Marilyn Manson ist in dieser 90er-Talkshow zum Thema "Moshen" das pure Böse

Doku-Donnerstag: Kids mit blutigen Nasen, besorgte Eltern und ein komplett unbeeindruckter Marilyn Manson im Expertengespräch. Die Neunziger waren eine wilde Zeit.

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28 Juni 2018, 2:47pm

"Is it fighting or just Rock'n'Roll?" Diese Frage versuchte Talk-Show-Host Phil Donahue in seiner The Phil Donahue Show im Jahr 1995 kritisch zu hinterleuchten. Eingeladen hatte er sich dafür junge Konzertgänger, geschockte Eltern, einen Sicherheitsbeauftragten und die damalige Besetzung von Marilyn Manson, die damals wahrscheinlich einfach ALLES erdenklich Böse darstellen sollte. Versüßt euch euren Donnerstag mit diesem bunten, cringy Potpourri voll unangenehmer Trash-TV-Momente.

Phil Donahue beginnt die Show mit einer Definition der Worte "Moshen", "Crowdsurfing" und "Stagediving". Dafür hat er immer passende Einspieler parat, die er stocksteif beschreibt: "Hier sehen sie einen Mann, der auf Schultern, Gesichtern und Köpfen läuft. Wer kann garantieren, dass er nicht einfach auf den Kopf fällt?" Auf die Videos ist er jedes Mal stolz wie Bolle und kündigt sie mit erhobenem Zeigefinger und einem "Das ist ganz exklusives Material, das wir selbst gedreht haben!" an.

Ein kurzer Clip zeigt, wie ein junger Mosher eine blutige Nase verpasst bekommt. Der Moderator kippt aus seinen Wildleder-Latschen und spielt die Szene wieder und wieder in Slo-Mo ab: "Der bekommt eine blutige Nase, eine blutige Nase, bekommt er wirklich!" stellt Donahue völlig außer sich fest.


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Dann noch ein bisschen Slut-Shaming hier ("Also magst du es, wenn dich beim Crowdsurfing die ganzen horny Boys anfassen?") und etwas Sexismus dort ("Mädchen gehören doch nicht in einen Moshpit!"). Dann wird ein Ausschnitt aus Marilyn Mansons Video zu "Lunchbox" gespielt. "Das ist einer dieser Songs, zu dem solche Moshing-Aktivitäten betrieben werden!" Das Publikum schüttelt entsetzt den Kopf.

Endlich kommen die Special Guests von Marilyn Manson auf die Bühne. Dabei gibt es nichts, das so fehl am Platz ist wie diese Band. Bassist Twiggy Ramirez mit seiner Jesus-Lunchbox, der blonden Perücke, dem knallgrünen Kleid und dem Joker-Makeup mitten in dieser seriös aufgezogenen Talkshow. Daneben ein tiefenentspannter Manson und ein dauer-angepisster Madonna Wayne Gacy.

Das Publikum schaut immer gleich entsetzt, so, als würden die Rocker gerade eine Baby-Fledermaus opfern. Egal, ob sie gerade ihre Namen erklären, Twiggy mit ernstester Miene fröhliche Musik auf seinem Mini-Radio spielt oder sie ihre Expertenmeinung zu den Gefahren im Moshpit geben.

Manson findet, die Eltern sind Schuld, die Eltern finden, die Musiker sind Schuld, die Kids finden, die Securities sind Schuld, andere finden, die Kids sind einfach selbst Schuld. Und Donahue schiebt jedem einzeln die Schuld in die Springerstiefel und freut sich hauptsächlich über die ganzen Moshpit-Videobeweise. Früher hätte man das gewaltsame Randale genannt, stellt er fest. Mit dem Sicherheitsexperten kommt der Moderator zur Erkenntniss: "Das wird sich niemals durchsetzen." Wie damals das mit dem Internet, ne?

Alles in allem ein verdammt obskures #tbt-Fundstück. Auch, weil diese Art Talkshow heute nicht mehr ohne tosende Gegenbewegungen existieren könnte. In den 90ern konnte ein Moderator Frauen noch mit "Du bist viel zu klein und zierlich für solche Musik" oder "Und du sitzt da und trägst schwarzen Lippenstift? Das wird deinen Vater aber nicht freuen!" kleinreden oder sie einfach direkt fragen, ob sie denn dann auch Flittchen wären. Für Gäste der nächsten Folge wird übrigens mit "Schläfst du mit dem Vater deiner besten Freundin? Ruf uns an" schon fleißig Werbung gemacht.

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