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Übergriffe, Ausbeutung, Anmache von Minderjährigen: James Franco reagiert auf Vorwürfe

In einem recht angespannten Interview mit US-Moderator Stephen Colbert streitet der Schauspieler und Filmemacher alles ab.

Drew Schwartz

Am Dienstag war James Franco zu Gast in der US-Talksendung The Late Show. Im Interview sollte es um seinen Golden Globe für The Disaster Artist gehen, doch Francos Auftritt auf dem roten Teppich war ein Desaster für sich. Er trug bei den Awards nämlich einen Anstecker mit dem Slogan "Time's Up". Mit dieser Initiative will ein Zusammenschluss von weiblichen Hollywood-Größen anderen Frauen mit kostenlosem Rechtsbeistand helfen, sich gegen Übergriffe und Belästigung zu wehren. Doch dass gerade Franco sich mit ihrer Initiative schmückt, ging einigen zu weit, sie beschwerten sich auf Twitter. Denn auch gegen Franco stehen Vorwürfe im Raum.

Mitten im Interview sprach Colbert den Schauspieler darauf an: Eine Ex-Partnerin von Franco wirft ihm einen sexuellen Übergriff vor – und auch, dass er versucht haben soll, ihre erst 17-jährige Freundin ins Bett zu kriegen. Bereits 2014 machte Franco Schlagzeilen, weil bekannt wurde, dass er versucht hatte, ein Hotel-Date mit einer Minderjährigen zu vereinbaren. Eine weitere Schauspielerin warf ihm ausbeuterische Arbeitsverhältnisse vor. Noch eine Schauspielerin verriet keine Details, aber zeigte sich schwer gekränkt, dass Franco den "Time's Up"-Button trug. Sie deutete an, Franco sei der Grund, warum sie mit der Schauspielerei aufgehört habe.

"Mit Time's Up wollen viele mächtige Hollywood-Frauen sagen, dass jetzt im ganzen Land Schluss ist mit dem Missbrauch von Frauen, sexuell und anderweitig", fasste Colbert zusammen. "Man hat dich dafür kritisiert, dass du diesen Anstecker getragen hast. Weißt du weshalb, und hast du eine Antwort auf diese Kritik?"


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Franco gab daraufhin ein paar Gemeinplätze über die Bewegung zum Besten. Er wolle "Veränderung unterstützen" und hoffe, an den Rand gedrängte Gruppen bekämen in Hollywood "Positionen, die man ihnen vorenthalten hat". Dann bezog er sich auf die zwei Frauen, die ihm konkret sexuelle Übergriffigkeit und Ausbeutung vorwerfen.

"Die Dinge, von denen ich gehört habe, dass sie auf Twitter stehen sollen, stimmen nicht", sagte Franco. "Aber ich stehe absolut dahinter, dass Leute sich zu Wort melden und eine Stimme haben, weil sie so lange keine hatten [...]. Ich halte das für eine gute Sache und ich unterstütze das."

Indirekt dementiert Franco damit die Vorwürfe von Schauspielerin Violet Paley, die auf Twitter schrieb, Franco habe ihren "Kopf im Auto auf seinen nackten Penis runtergedrückt". Außerdem spreche sie für andere, denen der Schauspieler und Filmemacher "Schlimmeres" angetan habe. Auf Nachfragen seitens anderer Twitter-Nutzer stellte Paley klar, sie habe eine Beziehung mit Franco gehabt und sei damals volljährig gewesen.

Eine weitere Nachwuchsschauspielerin, Sarah Tither-Kaplan, twitterte über die Aktszenen, die sie für Franco gedreht hat: Die Arbeit für ihn sei "ausbeuterisch" gewesen, er habe ihr nur 100 Dollar Tageshonorar bezahlt.

Die Tweets von Paley und Tither-Kaplan folgten auf inzwischen gelöschte Tweets der Schauspielerin Ally Sheedy. Darin deutete sie an, negative Erfahrungen mit Franco gemacht zu haben. Die beiden arbeiteten 2014 zusammen an Francos Theaterstück The Long Shrift. Auch Christian Slater schien für sie in diesem Zusammenhang ein rotes Tuch zu sein.

Screenshot via 'Vanity Fair'

Es ist nicht das erste Mal, dass Franco im Umgang mit Frauen auffällig wird. 2014 gab er zu, er habe versucht, eine 17-jährige über Instagram anzubaggern, nachdem die junge Frau den Nachrichtenverlauf veröffentlichte. Die neuen Vorwürfe hat er zwar abgestritten. Die New York Times sagte eine Veranstaltung mit Franco ab, bei der er über seinen neuen Film sprechen sollte.

"Das Event sollte vom Entstehungsprozess des Films The Disaster Artist handeln", schrieb ein Sprecher der New York Times in einer Mitteilung an den Hollywood Reporter. "Angesichts der Kontroverse um die vor Kurzem erhobenen Vorwürfe fühlen wir uns nicht länger wohl dabei." In der Vergangenheit hatte James Franco auch bereits für VICE geschrieben.

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