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Sind große Männer wirklich heiß, oder einfach nur verdammt groß?

Viele Frauen und Männer stehen auf große Typen. Erklären warum, können sie oft nicht. Und auch die Hünen wären manchmal gerne kleiner.

von Zing Tsjeng
24 Juni 2019, 3:30am

Die Autorin (1,65 Meter) neben Tom (2,05 Meter) | Foto: Ruby Lott-Lavigna

Damit das gleich zu Anfang klar ist: Ich, eine 1,65-Meter-Frau, bin Größenagnostikerin. Ich habe schon Männer gedatet, die 1,93 Meter groß waren, aber auch solche, die behaupteten, 1,70 Meter zu messen – was in Wirklichkeit bedeutet: "Ich bin eigentlich 1,68 Meter groß, aber darüber sprechen wir jetzt mal nicht." Ich war auch schon der lange Lulatsch in einer Beziehung, mit Frauen, die so klein und zierlich waren, dass sie sich selbst geradeheraus als "winzig" bezeichneten.

Auf meiner Dating-Reise durchs Größenspektrum bin ich zu einer wichtigen Erkenntnis gelangt. Wenn du einen großen Typen siehst und dir denkst: "Wow, der ist aber süß" – dann kann es gut sein, dass er das gar nicht wirklich ist. Vielleicht ist er einfach nur unbeschreiblich groß.

Auch bei der satirischen Website Reductress hat das jemand anscheinend kapiert: Dort erschien letztes Jahr das Quiz "Is He Cute or Is He Just Tall and White?" Jason Segel, bekannt als Marshall aus How I Met Your Mother, ist ein gutes Beispiel. Er mag ja ganz nett anzusehen sein, aber Leute stehen ziemlich sicher hauptsächlich auf ihn, weil er 1,94 Meter groß ist. Oder Liam Neeson, der nur einen Zentimeter kleiner ist als Segel: Er hat ein markantes Gesicht, das nicht unbedingt den Schmachtfaktor eines Hemsworth oder Skarsgård mitbringt (diese Schauspielerfamilien sind ebenfalls mit Riesenwuchs gesegnet). Wäre Neeson seit Jahrzehnten einer der großen Hollywood-Namen, wenn er nicht auch extrem groß wäre? Man weiß es nicht.

Studien haben zumindest immer wieder ergeben, dass größere Menschen auch besser verdienen, eher in Führungspositionen gelangen und allgemein als kompetenter eingeschätzt werden. Das trifft auf beide Geschlechter zu, aber bei Männern ist diese Wirkung womöglich noch etwas ausgeprägter.

Catherine ist 26 Jahre alt und sagt, sie finde große Männer unwiderstehlich. "Ich bin 1,78 Meter groß, also schaue ich mich eher nach großen Typen um", schreibt sie mir per Privatnachricht auf Twitter. "Zurzeit bin ich verschossen in einen, der 1,96 Meter groß ist – ich weiß, dass er drogenabhängig ist, aber ich kann mich einfach nicht fernhalten." Wäre der Kerl nicht so groß, wäre sie nicht ansatzweise so interessiert an ihm, davon ist Catherine selbst überzeugt.


Auch bei VICE: Der NBA-Spieler Isaiah Hartenstein, inzwischen 21 Jahre alt und 2,16 Meter groß


Sarah ist 31 und 1,63 Meter groß. Sie könne "keine Gefühle" für Männer unter 1,90 Meter entwickeln, sagt sie. "Das kommt von meinen Fantasien über Jimmy Stewart und Jarvis Cocker – und weil die Meme-Kultur mein Hirn zerstört hat, so dass ich nur noch 'Long Bois' mag." Schauspieler Stewart war 1,91 Meter lang, Britpop-Sänger Cocker misst 1,88 Meter. "Mein Partner ist 1,96 Meter groß. Ich habe seit Jahren nicht mehr versuchen müssen, an Gegenstände ranzukommen."

Hat Sarah jemals aus lauter Riesenliebe bei ihren Partnern schlechte Eigenschaften ignoriert – oder gar eine komplett schlechte Persönlichkeit? "Ich bereue nichts. Aber ich hätte wohl nicht mit dem Typen in der Bibliothek geknutscht, der als Frank der Hase aus Donnie Darko verkleidet war, wenn er mehr die Größe von einem Häschen gehabt hätte."

Sarahs und Catherines Vorliebe für die langen Elende der Männerwelt ist nachvollziehbar. Wie diverse Studien gezeigt haben, ist eine imposante Körpergröße eine der attraktivsten Eigenschaften, mit denen sich heterosexuelle Männer optisch hervortun können. Im Vergleich gibt es nur wenig Forschung zu den Größenvorlieben von schwulen Männern und lesbischen Frauen, aber zumindest eine Studie hat ergeben, dass schwule Männer, die beim Sex gern dominant sind, auch gerne einen kleineren Partner haben. Umgekehrt ziehen laut der Studie Schwule, die den dominanteren Part lieber ihrem Partner überlassen, auch Männer vor, die größer sind als sie selbst.

