Sag uns, mit wie vielen Leuten du ausgehst und wir sagen dir, wie deine Nacht endet

"Jemand verletzt sich. Einer verschwindet. Du hast kein Geld mehr für den Heimweg. Dein Handy wird geklaut." – Die Ausgehrealität steht oft im krassen Gegensatz zu euren Vorstellungen.

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11 September 2017, 10:36am

Alle Fotos von hausgemacht.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der Wiener Redaktion.

Ausgehen ist die Schnittstelle des Lebens und der Welt. Und zwar in der schönsten und/oder intensivsten Form. Das liegt nicht nur an der Nacht selbst, sondern auch den Kübellitern Bier, die du dir vor dem Rausgehen reinstellst. Aber weil die Nacht immer so pur und auch so rein ist, sagt sie auch wahnsinnig viel über dich aus. Ein berauschter Abend ist besser als jede Psychoanalyse. Freud würde mir recht geben.

Ich kenne die Nacht. Weil ich, eine Kriegerin de la noche, bin schon in allen Lebenslagen ausgegangen. Mal mit viel Entourage, mal alleine. Mal mit viel Promille, mal mit viel mehr Promille. Nicht auf jedes Ausgehen bin ich stolz, auf die allermeisten eigentlich gar nicht. Aber das spielt nun keine Rolle. Ich gebe mein Wissen gerne weiter, denn nichts im Leben ist umsonst. Auch nicht die Erkenntnis, dass man, wenn man als Frau alleine ausgeht, absolut niemanden zum Haarezurückhalten halten hat.

Du gehst in einer gleichgeschlechtlichen Gruppe mit mehr als fünf Teilnehmern aus


Nun ja, wir haben das alle schon mal gemacht. Falls du noch keine 16 bis 20 bist, dann kommt diese Zeit noch auf dich zu. Mit einer großen Gruppe gleichen Geschlechts fühlt man sich irgendwie verstanden und sicher. Außerdem glaubt man zu einem Zeitpunkt seines Lebens – 16. bis 20. Lebensjahr – dass man tatsächlich einen besseren Stich beim Aufreißen hat, wenn einfach sehr viele Konkurrenten aus einem Freundeskreis zusammen auftreten. Aber das ist OK, wir haben alle mal das Gefühl gebraucht, extrem beliebt zu sein. Irgendwann checkt man, dass man mit sechs anderen Kumpels oder Kumpelinen maximal die Klotür aufreißt und man gute Freunde an einer Hand – und nicht wie gedacht drei – abzählen kann. Falls du tatsächlich lange nach deinem 20. Geburtstag mit mehr als fünf Menschen deiner Geschlechtsgruppe ausgehst, dann solltest du dir Freunde anderen Geschlechts suchen oder dich generell gleichgeschlechtlichen Gruppen anschließen, wie zum Beispiel einer Burschenschaft oder – oh. So etwas Grenzdebiles wie eine Burschenschaft gibt es nicht für Frauen. Auch möglich: Du bist so alt, dass du zu Polterabenden eingeladen wirst. Mein Beileid.

So glaubst du, dass der Abend endet: Ihr werdet zusammen vorglühen, ein bisschen die allgemeinen Dinge bereden (Sex, vergangener Sex und potenzieller Sex). Alle lachen, du fühlst dich wohl. Vielleicht spielt ihr auch noch ein lustiges Trinkspiel, weil hey, vorglühen. Dann geht ihr zusammen los, lacht, bestellt euch paar Großraumtaxis und reitet in der Location ein. Ihr seid sexy, der Cheerleader-Effekt ist in vollem Gange. Du lernst einen potenziellen Sexpartner kennen und kaufst eine Flasche Wodka. Zusammen geht das ja, jeder zahlt nur so fünf Euro. Gegen Ende gibst du jedem ein High-Five, gehst mit deiner neuen Liebe des Lebens nach Hause und legst dich glücklich ins Bett.


