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So baut ihr euch einen bezahlbaren Sex-Roboter

Wir haben es ausprobiert und können euch sagen: Das sollte ihr auf jeden Fall nachmachen.

Wir sind schon eine traurige Spezies, oder? Unsere Existenz ist ein einziges Kartenhaus aus Serienmarathons und Tiefkühlpizzen. Und wir haben die Fähigkeit verloren, Spaß zu haben. Der einzige Augenblick, in dem wir nicht gerade abgelenkt oder depressiv sind, ist der Augenblick, in dem wir gerade Sex haben. Zu allem Unglück haben wir heutzutage allerdings auch noch weniger und schlechteren Sex als jemals zuvor. Vielleicht sollten wir einfach aufgeben. Lassen wir die Menschheit ruhig in ihren selbstgewählten Sumpf aus Monotonie, Elend und Impotenz abgleiten.

Aber letztens erblickte ich in den Nachrichten einen leichten Hoffnungsschimmer. In der Nähe von Hongkong war ein Messias erschienen. Und er hat einen Namen: Mark I, der Sexroboter. Nachdem er sein halbes Leben lang über eine Mischung aus Roboter und Frauengestalt fantasiert hatte, hat Ricky Ma Wai-Key seinen Traum wahr werden lassen. Mark I ist ein mit Silikonhaut überzogenes 3D Skelett— Scarlett Johansson zum Gruseln ähnlich—, das auf Komplimente und Befehle reagiert und seine Gliedmaße bewegen kann.

Sein Erbauer ist davon überzeugt, dass uns Roboter wie dieser vor der Einsamkeit, der Depression und Stagnation bewahren können. Und er ist dermaßen von seinem Werk überzeugt, dass er ein Handbuch veröffentlichen will, damit du dir deinen eigenen Mark I bauen kannst.

Ich finde, Ricky hat Recht. Das könnte eine der wichtigsten Erfindungen unserer Zeit sein—eine Erfindung, die unser aller Leben, unsere Erde verändert. Ich befürchte nur, Ricky, dass du es nicht ganz geschafft hast. Elon Musk wird dir in absehbarer Zukunft wahrscheinlich keinen Blankoscheck ausstellen und dafür gibt es ein paar simple Gründe.

Grund Nummer eins: Du hast das Teil schon sehr nach deinen eigenen Vorlieben entworfen, oder Ricky? Nicht jedes menschliche Wesen ist ein heterosexueller Mann, der sich die Avengers 43 Mal ohne Ton angesehen hat.

Grund Nummer zwei: Wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage Geld für Hypotheken oder Miete, Essen und ihre Familie ausgeben müssen, glaubst du dann wirklich, dass jeder die umgerechnet 45.000 Euro locker hat? Bestimmt nicht. Wenn du die Welt mit einem Sexroboter verändern willst, dann muss auch die breite Masse in den Genuss kommen können.

Sorry Ricky, aber Mark I bringt es einfach nicht. Auch wenn es mir im Herzen wehtut, aber deine Erfindung ist einfach grottig und ich werde in nur einem Tag mit etwas Besseren um die Ecke kommen. Welt, mach dich gefasst auf Mark II: Oobah Style.

Schritt 1: Forschung

Alles, was ein Sexroboter können muss, der Name sagt es ja schon, ist, Menschen sexuell zu befriedigen. Als jemand, der jetzt seit fast zehn Jahren so tut, als würde er wissen, wofür Analketten genau da sind, werde ich dabei allerdings etwas Hilfe benötigen. Ich schüttle also die prüden Fesseln meiner irisch-katholischen Abstammung ab und mache mich auf nach Soho, Londons Sex-Epizentrum. Dort lasse ich mich von dem Sexshop-Verkäufer Dan unterrichten.

"Dan, was ist bei einem Sexspielzeug am wichtigsten?", frage ich.

"Die Menschen wollen das Gefühl haben, dass sie die Kontrolle haben. Sie müssen sich sicher fühlen. Und es sollte wohl auch die richtigen Stellen stimulieren. Es muss dabei noch nicht mal vibrieren—der männliche G-Punkt, die Prostata, die Nippel ... wo auch immer. Es hängt davon ab, worauf die Leute stehen."

"Was verkauft sich denn am besten?"

"Irgendetwas, das vibriert, würde ich sagen. Aber wir haben auch Dildorepliken bestimmter Pornostars, die besonders gefragt sind. Es geht dabei nicht wirklich um die Form des Penis, die sie anturnt. Es ist mehr die Vorstellung, die sie mit einer Person assoziieren."

Ich nicke und starre gedankenverloren in die Ferne. Irgendwann fragt mich Dan nach Einzelheiten. Aber nein, noch ist alles top secret. Ich darf noch nichts verraten. Stattdessen sehe ich mir die Ware in Dans Laden an.

