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Die AfD streitet sich über das beste Wahlplakat

Wir haben die Entwürfe der Rechtspopulisten einem ultimativen Test unterzogen.

von Tim Geyer
08 Juni 2017, 10:41am

Foto: AfD

Ein Werbefuzzi sitzt in der Agentur und denkt sich eine AfD-Kampagne aus. Sexy soll sie werden, um auch die Erstwähler zu erreichen. Doch als er sieht, was er da verkaufen soll, fällt ihm fast der gerollte 50-Euro-Schein aus der Nase: Islamophobie, Abschottung und Migrantenfeindlichkeit. So ähnlich stellen wir uns den Prozess vor, der dem aktuellen Streit in der AfD vorangegangen sein muss.


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Dabei geht es um zwei Plakatserien – eine vom bayerischen Landesverband, eine vom Bundesvorstand –, über die parteiintern gerade abgestimmt wird. Die eine Seite findet die Plakate pfiffig, die andere Seite albern. Wir haben uns die Entwürfe genau angeschaut – links den des Bundesverbandes und rechts den aus Bayern – und absolut wissenschaftlich miteinander verglichen.

Babybauch vs. Blümchensex

Foto: AfD

Kriterium 1: Spricht "Ich bin kein Nazi, aber"-Leute an
Die Frau als danieder liegende germanische Gebärmaschine oder Sex rein zu Reproduktionszwecken: Das kann ja wohl nicht falsch sein, oder? Hier kommen beide Messages an. Das Paar ist aber einfach zu heiß, als dass sich die Zielgruppe damit identifizieren könnte. Klare Themaverfehlung. Punkt für den Babybauch.

Übrigens: Das Foto des Pärchens ist ein verdammt häufig genutztes Stock-Foto (weil umsonst), um Affären und Sex- und Beziehungstipps zu illustrieren.

Kriterium 2: Überzeugt Erstwähler
Schauen wir uns das Paar mal genauer an: Beide wälzen sich leidenschaftlich über einen offenbar schwedisch designten Kokosfaserteppich. Sie hat ihre Hotpants rebellisch kurz unterm Hintern abgeschnitten, er hält währenddessen noch souverän seinen Fedora-Hut. Dieses Bild steht für alles, was die AfD nicht ist und biedert sich so unverhohlen an alle junge Menschen, die gerne solchen Sex hätten, aber meistens eben doch nur auf PornHub anderen dabei zusehen. Die billige Absicht ist nicht zu übersehen. Allerdings zählt auch ein Babybauch wohl eher nicht zu den Must-haves von 18-Jährigen. Unentschieden.

Kriterium 3: Lässt die AfD freundlich wirken
"Kinder! Machen! Spaß!". Ein Slogan so harmlos wie ein kalorienarmes Softeis. Deutsche selber zu "machen", klingt dagegen nach Klon-Arier-Fabrik auf der dunklen Seite des Mondes. Punkt für das Paar und damit hier ein Unentschieden.

Bikini vs. Niqab

Foto: AfD

Kriterium 1: Spricht "Ich bin kein Nazi, aber"-Leute an
Für die Aber-Sager gibt es nichts Schöneres, als sich argumentativ hinter den Schandtaten anderer zu verstecken. "Die Franzosen haben Burkas am Strand ja auch verboten!!1!!!". Punkt für das Bikini-Motiv.

Kriterium 2: Überzeugt Erstwähler
Auch eine beliebte AfD-Strategie: "Gutmenschen"-Themen kapern, zum Beispiel die Freiheit der Frau, um gleichzeitig gegen andere zu hetzen. Das Problem: Wer darauf reinfällt, darf wahrscheinlich noch nicht wählen. Punkt für das Bikini-Motiv.

Kriterium 3: Lässt die AfD freundlich wirken
Zwei Beachgirls in der Sonne, vor ihnen das offene Meer. Das ist Freiheit, das ist der Raffaello-Moment der AfD. Definitiv netter als das konfrontative Niqab-Motiv. Punkt für das Bikini-Motiv und damit hier der Sieg.

Schweinchen vs. Grenzschild

Foto: AfD

Kriterium 1: Spricht "Ich bin kein Nazi, aber"-Leute an:
"Spanferkel, köstlich!", frohlockt der deutsche Wirtshausgourmet und Grenzen schützt es sich schließlich besser mit vollem Magen. Das Schweinchen holt den Punkt.

Kriterium 2: Überzeugt Erstwähler
Es müssten schon zufällig mangelndes Sprachgefühl und mangelnde Tierliebe aufeinandertreffen, um sich spontan für das Ferkel-Motiv zu entscheiden. Was denkt die AfD eigentlich über ihre Wähler? Dass sie beim Anblick des Posters eines glücklichen Babyschweins auf der Löwenzahnwiese denken: "Lecker, daraus will ich eine Rostbratwurst machen – raus mit den Muslimen, die das Tier am Leben lassen!" Wir glauben, die Partei unterschätzt die weiche Seite der Deutschen. Punkt für das Grenz-Motiv.

Kriterium 3: Lässt die AfD freundlich wirken
Wenn man ausblendet, dass Beatrix von Storch mit Grenzenschützen meint, auf Flüchtlinge zu schießen, wirkt das Motiv immer noch freundlicher als ein Ferkel, das der Kochtopf erwartet. Knapper Punkt für das Grenz-Motiv und damit der Sieg.

Insgesamt kommen wir zwischen Bundespartei und bayerischer AfD so auf ein Unentschieden, weshalb auch wir den parteiinternen Konflikt für die AfD nicht beilegen können. Aber wie denn auch? Schließlich geht es hier nicht um Banalitäten. Es geht darum, ob sich die AfD nach draußen weiter als rechtskonservative Spießerpartei darstellen will oder als die hippe Stimme von rechtsaußen. Und bei dieser selbstzerstörerischen Diskussion möchten wir uns wirklich nicht einmischen.

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