"Arbeit macht frei"- Eine Gruppe junger Menschen zieht mit Pranger durchs Nova Rock

Die Parole ist dafür bekannt, bei mehreren KZs auf den Eingangstoren zu stehen.
20.6.17
Foto mit freundlicher Genehmigung des Fotografen

Vor zwei Jahren verlief ein – so wie heuer – nach außen hin ruhiges Nova Rock. Eine kleine Insel der Glorifizierung eines schwarzen Kapitels unserer Geschichte sorgte aber auf einem Campingplatz des Nova Rock Festivals 2015 für Aufregung: Am Zeltplatz hing eine Reichsfahne, wir haben darüber berichtet. Und auch in diesem Jahr hat es wieder eine Gruppe junger Menschen geschafft, nationalsozialistische Symbolik aufleben zu lassen.

Ein Mann, dessen Hände in einem Pranger steckten, zog einen Wagen. Auf dem Pranger stand "Arbeit macht frei". Laut Augenzeuge Thomas* begleiteten den Wagen rund 30 Menschen. Der Kontext des Ausspruches "Arbeit macht frei" sollte jedem ein Begriff sein, der in der Schule beispielsweise das Stammlager Auschwitz oder ein anderes Konzentrationslager besucht hat oder im Geschichtsunterricht nicht völlig geistesabwesend war. Die Parole ist dafür bekannt, bei mehreren KZs auf den Eingangstoren gestanden zu sein bzw. zu stehen.

Thomas erzählt, dass er der Gruppe gegen zehn Uhr am Vormittag (!) in der Nähe der Fressmeile begegnet sei. Er hat das Foto gemacht und es in eine Freundes-WhatsApp-Gruppe geschickt. Erst nach dem Absenden hat er das Foto gezoomt und gesehen, dass der Spruch auf dem Holzbrett stand. Die Gruppe war schon vorbeigezogen. "Ich glaube, sie haben die Melodie von Requiem for a Dream in Dauerschleife gespielt", erzählt er mir am Telefon. "Auf so einem friedlichen Festival wie dem Nova Rock so etwas abzuziehen, finde ich sehr verwerflich".

Verwerflich findet es auch Gerold Haubner von Barracuda Music, die neben dem Frequency Festival auch das Nova Rock veranstalten. Das Foto sah er zum ersten Mal, als wir es ihm via Mail schickten. Er sagt uns, dass er und alle involvierten Personen des Festivals eine solche Tat aufs Schärfste ablehnen und das Team es sehr bedauert, dass es zu einer solchen Aktion gekommen ist. Sie wollen für nächstes Jahr noch schärfere Maßnahmen setzen und ihre Sicherheitsleute um noch größere Aufmerksamkeit bitten.


Eine Menschengruppe mit weitaus sinnvollerem Gedankengut:


Das wird auch von Nöten sein, um solche Vorfälle zu verhindern. Bei insgesamt 250.000 Besuchern ist aber auch klar – so viel Fairness muss sein –, dass nicht alles gesehen werden kann.

Die Veranstalter des Nova Rock lassen gerade etwaige rechtliche Schritte prüfen, zu befürchten wird die Gruppe aber wahrscheinlich nichts haben – meistens wird von Unwissenheit ausgegangen. Eine unlängst erschienene Studie zeigt laut Standard, dass Schüler leider immer noch ein dürftiges Basiswissen zum Nationalsozialismus haben. Aus der Studie geht beispielsweise hervor, dass 41,7 Prozent nicht wissen, wie lange die Nationalsozialisten in Österreich an der Macht waren.

*Name von der Redaktion geändert

Isabella auf Twitter: @isaykah

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