In Berlin fand die erste Boiler Room-Party statt:



So wird der Abend enden
: Zwei von euch brechen bereits beim Vorglühen ab. Ihr wisst nicht, wohin mit ihnen, also lasst ihr sie liegen. Alle Großraumtaxis sind besetzt und die Hälfte hat bereits kein Geld mehr. An der Tür zum Club kommt mindestens ein Mensch nicht rein – es gibt aggressives Drama an der Tür. Jemand weint. Drinnen hat die Hälfte noch immer kein Geld, die andere zahlt die Wodka-Flasche. Du legst 30 statt fünf Euro auf den Tisch. Der Mensch, der dir gefällt fängt an, mit deinem Flaschennachbar zu schmusen. Jemand verletzt sich. Einer verschwindet. Du hast kein Geld mehr für den Heimweg. Dein Handy wird geklaut. Du legst dich schlafen und likest noch vorher alle Bilder von euch auf www.instagram.com. Masturbierend und weinend schläfst du zum Profil des Menschen ein, der mit deinem Flaschennachbar heim ist.

Du gehst in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe mit mehr als fünf Teilnehmern aus

Das klingt nach einem lustigen Geburtstag. Oder einer Arbeitsgruppe, die es tatsächlich geschafft hat, endlich mal zusammen loszuziehen. Oder nach einer losen Ex-Uni-Gruppe. So oder so: Du kennst und vor allem magst nicht alle dieser fünf und mehr Menschen gleichermaßen. Weil du in deinem Alter hoffentlich so etwas wie Menschengeschmack entwickelt hast und drauf gekommen bist, dass die meisten Menschen nicht ganz dicht sind. Wahrscheinlich ist mindestens ein Paar dabei. Sie wollen noch die Jugend spüren und so tun, als wären sie Single und genauso lustig, beliebt und wild wie damals – das brauchen sie, damit sie um zwei oder drei heimgehen und selbstbewussten Pärchensex in gewohnter Umgebung haben können. Ihr Mehrwert für die Gruppe besteht aus dargebotenen Spanner-Möglichkeiten, weil sie nach der ersten halben Stunde entweder kuscheln oder streiten werden.


I-D Video: "Unterwegs in der neuen Moskauer Clubszene"


So glaubst du, wird der Abend enden: Ihr lacht und erzählt euch Witze, du lernst Menschen noch besser kennen, die du noch nicht so gut kennst. Auf dem Weg zur Location hast du deine beste Freundin an der linken, den besten Kumpel auf der rechten Seite. Ihr teilt euch ein Taxi. Alle lachen ausgelassen. Ihr kommt in den Club, verliert euch immer wieder, findet aber kurz darauf wieder zusammen. Du hast so viel Spaß, dass dir potentielle Sexualpartner egal sind. Trotzdem ist da die oder der Eine in der Runde. Ihr hattet schon beim Vorglühen extrem sexuelle Schwingungen. Ihr küsst euch betrunken auf der Tanzfläche. 20 Jahre später heiratet ihr und lässt diesen Track auf der Hochzeitsfeier spielen.

So wird der Abend enden: Die Hälfte hat zum Vorglühen nichts mitgenommen, ihr sauft Amaretto von deiner Mutter, den sie zu Weihnachten im Jahr 2011 gekauft hat. Das Pärchen nervt alle und kapselt sich ab. Du redest mit einer Person, die neben dir sitzt. Sie ist langweilig und steht auf politisch korrektes Sprechen. Ihr kommt nicht alle in den Club rein. Ihr verliert euch ständig. Du bist die ganze Zeit am Handy. Entweder, um die Leute zu finden oder weil dein Facebook-Newsfeed interessanter ist, als die Leute zu suchen. Deine besten Freunde haben schon wieder keinen Akku. Ab irgendeinem Punkt findest du überhaupt niemanden mehr – du gehst deprimiert und betrunken heim. Dein Handy wird geklaut.

Du gehst mit deinen besten Freunden aus

Ah, endlich unter Gleichgesinnten. Weil man nie mehr als vier beste Freunde hat – außer du bist 16 und die ganze 10A ist dein allerbester Freund – habt ihr nie Stress mit Taxis und mit dem Reinkommen eigentlich auch nicht. Alles ist super eingespielt, immerhin macht ihr das ja öfters, oder habt es damals, weißt du noch?, öfter gemacht. Derselbe Humor, dieselben dummen Ideen. Allerdings sind sie aus einem guten Grund deine besten Freunde: Auch sie können psychotisch werden, wenn sie gesoffen haben. Oder auch, genau wie du, acht Liter Bier in einer Stunde saufen und maximal ein leichtes Lächeln auf den Lippen haben. Da beste Freunde de facto schwingende Rauschpartner sind, ist die Chance der Nacht gleichzeitig das größte Risiko.

