Popkultur

Wir haben Insassen gefragt, was Martin Shkreli im Gefängnis erwartet

Der verhasste "Pharma-Bro" hat darum gebeten, seine Haftstrafe in einem Knast mit minimaler Sicherheitsstufe antreten zu dürfen. Häftlinge erklären uns, was ihm dort blüht.
16.3.18
Bild: Lia Kantrowitz | Foto von Martin Shkreli: Peter Foley | Bloomberg | Getty Images

Kurz vor der Urteilsverkündung am vergangenen Freitag brach der berüchtigte Hedge-Fonds-Manager Martin Shkreli in Tränen aus. Er hatte Pharmafirmen übernommen und die Preise lebenswichtiger Medikamente astronomisch in die Höhe getrieben. Dabei kam der für Finanzbetrug verurteilte "Pharma-Bro" mit sieben Jahren Gefängnis noch relativ glimpflich davon – die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert. Sieben Jahre sind auch wesentlich weniger als die 21 Jahre, die ich für ein Drogenvergehen absitzen musste. Trotzdem wird Shkreli für absehbare Zeit hinter schwedischen Gardinen hausen. Am Mittwoch berichtete die New York Daily News, dass er hoffe, seine Strafe in einer Anstalt mit minimaler Sicherheitsstufe in Pennsylvania antreten zu dürfen, die bisher vor allem für einen Salmonellenausbruch in die Schlagzeilen gekommen war.

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Ich bin zwar seit drei Jahren wieder frei, habe drinnen aber noch einen Haufen Freunde. Die allermeisten sitzen für Verbrechen, die nichts mit Hedge-Fonds oder Biotech zu tun haben. Natürlich konnte ich nicht anders, als ein paar von ihnen zu fragen, was "der meistgehasste Mann Amerikas" von seinen Mithäftlingen zu erwarten hat. In einer Sache waren sich alle einig: Aufgrund der Art seines Verbrechens, seines Vermögens und seiner Bekanntheit wird er eher nicht in einem dieser Horrorknäste landen, wie man sie aus Serien wie Oz kennt. Nichtsdestotrotz könnte ihm seine polarisierende Rolle als eine Art kultureller Blitzableiter etwas zusätzlichen Ärger bescheren – ganz besonders sein Ruf als skrupelloser Medikamentenwucherer.


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"Ich denke, dass Martin Shkreli im Knast keine großen Probleme bekommt. Er landet ja höchstwahrscheinlich in einem Gefängnis mit minimaler Sicherheitsstufe, wo es keine Gewalt gibt", schreibt Walter "King Tut" Johnson, in einer E-Mail an VICE. Der New Yorker sitzt lebenslänglich im FCI Otisville, New York, für ein sogenanntes Three-Strikes-Vergehen, eine harte Strafe nach einer dritten Verurteilung. "Er wird es aber hassen, eingesperrt zu sein, und wahrscheinlich ein bisschen protestieren. Wenn er im Gefängnis rumheult wie bei seiner Verurteilung, dann ist das besser ehrlich. Tränen werden im Knast sehr ernst genommen."

Aus Tuts Erfahrung gibt es im Gefängnis drei legitime Gründe zu weinen: der Verlust eines nahestehenden Menschen, eine unheilbare Krankheit oder die ehrliche Trauer eines ernsthaft Unschuldigen. Folglich könnte Shkrelis Jammern über den Zustand seiner neuen Behausung von gestandenen Mithäftlingen als eine Art Beleidigung aufgefasst werden, und derartigen Egoismus vergisst man dort nicht so schnell.

"Er kommt in ein Gefängnis mit minimalen Sicherheitsvorkehrungen", glaubt auch Christian Fannon aus Ohio, der momentan fünf Jahre in der FCI Beckley, West Virginia, für Rezeptfälschungen absitzt. "Die meisten dieser Gefängnisse sind super soft. Er wird dort sogar ganz gut leben können. In einem mit höherer Sicherheitsstufe würden sie ihn zusammenschlagen. Er müsste dann Schutzgeld zahlen. Sein Geld würde ihm dort Sicherheit garantieren."

Egal, wo Shkreli am Ende landet, die ständige Medienberichterstattung und seine Tendenz, in der Öffentlichkeit hochnäsig aufzutreten, werden ihn zu einem möglichen Opfer machen. Allerdings hat jeder Insasse etwas zu verlieren, selbst in einem Gefängnis mit geringster Sicherheitsstufe. Niemand will in einem strengeren Knast landen, nur weil er Shkreli zusammengeschlagen hat.

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Aber vergessen wir nicht, dass dieser Mann ein professioneller Troll ist.

"Dieser Schnösel dürfte ein willkommenes Ziel für Erpressungsspiele werden."

"Angesichts von Shkrelis Unerfahrenheit als Insasse, dem Umstand, dass sein Reichtum öffentlich bekannt ist, und seiner allgemeinen Einstellung als verwöhnter Schnösel dürfte er ein willkommenes Ziel für Erpressungsspiele werden", schreibt Robert Rosso in einer E-Mail. Rosso ist ehemaliges Mitglied einer Gefängnisgang, sitzt lebenslänglich für Drogen in FCI Terre Haute, Indiana, und hat in der Vergangenheit für VICE geschrieben.

In anderen Worten: Shkreli könnte sich in der unangenehmen Situation wiederfinden, jemandem oder einer Gruppe Schutzgeld zahlen zu müssen. Und es könnte sein, dass er generell mehr Geld für alles blechen muss – egal ob Laken, Decken, Essen oder Schmuggelware. Einfach nur weil er ist, wer er ist.

Natürlich bringt sein ganzes Geld auch einen Haufen Vorteile mit sich. "Er wird seine Haftstrafe ganz entspannt absitzen und nachts ruhig schlafen", prophezeit Tommy Rutledge. Er sitzt ebenfalls lebenslänglich in FCI Terre Haute, Indiana, für bandenmäßigen Kokainhandel. "Reiche Leute gewinnen immer, selbst im Gefängnis."

Es stimmt: Ich habe einen Haufen bekannter Typen mit Geld geradezu durch die Haft schweben sehen. Geld ist ein großer Gleichmacher. Shkreli muss allerdings aufpassen, wie sich seine selbstsüchtigen Preiserhöhungen im Medikamentengeschäft auf seinen Status in einer Institution auswirken, in der es einen strengen Moralkodex gibt. Auch wenn dieser den meisten Amerikanern nicht vertraut sein dürfte.

"Shkreli war ein astreiner Kapitalist und hat ganz bewusst und mit Absicht den Preis eines Medikaments angehoben, von dem er wusste, dass Menschenleben davon abhängen", schreibt Rosso. "In diesem Sinn ist er zur schlimmsten Art von Drogendealer geworden, die es gibt: jemand, der sich einen darauf runterholt, Gott zu spielen."

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