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Pornhub hat gerade Millionen Videos gelöscht

Die Seite erlaubt ab sofort nur noch Inhalte von verifizierten Accounts.
14.12.20
Das berühmte Pornhub-Logo
Symbolfoto: Getty Images 

Pornhub macht ernst. Die Seite entfernt alle anonym hochgeladenen Videos – das könnten drei Viertel aller Filme und Filmchen sein. Der Schritt bedeutet eine radikale Abkehr von der bisherigen Vorgehensweise. Millionen Videos werden von der größten Pornoseite der Welt verschwinden.

"Im Rahmen unserer Policy, unverifizierte Uploader zu sperren, haben wir jetzt auch alle zuvor hochgeladenen Inhalte gesperrt, die nicht von unseren Content-Partnern oder Mitgliedern des Model Programms hochgeladen wurden", heißt es in der Ankündigung von Pornhub. "Das bedeutet, dass alle Inhalte auf Pornhub von verifizierten Uploadern stammen – eine Bedingung, die Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok, YouTube, Snapchat und Twitter erst noch einführen müssen."

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Laut Pornhub werden Videos mit ausstehender Verifizierung von der Seite entfernt. Die Verifizierung soll dann im neuen Jahr beginnen. Bis dahin konnte jede und jeder ein Konto auf Pornhub erstellen und jedes beliebige Video hochladen. Das hatte sich seit dem Start der Seite 2007 nicht grundlegend geändert.


Auch bei VICE: Der Kampf der Mormone gegen Pornografie


Die Ankündigung kommt nach einer Reihe von Ereignissen, die die Porno-Industrie in den vergangenen Wochen erschüttert haben: Am vergangenen Montag begannen Mastercard und Visa, Pornhub auf unrechtmäßige Inhalte zu überprüfen, nachdem in der New York Times ein Artikel über Menschen erschienen war, die als Minderjährige auf der Seite gelandet waren.

Am Dienstag änderte Pornhub seine Nutzungsbedingungen, damit unverifizierte User keine Inhalte mehr hoch- oder runterladen können, außerdem kündigte man an, die Seite noch stärker zu moderieren. Am Donnerstag gaben Mastercard und Visa dann bekannt, dass sie keine Zahlungen für Pornhub mehr abwickeln werden. In dem Statement von Visa hieß es sogar explizit, dass das komplette Mindgeek-Netzwerk von dem Boykott betroffen sei. Zu dem Unternehmen gehören einige der größten Pornoseiten überhaupt – neben Pornhub auch Redtube, Youporn, XTube und Brazzers.

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Bei gesperrten Videos erscheint auf Pornhub jetzt ein Hinweis, dass sie zur Überprüfung markiert sind.

Screenshot: Pornhub

Screenshot: Pornhub

Vor dem großen Reinemachen Sonntagnacht gab es auf Pornhub rund 13,5 Millionen Videos, wie die Seite im Suchfeld angab. Montagnachmittag um 16 Uhr werden nur noch rund 2,9 Millionen Videos angezeigt. Auch das meistgesehene Amateurvideo mit über 29 Millionen Views war von der Löschung betroffen.

Verifizierte User sind laut Pornhub solche, die ein Selfie von sich eingeschickt haben, auf dem sie ein Stück Papier mit ihrem Usernamen und pornub.com (oder die entsprechende Mindgeek-Seite) hochhalten. Handgeschrieben versteht sich. Pornhub sagte VICE, dass dieser Prozess im kommenden Jahr noch gründlicher sein werde. Was das im Einzelnen bedeutet, teilte uns die Seite aber nicht mit. Die Verifizierung ermöglicht es Usern auch, dem Modelhub-Programm beizutreten, über das sie ihre Videos monetarisieren können.

Viele unverifizierte Videos auf Pornhub sind gar nicht pornografisch. Menschen laden ganze Spielfilme, Memes oder Witze bei Pornhub hoch. Vergangenes Jahr luden User über 6,83 Millionen neue Videos bei Pornhub hoch, heißt es im Jahresrückblick 2019 der Seite.

Nach der Ankündigung bezüglich Visa und Mastercard sagten Pornodarstellerinnen und -darsteller, die Pornhub als Einkommensquelle nutzen, dass ihre Lebensgrundlage ernsthaft in Gefahr sei. Einige von ihnen befürchten, dass die gesamte Erotikbranche leiden könnte, falls die Zahlungsdienstleister als nächstes kleinere Plattformen absägen.

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Dass nicht verifizierte User bei Pornhub nun nichts mehr hoch- und runterladen können, ist hingegen eine Entwicklung, die die Pornobranche seit Jahren fordert. So wird nämlich zum einen Missbrauch vorgebeugt und zum anderen Content-Piraterie verhindert. 

In der Ankündigung von Pornhub wird auch ein Bericht der Organisation Internet Watch Foundation zitiert: In den vergangenen drei Jahren wurden bei Pornhub 118 Inhalte gefunden, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, während man im gleichen Zeitraum bei Facebook 84 Millionen Inhalte dieser Art entdeckt hat.

"Es wird hier nicht auf Pornhub abgezielt, weil wir bestimmte Richtlinien haben oder auf eine bestimmte Weise im Vergleich zu anderen Seiten abschneiden, sondern weil wir eine Plattform für Erwachseneninhalte sind", heißt es in der Ankündigung weiter. "Die zwei Organisationen, die die Kampagne gegen uns anführen, sind der National Center on Sexual Exploitation (früher bekannt als Morality in Media) und Exodus Cry/TraffickingHub. Sie wollen Pornografie abschaffen, in ihren Augen obszöne Inhalte verbieten und die kommerzielle Sexarbeit stilllegen. Das sind die gleichen Kräfte, die seit 50 Jahren versuchen, den Playboy, die staatliche Förderung von Kunst und Kultur, Aufklärungsunterricht, LGBTQ-Rechte, Frauenrechte und selbst die American Library Association zu verteufeln. Jetzt ist eben Pornhub dran."

VICE hat sich im September mit Traffickinghub und der konservativen Dachorganisation Exodus Cry auseinandergesetzt, die sich gegen Zwangsprostitution einsetzt. Sexarbeitende sagen, dass die Anstrengungen von Exodus Cry gegen Pornografie und Sexarbeit und für die komplette Schließung von Pornhub sie nur noch mehr Risiken aussetzen würden. 

Dass nicht verifizierte User jetzt keine Videos mehr bei Pornhub hochladen dürfen, wird dazu beitragen, dass weniger Missbrauch auf der Plattform zu sehen ist. Der Schritt garantiert allerdings nicht, dass dieser Missbrauch komplett verschwindet. Pornhub hatte Inhalte des Produktionsunternehmens Girls Do Porn auf der Seite und das Unternehmen sogar als "Pornhub Content Partner" promotet. Auch als es von 22 Frauen wegen Betrugs, Erzeugung emotionalen Leids und widerrechtlicher Verwendung ihrer Personen verklagt worden war und eine VICE-Recherche gezeigt hatte, wie Pornhub dazu genutzt wurde, um die Frauen in den Videos zu doxen und zu belästigen. Pornhub entfernte den offiziellen "Girls Do Porn"-Channel erst, als man die Betreiber wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung in mehreren Fällen anklagte. Dennoch blieben einige "Girls Do Porn"-Videos online – hochgeladen und an Pornhubs mangelhafter Prüfung vorbeigeschmuggelt von nicht verifizierten Usern.

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