Menschen

Sexualforscherinnen erklären, was deine Sexträume wirklich bedeuten

… und warum manche Menschen nur im Schlaf zum Orgasmus kommen.
29 Juni 2020, 9:42am
Eine Frau liegt schlafend im Bett und wird im Traum von einem Außerirdischen geküsst. Sexualforscherinnen erklären, was solche Träume bedeuten können
Illustration: Juta

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich morgens aufwache, kann ich mich nur selten an meine Sexträume erinnern. Ziemlich schade, denn die Leute, mit denen ich mir das Bett teile, erzählen mir immer wieder, dass ich im Schlaf oft stöhne und mich herumwinde. Wissenschaftlich gesehen kommen feuchte Träume normalerweise während der REM-Schlafphase vor – wenn der Blutfluss in die Genitalien und damit auch die Erregung zunimmt.

Träume sind noch ein relativ großes Mysterium. An die meisten können wir uns nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern, weil unser Gehirn sie nicht mit der Realität vermischen will. Laut der Psychologin und Sexualwissenschaftlerin Laura Duranti hängen die Klarheit und der Inhalt deiner Sexträume von dir selbst und von deiner Beziehung zur eigenen Sexualität ab. Wie Duranti erklärt, koppelt sich unser Gehirn während des Schlafs nicht komplett von der Realität ab, sondern integriert die wahrgenommene externe Stimulation in den Traum – etwa die Temperatur des Schlafzimmers oder das, was wir berühren.

Auch die Schlafposition ist entscheidend. "Einige Studien – zum Beispiel die von Calvin Kai-Ching Yu von der Hong Kong Shue Yan University – legen nahe, dass es erotische Träume fördert, wenn man auf dem Bauch schläft", sagt Duranti. Wenn du auf dem Bauch liegst, wird deine Atmung eingeschränkt und Druck auf deine Genitalien ausgeübt – und dein Gehirn fühlt sich dadurch an das erinnert, was man beim Sex empfindet.


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Wenn das alles intensiv genug wahrgenommen wird, kann man sogar zum Orgasmus kommen. Einige Frauen berichten davon, dass sie im echten Leben keinen sexuellen Höhepunkt erreichen können, im Traum aber schon. "Körperlich wäre es ihnen schon möglich, einen Orgasmus zu bekommen. Aber weder Masturbation noch Sex mit einer anderen Person liefern ihnen die nötige Stimulation", sagt Duranti.

Die Psychologin und Sexualforscherin Marilena Iasevoli sagt, dass Sex sowohl im Traum als auch in der Realität die Freisetzung von Energie sei. "In unseren Träumen fällt es uns viel leichter, unsere Hemmungen abzulegen und uns dem Verlangen hinzugeben, ohne auf unseren Körper, unsere Gedanken und unsere Partner achten zu müssen", so Iasevoli weiter. Laut Duranti treffe das vor allem dann zu, wenn wir in unseren Träumen die Fantasien ausleben können, die im echten Leben unmöglich sind.

"Beim Sex können wir Dampf ablassen oder gar die Beziehung zu anderen Menschen kompensieren und reparieren", sagt Iasevoli. Wir können aber auch von versauten Dingen mit Personen träumen, zu denen wir uns im echten Leben überhaupt nicht hingezogen fühlen. Man nimmt schnell an, dass uns Träume unterbewusste Wünsche aufzeigen, aber dabei ist es wahrscheinlicher, dass wir hier eine ungeklärte Angelegenheit mit jemandem haben. Du hast letztens davon geträumt, wie du mit einem guten Freund oder mit einer Person Sex hattest, die du eigentlich gar nicht magst? Dieser Traum könnte Iasevoli zufolge auch zeigen, wie stark die Verbindung zu diesem Menschen ist, dass du diesen Menschen um ein Talent beneidest oder dass es eine feminine oder maskuline Seite an diesem Menschen gibt, die du dir gerne aneignen würdest.

Leider sind unsere Träume aber nicht immer so losgelöst und frei, wie wir das gerne hätten. "Unsere Unsicherheiten können uns auch im Traum zurückhalten – vor allem dann, wenn bei der eigenen Sexualität eine tiefgreifende emotionale Blockade herrscht oder wenn wir Angst haben, Macht zu verlieren oder loslassen zu müssen", sagt Duranti. Beide Expertinnen sind sich einig, dass es nur einen Weg gibt, die eigenen Fantasien voll auszuleben: Man muss herausfinden, was genau diese Blockade verursacht.

Eine Sache darf man nie vergessen: Sexträume sind nicht immer ein Ausdruck unserer innersten und dunkelsten Begierden. Oft verarbeiten unsere Gehirne so einfach nur, was wir an diesem Tag erlebt haben. Und auch Filme, Buchcharaktere und sogar Lieder können sexuelle Fantasien aktivieren, wenn wir schlafen. Wenn du also das nächste Mal davon träumst, wie du ganz sanft von einem sexy Alien liebkost wirst, dann denk dir nichts dabei. Es ist ja nur ein Traum, der wahrscheinlich gar nichts zu bedeuten hat.

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