So glaubst du, wird der Abend enden: Du bist mit deinen besten Freunden fort – wie soll er enden, außer extrem genial? Ihr geht auf irgendeine Party, seid schon komplett berauscht, ihr macht euch einen großen Spaß aus allem. Die Welt liegt heute in eurer Hand, nichts kann euch aufhalten. Natürlich versucht ihr auch extrem sexy und nicht nur superlustig zu wirken, immerhin kann so ein Gespann nichts und niemand von der Bettkante stoßen. Einem von euch passiert etwas total krasses, aber lustiges. Ihr erzählt 50 Jahre später noch vergnügt euren Enkelkindern davon.

So wird der Abend enden: Du bist der Freund, dem etwas krasses passiert. Entweder du landest im Krankenhaus, dein Handy wird gestohlen oder beides. Die anderen lachen nicht mehr, weil ihr euch alle schon zu lange kennt und euer Alkoholkonsum nicht mehr jugendlich-lustig sondern einfach nur bedenklich ist. Bevor das passiert, fliegt ihr aus dem Club. Irgendjemand will eine "Klopperei" und keiner von euch kann am nächsten Tag sagen, wie es zu der Situation gekommen ist. Du siehst im Club deinen Ex-Partner. Er oder sie ist extrem glücklich und schaut umwerfend aus, du warst gerade auf Klo, um zu kotzen. Am nächsten Tag hast du eine Restalkohol-Depression.

Du gehst zu zweit aus

Endlich mal Quality-Time. Nur du und dein Soulmate. Falls dein Soulmate dein Partner sein sollte, dann gratuliere, dass ihr wirklich zu zweit ausgeht. Die meisten Paare ziehen es vor, einer so breiten Masse wie möglich mit ihrer Beziehung auf den Sack zu gehen. Solltet ihr euch tatsächlich zu zweit fürs Ausgehen und gegen Alltagssex und S04E10 entschieden haben, dann möchte ich mich hiermit im Namen der Menschheit bei euch bedanken. Ist dein Soulmate einfach ein Freund oder ein Bestie, dann mach dich bereit für geiles Herumgequake, Analysen und einen sich aufschaukelnden Rausch.

So glaubst du, wird der Abend enden: Ihr tanzt zusammen, habt Spaß UND lernt neue Leute kennen. Es passieren lauter unglaubliche und lebensverändernde Dinge. Ihr seht beide toll aus und lasst ausnahmsweise Fotos von euch machen – eigentlich nicht so euer Style, aber das hier, ja das hier muss festgehalten werden. Nach viel Rumgeschmuse geht ihr beide zusammen heim und habt richtig viel und guten Deep Talk.

So wird der Abend enden: Das Vorglühen wird zum Abglühen. Entweder einer von euch spricht einen unangenehmen Konflikt aus dem Jahr 2011 an und nur noch mehr Alkohol kann die Stimmung retten. Oder ihr spielt ein Trinkspiel, weil das lustig ist und ihr das früher auch immer so gemacht habt. Danach tretet ihr in die Welt hinaus, dein Handy wird im Taxi gestohlen. Im Club bist du nahe den Tränen oder den Aggressionen, alle anderen Gäste finden dich komisch. Dein +1 versucht dich zu retten und an deinem Drama teilzunehmen. Bis dein +1 einen potentiellen Sexualpartner kennenlernt, oder, falls es dein Partner ist, einfach keinen Bock mehr auf dich hat. So oder so, der Abend endet einsam und um zwei Uhr.

Du gehst alleine aus

?!

So glaubst du wird der Abend enden: Du wirst als extrem individuell und against-all-society-rules wahrgenommen, lernst laufend neue Leute kennen. Das Leben ist Erfahrung und du erfährst es. Du erzählst deinen neuen Freunden deine Vorliebe zu den Marxschen Theorien, die du natürlich schon mit 15 verstanden und bewundert hast.

So wird der Abend enden: Einsam und besoffen. Und dein Handy wird geklaut.

Fredi hat Twitter:@Schla_wienerin

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