Aufpoliert und aufgesetzt: Surreale Fotos aus der künstlichen Influencer-Welt

Fotokünstlerin und Influencerin Glenda Lisette kritisiert mit ihren Selbstporträts soziale Medien und "Personal Branding".

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14 August 2018, 4:30am

Dieser Artikel stammt aus der Privacy and Perception Issue des VICE Magazine, das in Zusammenarbeit mit Broadly produziert wurde. Mehr Geschichten aus dem Heft kannst du hier lesen.

Mit zwölf Jahren kaufte Glenda Lissette eine Raubkopie von Photoshop, um ihre Selfies bearbeiten zu können. Sie kam in Chicago zur Welt, doch ihre Familie zog häufig um, Lissette verbrachte ihre Kindheit in Guatemala. Das Bildbearbeitungsprogramm kaufte sie dort in einem kleinen Laden die Straße runter, wo es Raubkopien von Musik, Filmen und eben Software gab. Damit dekorierte sie Fotos von sich und teilte sie auf hi5, einer sozialen Plattform, die damals in Guatemala beliebt war. Mit 14 kehrte sie in die Staaten zurück und ließ sich dort keinen der Trends entgehen: Sie entdeckte MySpace und Facebook, ein Jahr darauf kam Flickr hinzu, wo sie anfing, sich einen Namen zu machen. Dann kam Instagram, auch dort postete sie Selbstporträts, Marken erkannten in ihr bald eine Influencerin. Und sie machte sich Gedanken darüber, was dieses Wort eigentlich bedeutet.

“Ich dachte intensiv darüber nach und produzierte Arbeiten rund um diese Frage”, sagt sie. “Ein sehr wichtiger Aspekt dieses Projekts ist der self-gaze, der Blick auf sich selbst.”

2017 fing sie an, an der hier gezeigten Reihe zu arbeiten. Die Selbstporträts ergänzt sie mit einem Video und Sound-Installationen, die „sich mit Manipulation und weiblicher Arbeit befassen“, wie Lissette erklärt.


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„Ich verwende Photoshop, um eine Bildsprache zu entwickeln, die Fakeness betont und aus dem Kontext reißt, damit man sie gezielt beachtet“, sagt sie. In einem Bild steht Lissette in einer Blumenwiese, Teile ihres Gesichts sowie der Oberkörper wurden ausradiert. Andere Fotos hat sie retuschiert, um „perfekt“ zu erscheinen. „Mein Körper sieht in echt definitiv nicht so aus“, sagt sie. In andere Bilder fügt sie Schmuck, Obst und Palmen ein.

Lissette will zeigen, wie wir in den sozialen Medien interagieren und wie Marken den weiblichen Körper zum Produkt machen. Die Künstlerin hat nichts gegen andere Influencer, erkennt aber auch, wie diese teilweise ausgebeutet werden. Vor allem die Arbeiten junger Frauen würden häufig sexualisiert. Indem sie uns darauf aufmerksam macht, wie offensichtlich manipuliert ihre Fotos sind – in einem singen zwei Lissettes zusammen Karaoke –, wirft sie auch die Frage auf, warum Bilder überhaupt manipuliert werden.

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