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Russlands Skinhead Schläger-Literaten

In Russland hast du die Wahl: Liebe Puschkin oder werde zusammengeschlagen.
1.7.11

In einem Raum, in dem es nach Fisch, abgestandenem Bier und Pfeifentabak stinkt, haben sich Männer aus den ärmlichen Außenbezirken von St. Petersburg in Russland, um einen Fernseher versammelt. Sie schauen gespannt zu, wie ein Schauspieler in Hemd und Mantel Leute mit einem Stock auf den Kopf schlägt, eine Szene, die sie schon dutzende Male gesehen haben. Der 1990 veröffentlichte Film ist Yuri Marmins Bakenbardy (Backenbart). Er handelt von zwei rivalisierenden Teenagergangs - die eine wird von Zerstörung und Chaos, die andere von Bodybuilding und Selbstgefälligkeit angetrieben - und einer kleineren Gruppe, dem Puschkin Club. Die Mitglieder dieser fiktiven Organisation sind Anhänger von Alexander Puschkin, einem russischen Poeten und Autor des 19. Jahrhunderts. Sie sind als „Puschkinisten" bekannt, weil ihre fragwürdige Ethik angeblich von den Schriften des Dichterfürsten beeinflusst ist. Mamins Film hat eine echte Subkultur junger Russen hervorgebracht, die sich Puschkin widmen.

Ist er ein Fan von South Park oder toten amerikanischen Kindern?

Aber während sich die Puschkinisten aus Bakenbardy wie die Dandys des 19. Jahrhunderts anziehen, ziehen ihre realen Gegenstücke enge weiße Tanktops, dicke Muskeln und Tattoos vor. Ihr Stil ist eine veränderter Ansatz von Lyubery, einer nationalistischen Jugendbewegung, die in dem Moskauer Vorort Lyubertsy in den 70ern begann und im nächsten Jahrzehnt an Popularität gewann, bevor sie versandete. Auch wenn die Puschkinisten die Ästhetik von Lyubery übernommen haben, unterscheidet sich ihre Ideologie.

„Die wichtigste Sache ist, was du in dir hast, gleich darauf, was auf dir geschrieben ist," sagt ein Mitglied, das nicht genannt werden will. Er und seine Kollegen verdrehen ihre Arme und ziehen die Shirts hoch, um mir ihre nahezu identischen Tattoos von Puschkin zu zeigen. Abgesehen davon, dass sie sein Gesicht überall auf ihre Körper gestanzt haben, rezitieren sie ständig Puschkins Gedichte und prügeln dich grün und blau, wenn du den großen Denker nicht angemessen respektierst.

In Bakenbardy bekriegen sich Puschkinisten mit der Cappella, einer rivalisierenden Gang von jungen Punks, die Wollust und moralischen Verfall predigen. Die heutigen Puschkinisten sind ähnlich angewidert von westlichen Subkulturen - von Punks über Cowboys hinzu Fans von schwuler Diskomusik - und schlagen gerne mal zu, wenn sie ihre Werte gefährdet sehen.

„Zar Peter der Große hat das Fenster nach Europa geöffnet, um ihnen den Mittelfinger zu zeigen, nicht, um ihnen zu folgen," sagt Pavlik und zieht an seiner Pfeife. Er ist hiesiger Puschknist. „Die Verehrung des Westens ist Konformismus." Pavlik belehrt die örtliche Jugend regelmäßig über Russlands glorreiche Geschichte - mit besonderem Augenmerk auf seinem Lieblingsautor. Seine pädagogische Vorgehensweise ist einfach: Liebe Puschkin oder werde zusammengeschlagen.

„Manche Menschen sagen, dass wir Nationalisten sind, aber das stimmt nicht," sagt Pavlik. „Wir denken nur, dass Russen keine Deutschen, Engländer oder sonst irgendwen mögen sollen. Man soll seine Herkunft wertschätzen. Skinheads glauben an nichts! Und Hipster? Wir bringen denen schon bei, Russland zu lieben!"