 90% sind natürlich etwas hoch gegriffen, aber das bisschen Übertreiben sei der Kommentarspalte gegönnt.

Recht ist Recht ist Recht


Wer entscheidet, welche Musik Menschen hören dürfen? Wo liegt die Grenze der Kunst? Ist es falsch, Musik zu spielen, die die breite Masse hört, wenn diese frauenfeindlich ist? Ist es falsch eine Partei zu Wort kommen zu lassen, wenn diese frauenfeindliche Politik macht? Oder ist das letzten Endes alles nur Satire?

Es geht immer nur um die Stimmen


Ob man den Song gut findet oder nicht ist Geschmackssache. Trotzdem freuen wir uns, dass es nicht nur uns aufgefallen ist, dass hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Stell dir vor, Kollegah entscheidet bald über alle Abstimmungen in der Schweiz. Boss-like.

Das Spiegelbild


Wer das Spiegelbild-Argument bringt, kann kaum einmal falsch liegen. Die Wahrheit schwimmt selten an der Oberfläche. Don’t shoot the Messenger.

Word

Und nochmals Word!



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