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Pornhub gibt's jetzt auch im Darknet – das steckt dahinter

Es ist wirklich besser, wenn du Pornos mit dem Tor-Browser im Darknet schaust. Ein lupenreiner Datenschützer ist Pornhub aber nicht.
01 Februar 2020, 3:30am
Laptop-Tastatur mit Pornhub-Logo, sybolisiert den Konsum von Pornos im Darknet
Foto: imago images | Westend61 || bearbeitet

Selbst wenn du dich in deinem Zimmer einschließt und deine Webcam abklebst, ist dein Porno-Konsum nicht unbedingt privat. Jedenfalls, wenn du mit einem gewöhnlichen Browser auf gewöhnlichen Websites unterwegs bist. Mit simplen Tricks können Pornoseiten dich heimlich online verfolgen und überwachen. Du bist darauf angewiesen, dass die Anbieter ihre Versprechen rund um Datenschutz auch wirklich einhalten.

Solche Versprechen sind einigen Menschen aber nicht genug. Vor allem wenn sie in einem autoritären Regime leben und etwa wegen ihrer Homosexualität verfolgt werden. Für sie wäre ein Leak der eigenen Pornovorlieben nicht nur peinlich, sondern gefährlich.

Jetzt hat Pornhub, eine der meistbesuchten Pornoseiten Deutschlands, eine eigene Seite im Darknet eröffnet – für mehr Datenschutz und Privatsphäre: http://pornhubthbh7ap3u.onion. Trotzdem ist Pornhub nicht über Nacht zum Musterschüler in Sachen Datenschutz geworden. Was genau hat es mit diesem Move auf sich?

Zunächst einmal darf Pornhub auf seiner gewöhnlichen Website weiter fleißig Daten sammeln, so wie die meisten werbefinanzierten Online-Angebote auch. Dazu gehören unter anderem IP-Adresse, Browserversion, Zeitzone und so weiter. Rein technisch hätte Pornhub auch die Möglichkeit, Nutzerinnen und Nutzer eindeutig zu identifizieren, zum Beispiel durch sogenanntes Browser-Fingerprinting – was die Plattform nach eigenen Angaben aber nicht tut.

Wie krass setzt Pornhub wirklich auf Datenschutz?

Der Tor-Browser ist der bestmögliche Schutz vor solcher Verfolgung. Wer seine Identität nicht durch Bedienungsfehler verrät und ein paar Fallstricken ausweicht, ist mit dem Tor-Browser relativ anonym unterwegs. Anfragen werden im Tor-Netzwerk über mehrere Knoten geleitet, sodass Nutzerinnen und Nutzer im besten Fall nicht identifiziert werden können. Dafür ist es aber nicht zwingend notwendig, eine Onion-Site aufzurufen. Es reicht, eine gewöhnliche Website mit dem Tor-Browser anzusteuern – und das konnten Nutzerinnen und Nutzer von Pornhub schon die ganze Zeit tun.

Es ist also ein bisschen geflunkert, wenn Pornhub sich jetzt als Verfechter von Datenschutz und Privatsphäre feiern lässt. Um Millionen Nutzerinnen und Nutzer effektiv zu schützen, muss man nicht gleich eine eigene Onion-Site einrichten. Sehr viel getan wäre auch mit dem Hinweis, doch bitte den Tor-Browser zu nutzen. So etwas könnte die Plattform einfach per Pop-up-Fenster tun, das jeder angezeigt bekommt, der Pornhub.com öffnet. Das tut Pornhub aber nicht.

Außerdem steht in der Datenschutzrichtlinie von Pornhub nach wie vor, dass die Plattform unter anderem "unique identifier" nutzt – also technische Mittel, um Besuchende eindeutig zu identifizieren. Ein entschlossener Schritt in Sachen Privatsphäre wäre, all diese Methoden grundsätzlich abzulehnen. Auch das tut Pornhub nicht.

Die eigene Onion-Site ist also vor allem eine PR-Aktion, mit der sich Pornhub als guter Datenschützer inszenieren kann – und als Cool Kid, denn einen eigenen Darknet-Auftritt hat nicht jeder. In der Pressemitteilung von Pornhub heißt es übrigens, man wolle Nutzer vor "böswilligen Hackern" schützen, nicht etwa vor den Datenanalysten im eigenen Haus. Trotzdem ist die Onion-Site von Pornhub nicht nutzlos.

Was die Onion-Site von Pornhub wirklich bringt

"Es ist sicherlich ein PR-Stunt, aber nicht nur", schreibt ein Sprecher des Tor-Teams von Digitalcourage in einer E-Mail an VICE. Der Verein betreibt Tor-Server in Deutschland und setzt sich für Datenschutz und digitale Rechte ein. Es gibt demnach einige spezielle Szenarien, in denen Besucher von Pornhubs Onion-Site tatsächlich besser geschützt sind als Nutzerinnen, die Pornhub.com einfach so im Tor-Browser ansteuern.


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In einem dieser Szenarien könnte ein Regime beispielsweise die Website von Pornhub exakt nachbauen und Besucherinnen und Besucher mit technischen Tricks automatisch auf diese Kopie weiterleiten, um sie dort zu überwachen. Dafür müsste ein Regime in den sogenannten Domain Name Service (DNS) eingreifen. Dieser Service verbindet Nutzer, die im Browser eine Website eingeben, mit dem dazugehörigen Server. Bei Onion-Sites wäre so ein Szenario aber nicht möglich, weil Onion-Sites kein DNS nutzen. Auch mögliche Schwachstellen im Kommunikationsprotokoll HTTPS seien kein Thema bei Onion-Sites.

Solche Szenarien sind zwar sehr speziell – schaden kann es aber nicht, die Plattform per Onion-Site anzusteuern, wenn man ohnehin schon den Tor-Browser verwendet. Übrigens haben auch die BBC, die New York Times und Facebook eigene Onion-Sites. Und schon die bloße Existenz solcher Seiten kann dabei helfen, falsche Vorurteile über das Darknet abzubauen. Schließlich tummeln sich dort nicht nur Kriminelle und Drogendealer, sondern auch einfach Menschen, die ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung wichtig finden und sich vor Massenüberwachung schützen wollen.

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