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Musik

Ganglians - 20% besser

3.8.10


Ganglians sind eine dieser Bands, wie es in L.A. zurzeit viele gibt. Also die Sorte, die das Erbe der Beach Boys plündert, sich mit psychoaktiven Substanzen und ein paar Schrottinstrumenten im Gepäck in irgendeinem Abrisshaus verschanzt, um sich dort den ganzen Tag auf orientalischen Teppichen zu wälzen und eine Renaissance psychedelischer Musik einzuläuten. Ganglians unterscheiden sich nur in der Hinsicht von dieser Bewegung, dass sie a) nicht aus L.A., sondern aus Sacramento kommen und b) viel besser sind als die meisten der Bands, die so ähnlich klingen wie sie selbst. Sie sind tatsächlich sehr gut, im Prinzip nur noch nicht so gut wie sie eigentlich sein könnten. Was das genau bedeutet, erklären sie gleich im Gespräch. Ganglians haben nach kleineren Releases u.a. auf Woodsist und Captured Tracks momentan ein Album namens „Monster Head Room" draußen und waren neulich in Berlin, um so gut wie nichts davon live vorzustellen. Sie haben lieber neue Stücke gespielt.

Vice: „Monster Head Room", wie? Wie groß ist euer Interesse an Monstern?

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Ryan: Ziemlich groß. Wir mögen die Monster von Hayao Miyazaki, diesem japanischen Manga-Künstler.
Adrian: Ja, wir stehen ziemlich auf Anime.
Ryan: Auf keinen Fall Krümelmonster. Ich weiß, man könnte den Eindruck gewinnen, wir sind total in diesem Monsterding drin, weil fast auf jedem Coverartwork oder T-Shirt-Design welche zu finden sind. Monster sind schon cool. Man kann sie auch einfach gut zeichnen.
Alex: Vergiss nicht die Sludge Monster.
Ryan: Ja, stimmt, wir machen viel mit Sludge Monstern, weil die Musik auch ein bisschen sludgy ist.
Alex: Seemonster sind auch nicht zu verachten.
Adrian: Es geht eigentlich um das innere Monster, das in jedem Monster steckt. Es ist so als würde man Monster als Adjektiv benutzen. Alles kann ein Monster sein, wenn es sich mit der Monstrosität verbindet.

Das klingt sehr philosophisch.

Adrian: Es ist ein Adjektiv.

Heißt das, dass ihr eure Artworks alle selber malt?

Ryan: Nein, unser Freund Tony hilft uns dabei. Wir sagen ihm, wie es ungefähr aussehen soll und er malt es. Er ist ein echt toller Künstler.
Alex: Er macht auch unsere ganzen T-Shirts. Zum Beispiel das, was wir gerade auf Tour haben. Es ist echt cool, dreifarbiger Siebdruck. Jedes sieht ein wenig anders aus. Wir haben aber nur noch Restbestände in großen Größen. Jeder will immer das kaufen, was wir als Ansichtsexemplar raushängen. Aber das verkaufen wir nicht, weil es das bestaussehende ist. Eigentlich dachte ich auch, dass die Leute auf V-Necks stehen. Es scheint eher so zu sein, dass es eine Anti-V-Neck-Bewegung gibt.

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Vermutlich haben die V-Necks einfach ihre Hochzeit überschritten.

Alex: Ich hatte gehofft, die Italiener würden noch welche tragen. Aber selbst die haben mit dem Thema abgeschlossen.
Ryan: Ich glaube, in Indien geht noch was.

Vielleicht sollte das eure Tourmission sein, herauszufinden, wo V-Necks noch funktionieren?

Ryan: Ja, lass uns das machen. Wir hätten das statistisch besser vorbereiten müssen. Ein gutes Drittel unserer Shirts waren V-Necks und die Leute kaufen sie ja dann doch, wenn wir sie unter Druck setzen und sie sehen, dass die anderen alle ausverkauft sind. Ich meine, die Designs sind ja auch echt cool. Sind halt V-Necks. Verdammte Ladenhüter.

Das neue Album klingt etwas introvertierter als die vorherigen kleineren Releases. Wohin wird es euch als nächstes verschlagen?

