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Harry Main hat sich den Sack aufgerissen

Der 22-jährige Extrem-BMXer Harry Main aus Liverpool gewährt uns eine Audienz und erklärt, warum sein Leben so fantastisch ist.
1.8.12

Der 22-jährige Extrem-BMXer Harry Main aus Liverpool gewährt uns Audienz und erklärt, warum sein Leben so fantastisch ist—und deines so beschissen, weil du immer noch denkst Fixie fahren sei viel geiler. Ist es nicht. Deshalb erklärt uns Harry jetzt, was seine schlimmsten Unfälle, seine blutigsten Stunts, krassesten Abstürze und besten Highs waren. Und wo es die heißesten Frauen gibt. Vorher kann noch erwähnt werden, dass Harry mit acht Jahren sein erstes eigenes Bike gebaut hat, immer noch in Liverpool lebt—was er für die beste Stadt der Welt hält—und nie in einer Bank arbeiten will. Deswegen hat er sich auch seinen Hals tätowieren lassen. Fand seine Mutter nicht so toll. VICE: Wie ist dein Leben so? Ziemlich fantastisch?
Harry Main: Ja, total! An jedem Tag kommt irgendwann der Moment, in dem ich mir denke: „Verdammt, ist das geil!“ Ich fahre jeden Tag, treffe Leute, hänge mit den Kids rum. Es ist immer noch mein Hobby. Ich sehe das nicht als meinen Job oder etwas, das ich tun muss. Besser könnte mein Leben nicht sein. Was bringt dich dazu, die Grenzen von BMX aufheben zu wollen?
Konstanter Drang zum Fortschritt. Zum Grenzüberschreiten. Das ist einfach in mir. Ich will immer etwas Neues ausprobieren. Ich langweile mich eben schnell. Vielleicht ist das ein erstes Anzeichen, dass ich geisteskrank bin. Ich hasse es einfach, wenn immer das Gleiche passiert. Deswegen muss ich Sachen verändern und habe permanent neue Ideen. Hast du keine Angst vor Verletzungen oder sogar davor, im Rollstuhl zu landen?
Na klar habe ich das. Aber wenn ich Risiken auf mich nehme, dann genieße ich das Ergebnis viel mehr. BMX ist eben ein Action-Sport. Du wirst dich verletzen. Egal, wie du fährst. Mir macht das nichts. Jedes Mal, wenn ich mich verletze, denke ich mir: „Ja, das ist es wert!“ Gute Einstellung. Was ist denn die nächste Stufe? Was möchtest du als nächstes erreichen, das heute noch als unmöglich gilt?
Das ist mein großes Ziel: Das Undenkbare schaffen. Das treibt mich an. Auch dass ich damit die Kids motivieren kann. Ich will den Jungen dieses Pioniergefühl vermitteln, wie es ist, etwas zu erreichen, was vorher jeder für unmöglich hielt. Ich will der fortschrittlichste Fahrer der Welt sein, und jeden Tag besser sein als am Tag zuvor. Ich sehe das wie ein Videospiel: Wenn du Level 1 durch hast, willst du Level 2 auch schaffen. Und so weiter. Welche Stunts, die vorher als unmöglich galten, hast du geschafft?
Ich habe z.B. den Bunny Hop Flair erfunden. Im Grunde ist das ein Backflip 180. Nur hat vor mir dazu jeder eine Ramp gebraucht. Ich habe das mit einem Bunny Hop verbunden und mache das jetzt ohne Ramp. Das ist ein Riesending geworden und dafür bin ich ziemlich bekannt.

