Feminisme

Drei Männer sollen eine Gruppenvergewaltigung live auf Facebook übertragen haben

Berichten zufolge sollen Mitglieder einer privaten Facebook-Gruppe mit 60.000 Nutzern den Vorfall mitverfolgt haben. Die Polizei ermittelt nun gegen drei Verdächtige.
25.1.17
Photo by Lumina via Stocksy

Live-Übertragungen gibt es erst seit etwas mehr als einem Jahr (Facebook Live wurde 2016 eingeführt und Periscope wurde 2015 gelauncht). Allerdings mussten wir seither immer wieder erleben, dass die Technologie zur Übertragung von gewalttätigen Übergriffen und sogar Morden oder Selbstmorden genutzt wurde. Nun soll es zu einem angeblich erstmaligen Vorfall gekommen sein, bei dem die Vergewaltigung einer Frau durch eine Gruppe von Männern live an eine private Facebook-Gruppe mit 60.000 Mitgliedern übertragen wurde.

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Wie die Zeitung Local berichtet, ereignete sich der Vorfall in der schwedischen Stadt Uppsala in den frühen Stunden des 22. Januars. Berichten zufolge wurden die drei Männer im Alter zwischen 19 und 25 Jahren nun wegen des Verdachts der Vergewaltigung festgenommen. Eine Frau hatte die Polizei alarmiert, nachdem sie über unbestätigte Aufnahmen der Gruppe gestolpert war. "Sie rissen ihr die Klamotten runter und legten sich auf sie", sagte sie gegenüber der lokalen Zeitung Expressen. Das Opfer stand Berichten zufolge kurz vor der Bewusstlosigkeit.

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Während des Übergriffs kommentierten Online-Nutzer den Feed. Einer von ihnen schrieb angeblich: "Drei gegen einen, hahaha." Wie der schwedische Nachrichtensender SVT berichtet, sollen die drei Männer nachträglich eine zweite Live-Übertragung über Facebook inszeniert haben, in der die Frau sagte, dass sie nicht vergewaltigt wurde – die Aufnahme lief noch, während die Polizei das Trio festnahm.

"Das Mädchen saß vor der Kamera, während der Typ, der sie gefilmt hat, ganz offensichtlich versuchte, sie dazu zu bringen, die Vergewaltigung abzustreiten", sagte eine Zeugin gegenüber SVT. "Das hat mir das Herz gebrochen." Die Polizei von Uppsala hat nun bestätigt, dass sie bereits in dem Fall ermittelt und dass ihnen der Vorfall von einer Reihe von Personen, die die Übertragung gesehen hatten, gemeldet worden war. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels erging noch keine Anzeige gegen die Beteiligten.

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Folgt Broadly bei Facebook, Twitter und Instagram.

Im Rahmen ihrer Arbeit als Direktorin des Oxford Internet Institute erforscht Dr. Victoria Nash öffentliche Richtlinien und die Sicherheit im Netz. "Sehr oft […] handelt es sich dabei um die Fortsetzung eines Verhaltens, das wir bereits beobachten konnten, bevor es das Internet gab", sagt sie über das Phänomen, dass kriminelle Aktivitäten live übertragen werden. Sie meint auch, dass Menschen im Verlauf der Geschichte schon immer angestrebt haben, dass ihre Taten öffentlich würden – wie zum Beispiel Serienmörder, die Briefe an die Polizei geschickt haben oder noch vom Gefängnis aus Geständnisse schrieben, mit denen sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregten. "Das Bedürfnis, Macht durch Bekanntheit zu erreichen, gab es schon immer. Das Internet verleiht dem öffentlichen Aufschrei aber eine ganz neue Qualität."

Die Tatsache, dass der vermeintliche Vorfall in einer privaten Gruppe übertragen wurde, kann ebenfalls ein Hinweis für einen potenziell kriminellen Hintergrund sein, erklärt Nash. "Die Ermittler, die auf Vorfälle von Kindesmissbrauch spezialisiert sind, sagen mir oft, dass solche privaten Gruppen im Netz sehr bedenklich sein können. Sie könnten aus einem abgründigen Grund privat sein – weil die einzelnen Mitglieder der Gruppen genau aus diesem einen Grund da sind."

Besitzt die Technologie der Live-Übertragung eine spezielle Eigenschaft, die sie für mutmaßliche Straftäter noch attraktiver macht? "Live-Streaming ist noch dramatischer", erklärt Nash. "Außerdem ist es schwieriger zu moderieren und zu filtern." Sie betont, dass viele, die sich die Live-Übertragungen vermeintlicher Verbrechen ansehen, an ihrer Echtheit zweifeln. "Im Zeitalter der Falschmeldungen scheint unsere sachliche Urteilsfähigkeit beeinträchtigt zu werden. Das heißt, es fällt uns zunehmend schwer zu beurteilen, was wahr ist und was nicht."

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Facebook macht gegenüber Broadly deutlich, dass die Live-Übertragung einer vermeintlichen Gruppenvergewaltigung inakzeptabel sei. "Es ist ein furchtbares Verbrechen und wir tolerieren derartige Inhalte nicht auf Facebook", sagt ein Pressesprecher und betont, dass das soziale Netzwerk neue Sicherheitsmaßnahmen eingerichtet hat, die es den Leuten ermöglichen sollen, verstörende Inhalte noch während der Live-Übertragung zu melden. Auf der Webseite von Facebook heißt es, dass ein Team von Mitarbeitern "24 Stunden, sieben Tage die Woche abrufbereit ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat, sofort auf derartige Meldungen zu reagieren."

"Wir unterstützen die Strafverfolgungsbehörden vor Ort, die entsprechende Daten im Falle eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens anfordern können – insbesondere, wenn es um die Sicherheit junger Menschen geht", sagt der Pressesprecher weiter. "Wir beantworten alle gültigen Anfragen im Zusammenhang mit Kriminalfällen."


Titelfoto: Unsplash | Pexels | CC0