Kriminalität

SEK erschießt Wuppertaler Ex-Chef der Osmanen Germania

Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt, wie es dazu gekommen ist.
16.2.18
Foto: Grey Hutton

Die Polizei hielt Hamit P., den ehemaligen Boss des Wuppertaler Ablegers der Osmanen Germania, für bewaffnet und gewalttätig. Deshalb schickten die Behörden am Freitag auch keine Streife, um den 43-Jährigen aus seiner Wuppertaler Wohnung zu holen, sondern ein SEK. Was dann passierte, ist jetzt Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens. Sicher ist nur, dass der Einsatz eskalierte, am Ende war Hamit P. tot. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal teilte am Donnerstag mit, dass ein SEK-Beamter den tödlichen Schuss abgegeben hat.

Anzeige

Das SEK vollstreckte einen Haftbefehl wegen mehrerer Gewalttaten gegen Hamit P. Laut Der Westen habe Hamit P.s Witwe der türkischen Zeitung Sabah gesagt, die Polizei habe eine Rauchgranate eingesetzt. Ihr Mann habe "reagiert", als ihr ein Polizist in den Rücken trat. Daraufhin soll der tödliche Schuss gefallen sein. Was an diesen Aussagen dran ist und warum der Polizist feuerte, ermittelt jetzt die Kripo Essen.


Auch bei VICE: Japanische Bikgergangs


Die Osmanen Germania tauchten Anfang 2016 zum ersten Mal in deutschen Medien auf, als sich etwa 80 Mitglieder in Neuss trafen. Sie gelten als Teil mehrerer rockerähnlichen Gruppierungen, deren Mitglieder meist Migrationshintergrund haben, und fordern die etablierten Rockergangs seit 2015 in ihren Territorien heraus. Manche Beobachter der Szene befürchteten, dass die Osmanen mit ihren laut Schätzungen 500-2.000 Mitgliedern einen neuen Rockerkrieg auslösen könnten.

"Wir sind ein Boxclub. Bei uns geht es um Sport, um nichts anderes", sagte dagegen "Tiger", der damalige Präsident des Berliner Chapters und World Sergeant der Osmanen Germania, als VICE 2016 das Berliner Clubhaus besuchte. Die Kutten trage man nur als Erkennungszeichen. "Wir sind keine Rocker, wir haben nichts damit zu tun." Seitdem legte das Auftreten der Osmanen allerdings nicht unbedingt nahe, dass sie lediglich ein paar Eisen stemmen wollen.

Schon 2016 lieferten sich Osmanen in Hessen Schlägereien mit Mitgliedern der kurdischen Gang Bahoz. Das artete so aus, dass jemand eine Handgranate in eine Shisha-Bar der Bahoz warf. Der damalige Chef des saarländischen Osmanen-Ablegers soll den Anschlag in Auftrag gegeben haben. Ein Aussteiger berichtete von Menschenhandel, Drogen- und Waffengeschäften. Nach Spiegel-Informationen sollen zwei von drei Osmanen in NRW bereits Straftaten begangen haben. Der Gruppe wurden Verbindungen zum türkischen Geheimdienst MIT nachgesagt, Leute aus dem Umfeld des türkischen Präsidenten Erdoğan sollen die Osmanen beauftragt haben, Jan Böhmermann für sein Schmähgedicht abzustrafen.

Die Osmanen bleiben trotzdem dabei, völlig harmlos zu sein: Hamit P. habe im Januar laut Spiegel Online die Gruppe verlassen müssen, weil er Straftaten begangen hatte.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.