Ich war mit meiner Mama feiern und es war trauriger als erwartet

Meine Erwartung an den Abend? Dass meine Mama am Ende einen Euphemismus loslässt, der mir sagen soll, dass die Jugend von heute furchtbar ist und sich komisch benimmt.

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17 Juni 2017, 11:45pm

Ich war schon immer nah am Wasser gebaut und meine Augen pissen deshalb wegen jeder Kleinigkeit Salzwasser. Besonders dem Alkohol frönend werde ich dann recht oft nostalgisch bis sehr, sehr sentimental. Ich denke an verstaubte Nerzmäntel und an die Geschwindigkeit der Zeit und dass genau die mir besonders in den Jahren der Adoleszenz meine Familie entreißt. Das ist ziemlich sicher auch gesund so, aber dennoch führt es manchmal dazu, dass ich meiner Mama eine emotionale, an Peinlichkeit grenzende Nachricht schicke, während ich gerade einem Typen dabei zuschaue, wie er sich im Club die Seele aus dem Körper reihert.

Irgendwann war es mir zu blöd, dieser Frau um 03:00 Uhr morgens Techno-SMS zu schreiben und deshalb dachte ich mir: "Hey, warum an sie denken, wenn ich sie auch mitnehmen kann?" Natürlich dachte ich mir gleich danach "Oida, never." Aber da war es dann schon zu spät, da ich von der Idee ein bisschen besessen war. Außerdem wollte ich wissen, was meine Mama von diesem ihr (zum Glück) völlig unbekannten Etablissement hält.

Wir waren schon unzählige Male was miteinander trinken, aber immer an Orten, an denen Musik mehr Hintergrund-Berieselung als treibende Kraft war. An Orten eben, an die man mit Mütter geht, ohne danach eine ernste Miene und die Frage "Ist wirklich alles OK in deinem Leben, hm?" gestellt zu bekommen. Es war auch das erste Mal, dass sie überhaupt in einem Club – wie wir ihn definieren – war. In der Ausgeh-Zeit meiner Mama ging man in Discos, die "Tenne" oder so hießen und in der Abba und Klaus & Ferdl das waren, was für uns Techno ist. Meine Erwartung an den Abend? Dass meine Mama am Ende einen Euphemismus loslässt, der mir sagen soll, dass die Jugend von heute furchtbar ist und sich komisch benimmt. Ob diese Erwartung erfüllt wurde und wie es sich anfühlt, mit der eigenen Mutter zu raven, liest du jetzt auf THUMP.

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