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Sex

Streit im Saarland: Weil Pornostar für Fußballteam wirbt

Verstößt der Star aus 'Papa, dein Schwanz ist zu groß' gegen die Grundsätze von Ethik und Moral im Sport?

von Benedikt Niessen
26 Oktober 2017, 8:53am

Foto: SV Oberwürzbach

Amateurfußball steht für schiefe Seitenlinien, schmerzhafte Grätschen auf Ascheplätzen und für saufende Mallorca-Touris. Der Sexappeal und das Millionenpublikum der Bundesliga fehlen ebenso wie das Geld. Deswegen suchte sich der saarländische Amateurverein SV Oberwürzbach einen extravaganten Hauptsponsor – und fand einen Pornostar. Seit August ziert Lena Nitro mit ihrem Namen und ihrer Webseite das Trikot der Amateurkicker.

Der Pornostar gewann mehrfach den Venus-Award – den Oscar der deutschen Erotikbranche – und sollte den Verein ins saarländische Rampenlicht schieben. "Die kleinen Vereine können nicht ohne Sponsoren überleben und so haben wir auf der Abschlussfahrt mit unserer Mannschaft entschieden, dass wir etwas machen müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen", erzählt Torsten Nelz, Sportvorstand des SV Oberwürzbach gegenüber VICE. Nitro wurde vom Sportvorstand persönlich ausgesucht. "Lena hatte ich im Fernsehen bei Sendungen wie Frauentausch gesehen und ich fand die super, weil sie so frei Schnauze war", sagt Nelz. Spieler, Vereinsmitglieder und auch die Damenmannschaft waren nicht dagegen, das Management des Pornostars willigte ein – und die pornöse Rechnung des Klubs ging auf.

Torsten Nelz (links), Lena Nitro und Mark Lang | Foto: SV Oberwürzbach

"Unser Ziel war, im Saarland für Aufregung zu sorgen. Dass dann europaweit berichtet wird, ist der absolute Wahnsinn", so Nelz, der die Bekanntmachung des neuen Sponsors erst nur an die Regionalausgabe der Bild-Zeitung geschickt hatte. "Einen Tag später standen wir in fünf Ländern auf der Titelseite von Tageszeitungen", so Nelz. Von New York Daily News bis Sports Illustrated berichteten sogar Medien außerhalb des Kontinents über den saarländischen Provinzklub und Lena Nitro. Nelz wachte am nächsten Morgen mit über 100 WhatsApp-Nachrichten von Freunden, Bekannten und Journalisten auf – und selbst ein Trikotsammler aus Irland fragte nach einem der begehrten Hemden aus Oberwürzbach.

Nach sechs Spielen in den Porno-Trikots landete der neue Spieldress aber vorerst im Abstellraum des Klubs. "Wir wurden vom Saarländischen Fußballverband gebeten, bis zum 6. November auf die Trikots zu verzichten", so Sportvorstand Torsten Nelz. "Zu diesem Termin wird eine außerordentliche Versammlung einberufen zum Thema 'Ethik und Moral'." Verstößt der Pornostar aus Filmen wie Lust und Laster oder Inzest – Papa, dein Schwanz ist zu groß! gegen die Verbandsrichtlinien? Auf eine Anfrage von VICE war der Verband nicht erreichbar.

Der Provinzklub aus dem Saarland glaubt, bald wieder mit Lena Nitro auf der Brust auflaufen zu können. "Sie können es uns nicht verbieten, wie es mir der Verbandsvorsitzende in einem netten Telefonat erklärt hat", so Nelz, der auch betont, dass Nitro viel wert auf den Jugendschutz lege und Minderjährige keinen direkten Zugriff auf die Webseite bekämen. "Aber wir als Klub wollen auch nicht auf Kriegsfuß mit dem Verband stehen, also warten wir erstmal ab."


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In der Spielordnung des Saarländischen Fußballverbands heißt es, dass der Verbandsvorstand über Werbung "nach den Vorschriften des DFB" entscheide. Der Deutsche Fußball-Bund verordnet, dass die Werbung nicht gegen die "allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral" verstoßen dürfe. Ganz klar verboten sind etwa Geldgeber, die für Tabakwaren oder starken Alkohol werben.

Wie ein Ergebnis einer solchen "Ethik und Moral"-Sitzung aussehen kann, zeigt das Beispiel von RW Frankfurt. Der Klub aus der Hessenliga lief Anfang dieser Saison mit dem Logo eines FKK-Saunaclubs auf der Brust auf. Der hessische Fußballverband überprüfte dies ebenfalls auf "Ethik und Moral" – und konnte keine Regelverletzung feststellen. Das war vor Jahren noch undenkbar. Im Jahr 1988 präsentierte der damalige Bundesligist FC Homburg einen Kondomhersteller als Sponsor. Der DFB sah "Ethik und Moral" in Gefahr, verhängte eine Strafe von 50.000 DM, die Saarländer mussten den Schriftzug schwarz überkleben.

In Oberwürzbach feilt man derzeit schon an weiteren Plänen. "Wir überlegen gerade, wie wir das jetzt richtig vermarkten", sagt Nelz, der von einen Fanshop und Freundschaftsspielen gegen den Kiezklub FC St.Pauli träumt. "Einen Teil der Einnahmen würden wir gerne spenden, aber es ist noch nichts geplant." Vielleicht weil er noch etwas Ethisches und Moralisches tun möchte.

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