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Bundestagswahl 2013

Übrigens, diese Parteien kann man auch wählen

Habt ihr euch mal gefragt, für was die ganzen kleinen Parteien am unteren Ende des Wahlzettels stehen?
12.9.13

Während CDU und SPD am liebsten einfach auf Machterhalt spielen und sich ein paar Prozentpunkte hin- und herschieben, geht es unterhalb der 5%-Hürde um die blanke Existenz. Wenn du dich mal gefragt hast, wer eigentlich die ganzen Parteien am unteren Ende deiner Wahlliste ist—insgesamt treten nämlich tatsächlich 34 Parteien bei der Bundestagswahl an—, dann haben wir für dich die skurrilsten unter ihnen zusammengesucht:

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Die NEIN!-Partei

Wie der Name schon sagt, sagen sie zu allem NEIN. Schlauerweise wollen sie so die Nicht-Wähler anlocken—und das sind nicht gerade wenige. Knapp 40% der Wähler blieben der letzten Bundestagswahl 2009 fern. Die Partei sagt über sich selbst, dass „die NEIN!-Idee jedem Menschen das Recht zum ,NEIN‘ sagen [zuspricht], ohne dabei nach dem Grund zu fragen.“ Die Partei hat keine Ideologie und auch keine Inhalte, sondern ist einfach nur gegen alles, was auch immer gerade beschlossen wird. Sollte sie ins Parlament gewählt werden, will sie konsequent keine Entscheidungen mittragen und gegen alles Stimmen, was vorgeschlagen wird. Falls die Regierung dadurch handlungsunfähig wird, so muss laut NEIN!-Partei neugewählt werden und die Parteien müssen ihr Angebot neu überdenken. Wenn du also Nicht-Wähler bist, dann ist das hier deine Partei—vorausgesetzt natürlich, dass du als Nicht-Wähler das machst, was du sonst nicht tust, nämlich wählen gehen.

Die Rechte

So beschreibt die Partei sich selbst: „Dass deutsche Politik in Deutschland endlich wieder gemäß der Vorschrift des Grundgesetzes betrieben wird, ist das Hauptziel unserer Partei.“Vor allem die Sprache ist ihnen wichtig. Zum Schutz der Deutschen Kultur warnen sie gleich im ersten Programmpunkt, dass wir von Anglizismen bedroht werden. „Dies kann nicht nur zu Kommunikationsstörungen führen sondern bewirkt vor allem ein Verkümmern unserer Muttersprache.“ (Ich Schlaumeier finde hier sogar gleich einen Kommafehler. Das sei nur mal kurz angemerkt. Wo wir schon einmal beim Verkümmern der Sprache sind.)

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Durchsetzen will die Rechte das mit der Gründung „einer Akademie zum Schutz der deutschen Sprache […], welche neue Worte eindeutscht und bereits verdrängte wiederbelebt.“ Auch will die Partei ein generelles Werbeverbot in ausländischer Sprache, und neue Rechtschreibreformen sollen nur noch mit Volksabstimmungen zu legitimieren sein.

Partei Bibeltreuer Christen 

„So wollen wir im Gehorsam zu Gott, im Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn, und in lebendiger Verbindung mit Seiner Gemeinde die Kräfte des Evangeliums wirksam werden lassen für das gesamte öffentliche Leben unseres Volkes“—so steht es im offiziellen Programm. Die Partei will uns alle öfter in die Kirche schicken. Mit christlichen Werten wird schon alles in Ordnung kommen. Im Spannungsverhältnis zwischen „der bestehenden Macht der Finsternis und dem Reich Gottes“ stellt sich die Partei natürlich auf Gottes Seite. Wer raus will aus der Finsternis, sollte aber beachten, dass die Partei dies nicht etwa durch „die Förderung der menschlichen Glückseligkeit“ oder etwa durch „die Schaffung des ewigen Friedens, oder durch größtmögliche Steigerung der Produktion“ erreichen will. Das höchste und letzte Ziel der PBC ist nämlich zusammengefasst mit der Bitte: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe… auch auf Erden.“ Gott wird's scho' richten, würden die Bayern sagen, wobei wir bei den Nächsten wären.

BP- Bayernpartei

Besonders beliebt im Rest von Deutschland ist natürlich die Bayernpartei. „Bayern ist der älteste Staat des deutschen Sprachgebietes und einer der ältesten Staaten Europas“, heißt es auf der Internetseite der BP. Das bayerische Volk hat deshalb Grund genug, dem Rest von Deutschland zu sagen, was Sache ist. Oder noch besser, sie wollen unabhängig vom Rest von Deutschland sein. Die BP will nämlich einen eigenständigen Staat. (Vielleicht sollten die mal die Germaniten kennenlernen und sich austauschen—ich sehe da Parallelen) Um darauf aufmerksam zu machen, dass Berlin immer mehr die Rechte bayrischer Bürger beschneidet, hat die Partei abstruse Wahlplakate überall in Bayern aufhängen lassen. Vor allem fielen sie mit dem genialen Vorschlag auf, die Kriminalität verbieten zu wollen: „Unser Plakat ,Kriminalität verbieten‘ ist eine Parodie auf die Forderungen vieler anderer Parteien, die häufig so tun, als könnte man die Kriminalität mit strengeren Gesetzen abschaffen.“ Da haben sie recht, Kriminalität lässt sich einfach nicht verbieten, schon gar nicht mit Gesetzen.

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Die APPD - Anarchistische Pogopartei Deutschlands

Die Partei tritt „seit 1981 für eine lustvolle Umgestaltung der Gesellschaft ein.“ Leider ist sie bei dieser Bundestagswahl nicht dabei (Der Bundeswahlausschuss vereitelte ihre Teilnahme). Aber die Anarchisten lassen sich dadurch nicht unterkriegen und versprechen, den Untergrund aufzumischen. Die Forderungen der Partei sind das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich, die Balkanisierung Deutschlands in den Grenzen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen von 1237 und die totale Rückverdummung der Menschheit! Ihr Wahlvideo spricht Bände. Aber eigentlich verdient die Partei unser Kreuzchen, denn auf ihrer Website schreibt sie: „Wähle zur Bundestagswahl 2013 die APPD. Einfach APPD drauf schreiben und ankreuzen - fertig!“

Bündnis 21/RRP

Das Bündnis 21 spricht von sich selbst als Generationenpartei, also eine Partei, die alle Altersschichten ansprechen soll. Doch das RRP im Namen steht für Rentnerinnen- und Rentner-Partei. Deshalb ist die Rente auch gleich der erste Punkt nach dem Vorwort im Wahlprogramm der Partei. Eine konkrete Forderung aus dem Programm ist beispielsweise eine „garantierte Mindestrente von 1000 Euro“. Damit das auch funktionieren kann, braucht es aber auch heile Familien mit vielen Kindern, die anschließend ins Rentensystem einzahlen. Wie eine solche Familie aussehen kann, zeigt uns die Partei selbst in ihrem Wahlwerbespot. Alle ziehen an einem Strang. Die Familie sitzt gemeinsam an einem Tisch und führt gerade ihr alltägliches Gespräch über Rentner in Deutschland. Wer tut das nicht? Zwischen den Familienszenen listet ein Erzähler mit kratzender Reibeisenstimme die Programmpunkte auf. Der Unterhaltungswert seiner Aussprache wird nur noch durch das bescheidene Schauspieltalent der Darsteller übertroffen. „Schaut … euch das … mal an.“

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In Zusammenarbeit mit Daniel Blum. 

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