Ryan: Ich denke, es wird eine Zusammenführung von beidem. Auch wenn es scheinbar gerade jeder macht, wir werden mit den neuen Songs etwas düsterer. Und ich denke, wir werden versuchen, das nächste Album etwas epischer anzulegen. Ich denke, das aktuelle Album ist schon ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass das für alle die erste Band ist und wir unsere Instrumente noch nicht so lange spielen. Wir müssen einfach daran arbeiten, als Band weiter zusammenzufinden, unsere Seelen zu synchronisieren.
Kyle: Die neuen Songs sind echt großartig, ich bin echt begeistert!
Ryan: Wir spielen auch ein paar davon heute Abend, auch wenn es bislang eher Song-Skelette sind.

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Wenn du sagst, ihr müsst noch zusammen wachsen: Auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent - wo befindet ihr euch momentan?

Ryan: Na ich würde so sagen 80 Prozent.
Alex: Dein Ernst?
Ryan: Naja komm, es gibt einige Sachen, die wir noch lernen müssen.
Alex: Nee, ich meine, wir können noch viel weiter kommen als weitere zwanzig Prozent.
Ryan: Ach so, ja, wir glauben, the sky is the limit. Aber wahrscheinlich verbrennen wir, bis wir da hinkommen. Aber ich hoffe, wir schaffen es hoch in die Lüfte und spielen Musik im Himmel.
(Gelächter)
Ryan: Mit John Lennon und dem Rest der Beatles.

Also könnte das aktuelle Album also 20 Prozent besser sein?

Ryan: Ja, ich glaube schon. Unser Songwriting hat sich verbessert, wir gehen mit den Instrumenten besser um, haben bessere Ideen für die Instrumentierung.

Adrian, willst du dazu noch etwas sagen?

Adrian: Wie war die Frage? Wo gehen wir hin? Wo sind wir momentan? Wo wir momentan sind ist da, wo jeder andere auch gerade ist. Und zwar genau hier.
Kyle: Auch wenn es cheesy klingt, ich glaube, das neue Album wird einfach viel erwachsener klingen. Der Stil von „Monster Head Room" ist schon etwas amateurhaft. Wir haben oft nicht darauf geachtet, wie es klingt, weil so viel „Spaaaaaaß" hatten. Und ich denke, das nächste wird … also ich will nicht ernsthafter sagen …
Alex: Aggressiver.
Ryan: Relevanter.

Ihr kommt ja aus der Goldgräberstadt. Was würdet ihr heute, angesichts der Finanzkrise als gutes Investment empfehlen?

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Alex: Auf jeden Fall Kupfer. Kupfer ist das neue Gold.
Adrian: Obst.
Ryan: Ich denke Wasser, es ist die wichtigste Ressource.
Adrian: Aber das hilft uns ja bei der Finanzkrise nicht weiter. Ich würde in Batterien investieren. Die sind schon sehr teuer, werden aber immer teurer. Und wenn irgendwann mal die Stromversorgung zusammen bricht, brauchst du Batterien. Batterien, absolut.

Ihr habt einen Song namens Voodoo. Habt ihr Voodoo jemals ausprobiert?

Alex: Wir haben Voodoo-Puppen angefertigt.
Ryan: Ja, ich habe auch Voodoo-Puppen. Aber ich habe den Song eher im Hinblick auf Religionen geschrieben. So von wegen, es ist doch alles nur Voodoo-Zauber. Der Mystizismus und so. Aber ich hab's probiert. Jemand hat mir mal so eine Touristen-Voodoo-Puppe von einer Reise mitgebracht.
Alex: Ja, das war Danielle, sie hat dir eine aus Südamerika mitgebracht.
Ryan: Stimmt. Aus Puerto Rico. Aber irgendwie hat es nicht funktioniert.

Was ist euer Lieblingsplanet im Sonnensystem?

Ryan: Ich lese viel Robert Anton Wilson und mich fasziniert, dass bestimmte Naturvölker schon bestimmte Sternengruppen kannten, Jahrhunderte bevor westliche Wissenschafter sie entdeckten. In unserem Sonnensystem wäre es Mars. Wegen der bedrohlichen roten Farbe. Ich bin mir sicher, dass es dort auch Leben gibt. Sie haben ja Wasser auf dem Mars gefunden.

Alex: Sie haben auch auf dem Mond Wasser gefunden.
Adrian: Ja, im Schatten.

Ganglians Monster Head Room ist bei Weird Forest/Souterrain Transmissions erschienen.

Foto von Christoph Voy