Joel Golby
Joel, 1,93 Meter: "Wenn ich durchschnittlich groß wäre, dann wäre ich wahrscheinlich Moderator von einem Incel-Forum" | Foto mit freundlicher Genehmigung von Joel Golby

Manche großen, heterosexuellen Männer, mit denen ich spreche, bestätigen ohne Umschweife, dass ihre Größe ihnen beim Daten anscheinend Vorteile bringt. Der ehemalige VICE-Autor Joel Golby ist 1,93 Meter groß. Er sagt: "Mir ging erst mit 28 auf, dass meine Größe so ziemlich der einzige Grund ist, warum ich jemals Sex hatte. Wenn ich durchschnittlich groß wäre, dann wäre ich wahrscheinlich Moderator von einem Incel-Forum."

Große Männer feiern ihre Größe nur bedingt: "Den Rücken beim Sex um 45 Grad beugen, nur um knutschen zu können, ist nicht toll"

Auf Twitter schreibe ich mit Chris, der ebenfalls 1,93 Meter misst. Er hat den Vorteil auf Dating-Apps deutlich gesehen: "Als ich noch Single war, habe ich ein paar Monate lang getindert. Nach einigen Wochen gab ich meine Größe an. Sofort bekam ich extrem viele Matches im Vergleich zu vorher."

Die Hünen, die sich bei mir per Privatnachricht melden, um zu bestätigen, dass Frauen sie für ihre Größe feiern, sind im Schnitt 1,93 Meter groß. Ein durchschnittlicher Mann europäischer Abstammung bringt es auf knapp unter 1,80 Meter. Meine Twitter-Gespräche sind natürlich keine wissenschaftliche Studie, aber ab 1,95 Meter zeigten sich die Männer, die mir schrieben, häufiger frustriert und unzufrieden mit ihrer Größe.

Der 28-jährige Max war schon bei seiner Geburt so groß, dass man ihn diagonal in sein Krankenhausbettchen legen musste. Er wünscht sich manchmal, ein gutes Stück kleiner zu sein. "Es ist auch kein Weltuntergang, wenn man beim Sex in der Missionarsstellung das Gesicht der anderen Person auf Brusthöhe hat – gut, für die andere Person vielleicht schon. Aber den Rücken um 45 Grad beugen, nur um knutschen zu können, ist nicht gerade toll."

Peter, 25, hat ebenfalls im Alltag mit seiner Größe zu kämpfen. "Wenn du so groß bist, kannst du auch nicht hören, was dir eine Frau in der Bar oder im Club sagt, ohne dich weit runterzubeugen", sagt er. "Auf der Tanzfläche sieht jeder, dass du kein Rhythmusgefühl hast, weil jeder dich sieht. Ein perfekter erster Kuss wie im Film ist unmöglich, weil da 30 Zentimeter Höhenunterschied sind."

Der größte Mann, mit dem ich spreche, ist der 29-jährige Tom mit 2,06 Metern. Damit ist er genauso groß wie der stärkste Mann der Welt, Hafþór Júliús Björnsson, bekannt als Gregor "The Mountain" Clegane aus Game of Thrones. Ich treffe mich mit Tom, einfach nur, um das mit eigenen Augen zu sehen. So ganz will ich vorher nicht fassen, dass man so groß sein kann, auch wenn ich schon ein Foto gesehen habe, auf dem er zwei Köpfe größer ist als die zweitgrößte Person.

"Aufmerksamkeit kriegt man allemal", sagt Tom. "Du kommst mit eingebautem Gesprächsstoff zur Welt. Und wenn jemand auf den Typ 'großer, starker Mann' steht, erfülle ich das natürlich."

Bringt seine Größe quasi einen unfairen Vorteil mit sich, weil Menschen ihn allein aufgrund dessen schon attraktiv finden? "Frauen kommen auf mich zu, weil sie gleich etwas haben, mit dem sie ein Gespräch beginnen können. Ich hebe mich von den anderen Typen ab." Gleichzeitig sieht er Gemeinsamkeiten mit besonders kleinen Männern: "Wir sind jeweils Freaks in der Welt der normalgroßen Menschen. Mit einem kleinen Mann identifiziere ich mich mehr als mit dem 1,80 Meter großen Mister Ergonomie, für den die Welt geschaffen ist."

Die meisten Frauen, mit denen ich spreche, scheinen ihre Vorlieben nicht zu bereuen oder leugnen zu wollen – auch wenn einige zugeben, dass Größe sie schon dazu gebracht hat, schlechte Eigenschaften zu ignorieren. Einige berichten, sie seien einfach nicht mehr in der Lage, kleinere Männer attraktiv zu finden. Catherine würde ihre Vorliebe nicht ändern, selbst wenn sie die Wahl hätte. "Meine Freundinnen sagen, ich diskriminiere aufgrund der Größe. Aber dazu fühle ich mich nun mal hingezogen", sagt sie. "Natürlich sehe ich manchmal echt heiße Typen, die kleiner sind als ich, und dann wünsche ich kurz, ich könnte anders empfinden. Aber nach irgendwelchen Kriterien muss man gehen – sonst würde ich ja auf alle stehen."

Für Hetero-Frauen, die sich ihren eigenen Mountain angeln wollen, hat Sarah ein paar Tipps: "Du solltest eine Wohnung mit hohen Decken haben, und am besten erst gar kein Wort über seine Größe verlieren."

Zumindest dürfte die anfängliche Suche ziemlich leicht fallen: Halte einfach Ausschau, bis du einen Mann entdeckst, der wie ein T-Rex unter Raptoren aussieht. Danach muss Frau nur noch an ihn rankommen.

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