Als ich wieder nach draußen auf die Straße trete, ist mein Kopf bis zum Bersten gefüllt mit Ideen. Natürlich macht einen perfekten Partner noch ein bisschen mehr aus als Titten, Arsch und Schwanz. Es ist aber gar nicht einfach, dieses "Bisschen" zu fassen. Ich schlendere also durch die Straßen und zerbreche mir den Kopf. Aber selbst die Passanten, die ich dazu befrage, scheinen bei diesem Thema im Dunkeln zu tappen. Eine Frau sagt mir, dass sie einfach jemanden braucht, bei dem der Funke überspringt. Für mich klingt das allerdings ziemlich gefährlich und vor allem nicht mit EU-Verordnungen vereinbar.

Irgendwann begegne ich einem Pärchen, das von einer sichtbaren Verliebtheitsaura umgeben ist. Sie wollen sich nicht fotografieren lassen, laden mich aber zu einem Glas Wein in der Sonne ein. Die beiden sind aus Jordanien, seit 17 Jahren zusammen und machen gerade Urlaub in London, um eine gute Nachricht zu feiern. Sie liefern sich einen liebevollen Schlagabtausch aus Dingen, die sie aneinander schätzen. "Ich mag eine starke Figur", "jemand, mit dem ich lachen kann", "es muss einfach passen", "mein Partner lässt sich von niemandem Scheiße gefallen und teilt auch selbst keine aus". Ich mache eine Checkliste.

Da ich jetzt die sexuelle und emotionale Attraktivität abgehakt habe, muss ich nur noch eine große Sache klären: das Aussehen. Niemand weiß mehr darüber, wie man etwas Hübsches aus Plastik bastelt, als die Ärzte in der Harley Street, also statte ich den Experten dort einen Besuch ab. Ich muss nur kurz im Wartezimmer Platz nehmen, bevor ich von einem Arzt untersucht werde. Er zwickt mir in die Lippen, fragt nach meinen Trinkgewohnheiten und zieht an meinen Tränensäcken. Ja, ich habe einen Schrumpelmund und Augenhöhlen wie Andy "Gollum" Serkis, aber deswegen bin ich nicht hier. Ich will doch herausfinden, was sich die breite Masse wünscht.

"Welche Eingriffe führen Sie am häufigsten bei Durchschnittspersonen durch?", frage ich, als er meinen Arm hebt. "Kommt ganz darauf an. Bei jüngeren Leuten sind es oft Brustimplantate, wahrscheinlich gefolgt von Nasenoperationen. Bei den älteren Jahrgängen geht es immer um die Haut; sie wollen sich so natürlich wie möglich fühlen." "Was ist bei denen dann das Ziel?" "Sie wollen frisch und lebendig aussehen. Sich vital fühlen." "Aber natürlich! Ich verstehe. Vielen Dank."

Schritt 2: Entwicklung

Innerhalb von nur drei Stunden habe ich mehr über den optimalen Sexpartner gelernt als zuvor in 25 Jahren. Genug geredet. Jetzt heißt es Ärmel hochkrempeln. Mir scheint, Liebe, Schönheit und sexuelles Vergnügen müssen kein Vermögen kosten. Ich werde keine 45.000 Euro für meinen Bot ausgeben. Ich schätze, ich kann alles für etwa 15 Euro hinbekommen. Mit dem Kopf voller Träume mache ich mich auf den Weg an den Ort, an dem die meisten meiner Träume verwirklicht werden: Supermärkte und Ramschläden.

Es gibt einfach so viel hier. In jedem Regalgang wartet ein geheimnisvolles Narnia-Reich. Könnte eine Gießkanne gleichmäßig Handdesinfektionsmittel verteilten? Kann ein Kabelbinder das Gewicht eines Durchschnittsmenschen tragen? Fühlen sich Menschen von Spiegelbildern angezogen? Fühlt Kaugummi sich an wie ein Arschloch?

Ich blicke in den Abgrund, und jeder Gegenstand im Laden nimmt vor meinen Augen Schwanzform an und starrt in mich zurück. Doch ich muss mich auf mein Ziel konzentrieren. Schon bald ist mein Einkaufswagen voll. Nun eile ich in meine Werkstatt, denn wo der Herr sich sechs Tage für die Erschaffung des Menschen Zeit ließ, werde ich nur ein oder zwei Stunden brauchen.

Schritt 3: Herstellung

Innerhalb eines Nachmittags ist es getan. Da steht er, so einfach und strahlend schön wie die Sonne. Das Blut schwappt in meinen Adern und mein Herz scheint zum ersten Mal richtig zu schlagen. Tränen benetzen meine Tränensäcke. Er ist alles, was ich mir vorgestellt habe, und noch viel mehr.

Mach dich darauf gefasst, dass dein Leben auf den Kopf gestellt wird. Die Menschheit wird bald nicht wiederzuerkennen sein. Kein Herzschmerz mehr. Kein Frust mehr. Keine vergeblichen Versuche mehr, einen Mann zu ändern, der sich ja doch niemals ändern wird. Ich stelle euch die Zukunft der Liebe vor. Hier ist er, der großartige, andersartige, einzigartige ...


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