Du hast dich doch bestimmt schon oft so richtig verletzt. Wie oft hast du dir deine Knochen schon gebrochen? Hast du irgendwelche langfristigen Schäden?
2009 habe ich mir mein linkes Bein gebrochen. Meinen rechten Knöchel schon öfter. Einmal war es ziemlich heftig. Der Arzt meinte, ich könne nie wieder fahren. Handgelenk natürlich auch. Finger, Hand und so weiter. Außerdem bin ich auf dem linken Ohr fast taub, weil ich mit meinem Kopf zu oft zu hart aufgeschlagen bin. Autsch.
Und ich habe mir meinen Sack aufgerissen. Was?!
Ja! Ich habe meine eigenen Eier gesehen. Kannst du noch Kinder kriegen?
Ja, sicher. Warum nicht? Die funktionieren noch perfekt, soweit ich das beurteilen kann. Meine nächste Frage wäre gewesen, ob du jemals deine eigenen Knochen gesehen hast. Aber die eigenen Hoden zu sehen, toppt das natürlich. Was war denn der schlimmste Unfall eines anderen Fahrers, den du jemals miterlebt hast?
Der schlimmste Unfall war der von Stephen Murray. Er hat einen Doppelbackflip auf einer Dirt Ramp gemacht. Er ist vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Scheiße.
Ja. Aber er hat seine eigene Firma aufgezogen, „Stay Strong“. Er hilft damit anderen Leuten, die in der gleichen oder einer ähnlichen Situation sind. Egal, was du gerade durchmachst, Stephens Einstellung ist, immer stark zu bleiben. Es ist traurig, dass ihn ausgerechnet BMX-Fahren zu dem gemacht hat, was er heute ist. Und das ist beängstigend. Es macht mich eigentlich sprachlos. Was mir einfällt ist „live to ride“. Er ist ein starker Mensch und motiviert mich sehr. Gerade wegen so etwas: Würdest du oder bist du jemals gefahren, als du high oder dicht warst?
Nein, das mag ich nicht. Ich kenne viele Fahrer, die das machen und denen das taugt. Aber für mich ist das nichts. Ich denke viel nach, wenn ich fahre. Ich bin auf dem Bike hoch konzentriert.   Wie ist denn die internationale BMX-Szene?
Es kann schon sehr cliquenmäßig sein. Aber andererseits hängen alle zusammen rum, wenn ein internationales Event ist. Obwohl du sie vielleicht noch gar nicht kennst. Die FISE in Montpellier ist dabei das beste Beispiel. Da siehst du die Leidenschaft der Fahrer und warum sie das alle machen. Es ist magisch—klingt behindert, ist aber so. Alle freuen sich, ein Teil davon zu sein. Gibt es einen Unterschied zwischen der deutschen und der englischen Szene?
Die Deutschen haben nicht den besten Fahrer der Welt. Haha. Also dich?
Ja! Hahaha. Ne, das meine ich nicht ernst. Jeder fährt aus den gleichen Gründen, hoffe ich. Ein Unterschied ist, dass in Deutschland viel mehr Flatland gefahren wird. Der Lifestyle ist aber in Deutschland ziemlich gut, finde ich. Alle kennen sich und hängen zusammen rum. Das würde ich mir für Liverpool wünschen, dass sich die Leute öfter treffen. Wie sind die Partys?
Die After-Partys der Contests sind meistens gut. Die After-Party der BMX Worlds war ziemlich gut. Samstagabend. Es geriet total außer Kontrolle. Leute wurden rausgeschmissen, Autos umgeworfen. Auch in Amerika ist es ziemlich gut. Heiße Mädchen, viel Alkohol. Die besten Frauen?
Ich mag die deutschen Frauen—deutsche Blondinen. Und Australierinnen. Definitiv. Was hält deine Oma von deinen Tattoos?
Keine Ahnung. Ich glaube, die hat sie noch gar nicht bemerkt. Was ja gar nicht so leicht ist.
Hahaha. Ja. Meine Mutter fand es nicht so super, als ich mir meinen Hals habe zustechen lassen. Aber was will sie machen? Sie unterstützt mich sonst schon bei allem. Ich kann mit den Konsequenzen umgehen—egal, was ich tue. Ich werde außerdem, solange ich kann, fahren und danach weiter in dem Business arbeiten. Das sollte also kein Problem sein. Was war der beschissenste Contest, bei dem du mitgefahren bist?
Eigentlich ist jeder, bei dem es regnet, scheiße. Wenn es einfach nicht aufhört. Und du stehst da in der unbequemsten Kleidung, die es gibt, und dein Blut zirkuliert nicht mehr richtig. Wenn du dann mal zum Fahren kommst: Was ist dein Lieblingsstunt? 1080?
Absolut. Und nichts anderes. Er sieht einfach cool aus. Stimmt es, dass du einmal bei einem Contest geweint hast, weil du den 1080 nicht gestanden bist?
Nein, das ist Schwachsinn. Aber Leute werden immer lächerliche Sachen sagen und ich mich über die schlechte Publicity freuen.