Tiere

Auch Hunde können Liebeskummer haben

Der beste Freund des Menschen hat uns sogar einiges voraus, was feste Bindungen angeht. Forscher erklären, was wir uns von unseren Haustieren abgucken können.

von Erin Meisenzahl-Peace
24 Februar 2017, 8:00am

Illustration by Lia Kantrowitz

In der modernen Dating-Welt ist mittlerweile so gut wie alles möglich. Du kannst deinen Seelenverwandten sogar anhand deines Lieblingscharakters aus Friends oder der Niedlichkeit deiner Katze auswählen. Um einiges schwieriger ist es hingegen, einen Partner für deinen Hund zu finden. Es gibt zwar verschiedene Dienstleister, die Hundebesitzer verkuppeln, aber es gibt keine erfolgreiche App, mit der du eine bessere Hälfte für deinen Hund suchen kannst. Sollte es so etwas nicht auch geben? Können sich Hunde überhaupt genauso verlieben wie Menschen?

Um das herauszufinden, habe ich mit Dr. Marc Bekoff gesprochen. Er arbeitet in der Forschung und war früher Professor für Tierverhalten, kognitive Ethologie (die Lehre von der Psyche von Tieren) und Verhaltensökologie an der Universität von Colorado. "Natürlich", sagt er nüchtern. "Wenn man Liebe als eine langfristige, hingebungsvolle Beziehung definiert – soll heißen, dass sie nacheinander Ausschau halten, wenn sie getrennt sind, glücklich sind, wenn sie wieder zusammen sind, einander beschützen, füttern und gemeinsam Kinder großziehen –, dann können sich selbstverständlich auch nicht-menschliche Tiere verlieben."

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Selbst wenn man Liebe in einem wissenschaftlicheren Sinne definiert, kommen Experten zu demselben Schluss. "Ich nenne das 'das große O'", erklärt Bekoff. "Obwohl es natürlich kein Patentrezept gibt, deutet doch vieles darauf hin, dass Oxytocin einen positiven Einfluss auf unsere Stimmung und unsere Beziehungen hat." Wenn sich ein Mensch und ein Hund treffen, wird bei beiden, wie Forscher zeigen konnten, vermehrt Oxytocin ausgeschüttet – das Hormon, das auch "Kuschelhormon" genannt wird. Laut einer Studie, die in Proceedings of the National Academy of Sciences erschien, ist das auch der Fall, wenn sich Hunde treffen.

"Oxytocin verstärkt die soziale Motivation, sich Artgenossen und menschlichen Partnern anzunähern und eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, was die Grundlage für die Entwicklung jeder Form von beständiger sozialer Beziehung bildet", sagen die Forscher. Die Oxytocinausschüttung nimmt auch zu, "wenn Hunde mit ihren Hundepartnern zusammen sind."

Foto: kitty.green66 | Flickr | CC BY-SA 2.0

Genau wie Menschen brauchen auch Hunde keine Schaubilder, die ihre Hormonausschüttung dokumentieren, um zu wissen, dass das, was sie fühlen, Liebe ist. "Es fühlt sich auch für Hunde einfach gut an, in einer positiven Beziehung zu sein", sagt Bekoff. Er erzählt mir von der Beziehung seiner Hündin Tika: Sie war ein echtes Partytier, bevor sie sich in einen ruhigen und sehr zurückhaltenden Hund namens Kobuk verliebt hat. Sie haben sich gestritten wie ein altes Ehepaar.

Kobuk hat immer wieder versucht, Stücke aus Tikas Futter zu klauen und hat sie ständig zur Seite geschoben. Letztendlich haben die beiden aber acht Würfe miteinander großgezogen. Als Tika unter einem bösartigen Tumor im Bein litt, ist Kobuk nicht mehr von Tikas Seite gewichen – auch nicht, als man ihr Bein amputieren musste. Kobuk hat seinen Besitzer sogar alarmiert, als sich Tikas Zustand verschlechtert hat. Sie wurde als Notfall in die Tierklinik gebracht und hat es überlebt. Kobuks Liebe hat Tika das Leben gerettet.

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Die Liebe von Hunden kann sogar noch inniger sein als menschliche Beziehungen. "Hunde haben keine Angst davor, sich zu beschnüffeln", erklärt Bekoff. "Sie drücken sich sehr klar aus und haben keine Angst davor, 'Ich liebe dich' zu sagen." Bekoff glaubt, dass Menschen sehr viel von Hunden lernen können, was offene und ehrliche Beziehungen angeht.

Doch mit der Liebe kommt auch der Schmerz und auch Hunde sind nicht immun gegen die Qualen, mit denen Menschen so viele bittere Erfahrungen machen müssen. "Hunde können sich genauso zurückgewiesen fühlen wie wir. Ich habe auch schon gesehen, wie wilde Kojoten von potenziellen Partnern zurückgewiesen wurden, deshalb richtiggehend niedergeschlagen waren und nichts mehr mit sich anzufangen wussten."

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Studien haben gezeigt, dass die meisten Hunde monogam leben. Sie verteidigen ihre Partner und beschützen sie vor potenziellen Ehebrechern. Allerdings gibt es auch ein paar echte Streuner da draußen. Manchmal kommt es vor, dass männliche Hunde warten, bis ihr Rivale weg ist und sich anschließend anschleichen, um die Hundedame, auf die sie ein Auge geworfen haben, zu verführen. "Man nennt dieses Verhalten 'heimliche Kopulation'", sagt Bekoff.

Egal ob dein Hund nach der großen Liebe oder einer netten kleinen Affäre sucht: der Geruch spielt immer eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl. Laut Dr. Stanley Coren, dem Autor von How to Speak Dog, haben Hunde ein ausgeprägtes Aufspürsystem speziell für Gerüche, das sogenannte Jacobson-Organ. Es hilft ihnen, alle möglichen Informationen aus den Pheromonen anderer Hunde herauszulesen, wie ihr Geschlecht, ihr Alter, ihre Stimmung und in welchem Stadium ihres Menstruationszykluses sie sich gerade befinden. Bekoff glaubt aber auch, dass Hunde bei der Partnerwahl nicht nach einem bestimmten Geruch suchen. Es geht vielmehr darum, ob sie zusammenpassen. "Menschen sprechen in solchen Fällen von einer guten Chemie", sagt er. "Genauso ist es auch bei Hunden."

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