Interview

Mavi Phoenix im Interview über Alkohol, Feminismus und Yung Hurn

"Mavi Phoenix ist einfach deswegen politisch, weil ich eine Frau bin."

von Benji Agostini
12 Oktober 2018, 2:02pm

Foto: Benji Agostini

Als ich Mavi Phoenix das letzte Mal beruflich traf, hatte sie ihren ersten Auftritt am Popfest 2016. Damals spielte sie noch auf einer kleineren Nebenbühne. Dass die junge Musikerin dieses Jahr bereits am selben Festival den Headliner gab, bestätigte meine Vermutung, dass ihr Potential bei weitem nicht ausgeschöpft war. Nach Auftritten am Roskilde und dem Primavera, hat sie Anfang Oktober ihre erste Solo-Tour durch Europa gestartet, veröffentlichte ihre Young Prophet II EP und trat bei Jan Böhmermann auf.

Es läuft also ziemlich gut im Hause Phoenix. Deshalb wurde es Zeit, sich mal wieder mit Mavi zu treffen und über die wirklich wichtigen Dinge zu sprechen: Alkohol, Authentizität und die längst überfällige Kollabo mit Yung Hurn. Dazu habe ich Marlene Nader, wie Mavi Phoenix heißt, im Wiener Burggarten getroffen – als es noch heiß genug war, um in Shorts und mit einem Radler in der Hand ein Interview zu führen. Leider hatte ich vergessen, dass Mavi Phoenix eigentlich gar kein so großer Fan von Alkohol ist.

Noisey: Ich glaube, wir haben schon mal darüber gesprochen, dass du ja gar nichts trinkst, oder?
Mavi Phoenix: Eigentlich trinke ich seit ein paar Monaten gar keinen Alkohol. Wenn ich etwas trinke, dann muss schon den ganzen Abend Party angesagt sein. Ich mag es nicht, einfach nur so zu trinken, weil ich es sehr schnell spüre und mir das dann am nächsten Tag nachhängt.

Also gab's bei dir auch nie eine exzessive Partyzeit?
Doch! Mit 16 hab ich es in der Linzer Altstadt schon krachen lassen. Sega Bar, Stones. So schrecklich.

Und nach einem Auftritt?
Doch schon. Aber meistens ist es so, dass wir ziemlich schnell zurück ins Hotel fahren, und am nächsten Tag wieder früh raus müssen. Das bin aber auch nicht ich. Ich bin da eher straight edge.

Gehst du in Wien eigentlich fort?
Ich gehe manchmal mal am Abend mit Freunden in den Park, aber so richtig fort gehe ich nicht. Vielleicht kommt das wieder. Wenn ich zuhause in Wien bin, ist das eher Urlaub für mich.

Brauchst du diesen Ausgleich vom Touren?
Ja, schon. Ich war jetzt gerade eine Woche in Berlin für einen Videodreh und bin gestern Abend zurück gekommen. Davor hatte ich drei Konzerte in Wien, Ingolstadt und Dortmund. Wenn ich von sowas zurückkomme, brauche ich die Zeit zum Runterkommen. Morgen geht's dann eh wieder weiter. Ich habe schon in diesen Rhythmus reinfinden müssen.

Foto: Benji Agostini

Hast du die Live Band jetzt immer dabei?
Nicht immer, weil die Bühnen teilweise zu klein sind oder es sich nicht wirklich auszahlt. Dann spiel ich einfach mit Alex [Anm. d. Red.: Alex The Flipper ist ihr Produzent].

Willst du das auch noch erweitern?
Für meine eigene Tour im Oktober habe ich ein Schlagzeug und einen Bass mit dabei. Ich will jetzt auch nicht viel mehr Leute auf der Bühne haben. Eher würde ich das Bestehende mehr einbinden. Mit einer ganzen Bigband auf der Bühne zu stehen, ist jetzt nicht so mein Style.

Was hat sich bei dir in der Produktion geändert, seitdem du mehr mit Alex zusammenarbeitest?
Auf der neuen EP Young Prophet II hatte Alex fast immer schon Skizzen von Songs erstellt, die er mir via Dropbox zugeschickt hat. Von denen suche ich mir welche aus und fange dann an, darüber meinen Part zu schreiben. Wir schicken uns das mehrmals hin und her. Und wenn ich in Linz bin, gehen wir gemeinsam ins Studio. Ich selber habe schon länger keinen Beat mehr gemacht. Meine produktionstechnischen Fähigkeiten kommen aber mehr zum Vorschein, wenn ich mit Alex im Studio bin und weiterproduzieren kann.

Wen findest du derzeit musikalisch am spannendsten?
Lass mich überlegen ... International finde ich The Internet ziemlich spannend. Es ist aber so schwierig für mich. Je älter ich werde, desto weniger einfach haut mich etwas um. In Österreich finde ich Leyya gerade sehr gut, vor allem ihren neuen Song "Wannabe". Mir fehlt oft bei Künstlern, dass man sagen kann: Das ist ein Artist, der ist eigenständig, hat Persönlichkeit und was zu sagen.

