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Dieser Fotograf jagt verrückte Zufälle

Pau Buscató sucht sieben Stunden am Tag nach absurden Alltagsmotiven. Dabei muss er für ein Bild oft 400 Mal auf den Auslöser drücken. Das Resultat ist es aber wert.

von Beckett Mufson
18 April 2018, 5:30am

Foto: Pau Buscató 

Pau Buscató braucht oft Hunderte Versuche, um den perfekten Schnappschuss hinzubekommen. Enttäuschung gehört für ihn zum Beruf. Der in Barcelona geborene Ex-Architekt fotografiert Menschen, Tiere und Objekte im Alltag und in besonders absurd wirkenden Situationen. Seine Fotos wirken dabei oft bearbeitet oder gestellt, aber das sind sie nicht.

Seit 2010 nimmt Buscató die Fotografie ernst. Jetzt verbringt er täglich sieben Stunden damit, durch die Straßen zu ziehen und dabei 400 Mal auf den Auslöser zu drücken. Und wenn er nicht zu Hause in seiner Wahlheimat Oslo ist, sondern in New York oder Indien, dann kann es schnell doppelt so häufig sein.

Alle Fotos: Pau Buscató

Buscatós Fotos setzen voraus, dass der Fotograf diszipliniert arbeitet und auch dann nicht von Dingen und Leuten gelangweilt ist, wenn er sie schon unzählige Male gesehen hat. "Wenn wir mit einer Umgebung vertraut sind, dann nehmen wir sie nicht mehr richtig wahr. Deswegen ist es hilfreich, unvoreingenommen und mit frischem Blick loszuziehen", sagt er.


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"Manchmal baut sich ein Bild ganz langsam auf", sagt er. "Ich bemerke ein einfaches Element oder eine Person und packe meine Kamera aus. Dann kommt ein weiteres Element hinzu und ich verbinde das Ganze. Manchmal passiert alles so schnell, dass es nur auf meine Reaktionsfähigkeit ankommt." Dass Buscató sein Handwerk perfektioniert hat, beweist sein persönliches Best-of, das er für uns zusammengestellt und teilweise mit Kontext versehen hat.

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"Diese Vogel-Crew habe ich auf dem Londoner Leicester Square entdeckt – einige der Tiere sind gemalt, eins gedacht und eins echt. Das Foto entstand im Juli 2016, aber ich hatte es schon ein Jahr zuvor mehr oder weniger erfolglos versucht: Das 2015 geschossene Bild war ziemlich langweilig. Deswegen vergaß ich die Sache wieder, bis ich für einen neuen Fototrip wieder in London war. Da fiel mir das Detail auf, das alles veränderte: das Loch in der Baugerüstplane, das für mich wie ein weiterer Vogel aussah. Also verbrachte ich die letzten beiden Tage der Reise für die perfekte Aufnahme. Ich probierte verschiedene Dinge aus und nach Hunderten erfolglosen Versuchen hatte ich das Foto endlich im Kasten."
"Das war ein komischer Zufall, ich stieß auf dieses Motiv, als ich bei Google Street View nach einer Adresse suchte."
"Dieses Foto habe ich in Barcelona geschossen. Es zeigt die geometrische Verbindung zwischen zwei gelben Straßenmarkierungen und dem Gehstock eines Passanten. Zusammen ergeben diese Dinge einen Pfeil, der aus dem Ohr eines anderen Passanten rauskommt. Das Bild entstand, nachdem ich dem alten Mann etwas gefolgt war und er an einer Kreuzung stehenblieb. Da fielen mir die gelben Linien auf und ich versuchte, das Ganze zu verbinden. Dann tauchte der Mann rechts auf und komplettierte das Foto. Ich hatte bei einigen Details wie den passenden Klamottenfarben oder der Geste des linken Passanten aber auch einfach ein wenig Glück."
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