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Reisen

Der Schrotthändler mit Goldkettchen

Wer aus Thailand ein originelleres Souvenir als eine gefälschte Ray-Ban mitbringen will, besucht die Werkstatt von Mister Santo auf Koh Samui. Aus alten Mopeds basteln junge Männer in Tarnjacken meterhohe Schrottmonster.
3.1.11

Wer aus Thailand ein originelleres Souvenir als eine gefälschte Ray-Ban mitbringen will, besucht die Werkstatt von Mister Santo auf Koh Samui. Hier wird das Gegenteil des Gartenzwergs zusammengelötet. Aus alten Mopeds basteln junge Männer in Tarnjacken meterhohe Schrottmonster.

Das Unternehmen von Mister Santo heißt Samui Robots. Der Geschäftsführer sieht auf den ersten Blick nicht aus wie der Herrscher der Eisenkreaturen. Mit seinem blasspinken Polohemd, dem Scheitel, der Brille und dem Goldkettchen würde man den 54-Jährigen eher im Gartenzwerg-Geschäft vermuten. Mister Santo ist aber ein kluger Mann. Er weiß, dass Touristen in der Ferne das Ausgefallene suchen. Und bei ihm finden sie es.

Er hat zwei Läden auf Samui, einer davon liegt direkt neben der Ausfahrt des Flughafens. Sprichwörtlich jeder Inselbesucher, der mit dem Flieger anreist, kommt nach der Landung als erstes an Mister Santos Robotern vorbei. Vor dem Laden grüßt eine über zwei Meter große Kreatur, sie hat einen langen Schweif und streckt die Krallen nach den Ankömmlingen aus.

Wer die „Alien“-Filme kennt, hat diese Kreatur schon mal gesehen. Die Wesen mit den Skihelm-Köpfen entstammen der Phantasie und Handwerkskunst des Schweizer Bildhauers H. R. Giger. „Letzte Woche war ein Giger-Fan hier“, sagt Mister Santo. Er habe vier der Alien-Samui-Roboter gekauft und in die Schweiz schicken lassen.

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In den beiden Läden von Mister Santo warten noch mehr Kinohelden. Die Androiden C3PO und R2D2 aus Krieg der Sterne zum Beispiel, oder Batman. Die meisten Skulpturen überragen die Besucher. Kleinere Figuren stehen in den Regalen Spalier, es gibt ein Schachspiel mit den Charakteren aus den Simpsons und Möbel, die es nicht ins Ikea-Haus schaffen würden: Ein Glastisch, dessen Platte auf dem Rücken eines Ungetüms ruht. Runde Hocker mit schwarzen Eisenspinnen an der Seite. Mister Santo erfüllt auch spezielle Kundenwünsche. Wenn Du eine fünf Meter große Skulptur von Dir in Feldherrenpose samt Pferd willst: kein Problem.

Ein Samui Robot kostet je nach Größe zwischen 500 und 2000 Euro. Hinzu kommen die Kosten fürs Verschiffen, rund 400 Euro.

Die Werkstatt, in denen die Roboter fabriziert werden, liegt direkt neben Mister Santos zweitem Geschäft, einen Kilometer vom Flughafen entfernt. Ein düsteres Loch. Im vorderen Bereich hämmern und löten drei Männer an neuen Robotern. Zwei von ihnen haben Tarnjacken an, bei der Arbeit tragen sie einen bunten Kopfschutz mit drei kleinen Schlitzen für Nase und Augen. Zum Schweißen haben sie gefälschte Gucci-Brillen aufgesetzt.

Neben ihren niedrigen Hockern kleine Haufen von Schrott: Nägel, Schrauben, Späne, Stäbe, Kugeln und Ketten. In einer Kiste liegt ein Arm. „Insgesamt habe ich zehn Angestellte in der Fabrik“, sagt Mister Santo. Er deutet auf eine Tarnjacke: „Das ist Somsak, und das hier…“, er zeigt auf die andere Tarnjacke, „… seine Name fällt mir gerade nicht ein.“ Eine Dame, sehr hübsch und etwas jünger als Mister Santo, stolziert in die Werkstatt. „Das ist meine Frau“, sagt er. Die Gattin ist über meinen Besuch nicht erfreut. Es entsteht eine kleine Diskussion zwischen den Santos. Misses Santo hält mich für einen Spion.

Als Mister Santo die Lage erklärt hat, setzt seine Frau ein Lächeln auf. „Entschuldigen Sie“, sagt sie, „aber wir haben oft Probleme mit Leuten, die unsere Produkte kopieren“. „China“, raunt ihr Mann und verdreht die Augen. Dann führt er mich ins Hintere der Werkstatt. Dort türmt sich ein Berg Alteisen.

Mister Santo sagt, dass er monatlich rund zehn Tonnen Schrott kaufe. „Was wir hier machen, nennt sich Recycling-Kunst“, sagt er. Für das Durchschnitts-Alien werden 250 Kilogramm Blechmüll recycelt. Die meisten der ausrangierten Teile stammen von alten Motorradrollern.

„Die Roller in Thailand sind nicht für die schweren Touristen gebaut, deswegen gehen auf Samui so viele davon kaputt“, erklärt Mister Santo. Die von Deutschen, Engländern, Franzosen und Schweizern zu Grunde gefahrenen Mopeds landen in der Werkstatt von Samui Robots, werden als Recycling-Kunstwerk neu zusammengesetzt, ausgestellt, verkauft und den Europäern in die Heimat hinterher geschickt. Ein perfekter Kreislauf und ein gutes Geschäft. Das muss ein Gartenzwerg erst mal nachmachen.