Also suchst du nach Authentizität?
Ja, genau.

Was machst du, dass du sagen kannst, es hält dich authentisch?
Ich glaub, dass ich auf einer Journey bin und das aus mir herauskehre. Je mehr Erfolg ich habe, desto mehr schaffe ich das auch. Ich weiß einfach, dass ich viel zu erzählen habe und viele das noch nicht wissen, weil sie mich noch nicht richtig kennen. Ich konnte das auch noch nicht so zeigen, aber es kommt noch viel Persönliches von mir.

Ich habe mich gestern mit einer Freundin über dich unterhalten. Sie war dir gegenüber recht kritisch, weil sie von dir diese Authentizität noch nicht so mitbekommt.
So etwas wie zum Beispiel das "Los Santos"-Video hat ja immer schon in mir geschlummert. Das war sehr authentisch. Aber das kann ich erst nach außen kehren, seit ich das Selbstbewusstsein dafür habe. Also dass ich so sein kann, wie ich bin und trotzdem gut ankommen kann. Aber es ist auch eine berechtigte Kritik deiner Freundin.

Foto: Benji Agostini

Denkst du, dass da noch Wachstumspotential bei dir vorhanden ist?
Ja voll. Ich weiß, dass ich einfach Zeit brauche, um über bestimmte Themen zu reden. Es ist schön, dass das ihre einzige Kritik ist, weil es bald anders sein wird.

Du hast in Interviews schon mal gesagt, dass du eigentlich eine politische Person bist. Möchtest du das damit auch mehr betonen in Zukunft?
Ich habe schon das Gefühl, dass ich eine Entertainerin bin und Fragen wie "Was will ich erreichen?" muss man sich als Artist stellen. Will ich Leuten einfach gute Musik geben, die sie feiern können? Ich wollte ja nie große Reden schwingen. Ich komme mehr von der Seite der Musik und des Gefühls. Ich singe auf Englisch und wenn ich wirklich über etwas Arges schreiben würde, würde ich das wohl eher auf Deutsch machen, weil ich mich da besser ausdrücken kann.

Gleichzeitig möchtest du ja auch Rolemodel sein.
Einerseits will ich ja als Entertainerin Rolemodel sein. Aber gleichzeitig sind solche Interviews auch wichtig, weil Leute dann merken, dass ich mir doch mehr denke, als man vielleicht annimmt. Musik kann schon etwas sein, mit dem man etwas aufarbeitet. Für mich ist sie aber am ehesten ein Tool zum Self-empowerment. Ich glaube, das merkt man auch an meinen Songs.

Du sagst, du möchtest mehr Persönliches von dir nach außen kehren. Ist das dann nicht Aufarbeitung für dich? Oder gibst du mehr von dir preis, um dir selber mehr Stärke zu geben?
Das war gerade ein guter Satz von dir. Ich habe das Gefühl, je mehr ich von mir preisgebe, desto stärker werde ich, weil man es dann ownt und es niemand mehr gegen dich verwenden kann. Nur wenn ich in Texten persönlicher werde, passiert das trotzdem automatisch. Vor zwei Jahren wäre es noch nicht so gewesen, dass ich mich traue, einen Satz zu schreiben, der wichtig für mich ist und voll auf meine Person zutrifft.

Dir wird auch oft zugeschrieben, dass du Feministin bist. Willst du dem als Mavi Phoenix aktiv nachgehen?
Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich etwas dafür mache, dass Sexismus weniger wird. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass ich durch meine Art als Frau im Musikbusiness bei vielen Männern auf Widerstand stoße. Ich ziehe mich eben so an wie ich will und lasse mir auch nicht einfach den Mund verbieten. Alleine deswegen bin ich wahrscheinlich viel politischer, als ich glaube. Vor allem weil ich sehe, wie die Reaktionen ausfallen und welcher Backlash auf mich zurückkommt. Ich merke dann, dass ich politisch bin, ohne es zu forcieren. Mavi Phoenix ist einfach deswegen politisch, weil ich eine Frau bin.

Deswegen hatte ich auch immer das Gefühl, dass dir das aufgebunden wird.
Absolut! Ich habe kein einziges Mal darüber zu reden begonnen und werde immer dazu befragt. Vielleicht sollte man auch Männer fragen.

Jetzt muss ich noch ein bisschen Tabloid-Shit fragen.
Haha, let's go.

Letztens habe ich auf einem Festival gesehen, dass du dich Backstage mit Yung Hurn gut verstanden hast. Könntest dir vorstellen, mit ihm mal zu kollaborieren?
Ja.

Obwohl er auch recht misogyn rüberkommen kann?
Ach, deswegen meinst du. Ich kenne ihn ja privat und mag ihn so sehr gern. Ich finde auch seine Musik gut, was viele nicht geglaubt hätten. Deswegen würde ich spontan ja sagen.

Habt ihr schonmal darüber gerdet?
Jein. Noch nie konkret, aber vielleicht irgendwann.


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