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Fast Food Kunst

Putzpersonal wirft Schweizer McDonald’s-Kunstwerk in den Müll

Das Objekt der Künstlerin aus Zürich kostete 350 Franken.

von Katinka Oppeck
06 April 2018, 10:26am

Fotos: Pixabay | CC0

Dieser Artikel stammt aus unserer Redaktion in Zürich.

Kunst und Realität zu verschmelzen ist ein beliebtes Stilmittel unter kreativen Köpfen. Auch die Schweizer Künstlerin Carol May verknüpft gerne reale Objekte mit einer künstlerischen Perspektive. Mit ihren Werken zelebriert sie, wie sie selbst sagt, "die Welt des Sein und Schein" und regt gleichzeitig zum Denken an. So auch mit dem "Unhappy Meal", ein Objekt das eine spielerische Anlehnung an die heutige Fast-Food-Gesellschaft sein soll. Statt mit einem Lächeln ist die Box mit einem traurigen Mund bedruckt. Damit soll mit einem Augenzwinkern gezeigt werden, dass nicht alles auch wirklich das ist, was es vorgibt zu sein. Doch statt in der schillernden Sammlung eines Kunstfans landete das Werk bloss im ordinären Müll.

Die Installation besteht aus einer schlichten Siebdruck-Kartonschachtel, die sowohl optisch als auch in Form und Grösse sofort an das Happy Meal von McDonald's erinnert. Und das ist wohl auch der Grund, warum Mays Arbeit nun mit Essensresten und anderen Abfällen ein tristes Dasein als Müll fristet: Putzpersonal des Hotels in Hongkong, in dem die Ausstellung stattfand, hielt die leere Kartonschachtel für ein aufgegessenes Happy Meal und entsorgte die Kunst fachgerecht.

Das "Unhappy Meal" von Carol May

Eigentlich löblich, wenn man an die Schäden durch Umweltverschmutzung denkt. Für Carol May kommt dieser Fauxpas aber einem kleinen Desaster gleich. Zwar konnte das Personal des Hotels das "Unhappy Meal" aus dem Abfall fischen. Die Kunst ist aber nun kaputt und der Verkaufswert sinkt somit auf Null. Für eine Künstlerin wie May, die von ihrer Arbeit lebt, ist das ein frustrierender Umstand: "Ich habe leider bis heute nichts von den Verantwortlichen gehört", sagt May zu MUNCHIES. Weder habe das Hotel zum Vorfall Stellung genommen, noch habe sie die 350 Franken (rund 300 Euro) erstattet bekommen, die dem Verkaufswert der Arbeit entsprechen. May will keine rechtlichen Schritte einleiten: "Aber es ist schon beschämend, dass bis jetzt noch keine Reaktion oder Entschuldigung kam", sagt die Künstlerin.

Ganz so wild ist diese etwas andere Form von Kunstraub aber zum Glück nicht. Das "Unhappy Meal" stammt aus einer Edition, die auf 30 Stück limitiert ist. Und auch Carol May ist nach dem ersten Schock milder gestimmt: "Ich muss selbst ein bisschen darüber schmunzeln. Ich spiele ja damit, dass man eben genauer hinschauen soll und das Kunstwerk auf den ersten Blick eventuell gar nicht als solches erkannt wird. Diese Tarnung oder Täuschung ist Teil meiner Kunst." Das Putzpersonal in Hongkong konnte offensichtlich keinen Unterschied erkennen.

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