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Winter ist für mich der allergrößte Scheiß

Der Winter ist ein Arschloch, das unser Leben zerstört. Findet euch damit ab.

von Verena Bogner
09 Dezember 2015, 5:00am

Titelbild: David Joyce via flickr

Ich hasse den Winter. Ich hasse alles, was er mit sich bringt, und vor allem das, was er aus uns Menschen macht. Er macht uns zu durchgefrorenen, müden, depressiven, in lächerliche Jacken eingepackten Individuen, die sich im schlimmsten Fall nun entweder monatelang aus ihrem sozialen Leben zurückziehen und zu Hause unter sieben Decken einmümmeln oder so tun, als wäre der Winter auch nur annähernd toll, und sich irgendwelchen absurden, winterlichen Aktivitäten wie Eislaufen hingeben.

Im Sommer hingegen ist alles besser. Es ist wohlig warm, man kann seine Freizeit schönen Dingen widmen und länger als eine Stunde pro Tag im Freien verbringen, ohne danach zwei Wochen lang erkältet zu sein, und vor allem sind die Tage länger. Mir ist völlig egal, wie oft mein Arsch im Sommer an vollgeschwitzten U-Bahn-Sitzen klebt oder wie viele Sonnenbrände ich auf meinen Ohrläppchen bekomme—der Sommer wird immer besser sein als dieser beschissene Winter. Wer noch immer daran zweifelt, dass der Winter ein Arschloch ist, möge sich die folgenden Punkte durchlesen.

Die Freizeit

Sofern du kein hoffnungsloser Wintersport-Enthusiast bist, wird der Winter deine Freizeitgestaltung nachhaltig beeinflussen (und zwar nicht auf die positive Art und Weise) und vor allem erheblich erschweren. Ein paar der Fernsehsender, auf deren Nachmittags- und Abendprogramm aus leicht verdaulichen Serien und Spielfilmen man sich eigentlich verlassen kann, bringen schon jetzt nur noch Skifahren, Skispringen, und was man sonst noch in einem windschnittigen, vollgebrandeten Anzug auf zwei Brettern machen kann. Aber nicht nur die TV-Welt wird vom Winter vereinnahmt, sondern auch sämtliche anderen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten.

Während man im Sommer an allen möglichen öffentlichen Plätzen abhängen und das Leben super finden kann, kann man im Winter eigentlich nirgends hingehen, ohne zu erfrieren oder vom Vorweihnachtswahnsinn erschlagen zu werden. Dieser scheiß Winter und seine Geister verfolgen dich, wohin du auch immer gehen magst. Sei es in Form von Weihnachtsliedern, Weihnachtsmärkten oder dem ewig gleichen Weihnachtsfernsehprogramm. Solltest du trotzdem aus irgendeinem mysteriösen Grund noch Motivation haben, Dinge zu unternehmen, wird dieser Antrieb sehr schnell von der Kälte, dem Schnee und der Finsternis zunichte gemacht. Und jetzt versuch, nicht depressiv zu werden. Viel Glück dabei.

Die Liebe

Der Winter ist die Jahreszeit, in der man kuscheln, in der Wohnung bleiben und ein bisschen dick werden sollte. Und weil das alles lustiger ist, wenn man es zu zweit macht, suchen sich viele Menschen noch rechtzeitig zu Winterbeginn einen Partner, mit dem sie die nächsten Monate unter der Decke, auf den Einkaufsstraßen und Weihnachtsmärkten verbringen können. Kurz gesagt: Die Invasion der Winter-Pärchen hat längst begonnen und allen, die sich einreden, dass ein Single-Winter doch auch ganz toll sein kann, wird nicht einmal annähernd subtil der weihnachtlichste aller Gedanken eingepflanzt, nämlich, dass es ganz und gar nicht OK ist, den Winter ohne eine bessere Hälfte zu verbringen.

Als Single fühlt man sich in der Weihnachtszeit permanent ein bisschen schlecht und traurig. Man hat niemanden, der einem einen Adventskalender bastelt, der Kekse backt oder mit dem man sich über die neue Weihnachtsdeko freuen kann. Man hat aber auch niemanden, der einem auf den Sack geht. Ich für meinen Teil werde jedenfalls auch während der Weihnachtszeit glücklich und zufrieden mit meinem Kissen in Form des Poop-Emojis kuscheln. Bei dem weiß ich zumindest, dass es für immer (also so lange, bis es kaputt ist) bei mir bleiben wird.

Party

Auch das mit dem Feiern kann im Winter ziemlich nervtötend sein. Das erste Problem ist der Weg. Es ist eiskalt, man muss durch die halbe Stadt gehen, fahren und auf diverse Öffis warten und wenn man Pech hat, schneit es auch noch. Wenn man dann angekommen ist, sind Körperwärme und Motivation irgendwo zwischen Schneematsch und den 19 Minuten Wartezeit auf die Bahn/den Bus zurück geblieben. Ich bin mir übrigens immer noch sicher, dass Xavier Naidoo in „Dieser Weg" vom nächtlichen Weg zum Club im Winter singt.

Das nächste Problem: Die Kleidung. In Clubs und anderen Lokalen ist es üblicherweise warm bis stickig und heiß und draußen ist es logischerweise eisig kalt. Da aber jeder, der schon einmal ein mehrteiliges Outfit an einer Club-Garderobe abgegeben hat, weiß, dass man in 90 Prozent der Fälle immer nur die Jacke zurückbekommt, weil die Weste, der Schal und der Pulli „vom Kleiderhaken gerutscht sind", kann man sich das mit dem Abgeben lieber gleich sparen. Also lässt jeder, der seine verschollenen Kleidungsstücke nicht drei Tage später aus dem Lost & Found eines ranzigen Clubs abholen möchte, die Sachen gleich daheim und belässt es bei Winterjacke und T-Shirt—was den im Winter ohnehin schon verhältnismäßig beschissenen Weg in den Club noch ein bisschen schlimmer macht.

Das Wetter

Mit der Tatsache, dass es im Winter kalt ist, hatte ich mich eigentlich schon abgefunden—bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich vom Land, wo man überall mit dem Auto hinfährt und direkt von einem warmen Ort zum anderen kommt, nach Wien gezogen bin. Generell hat Wien meinen Winter-Hass noch einmal um ein Vielfaches verstärkt. Denn als wäre die Kälte im Winter nicht allein schon schlimm genug, bestraft uns Wien mit dem ultimativen Wechselbad der Temperaturen (und „Bad" ist hier wörtlich zu nehmen, denn das tue ich jeden Morgen in der Straßenbahn in meinem Schweiß: baden).

Wenn man in Wien durch Sturm, Wind und eisige Kälte stapft, hilft nur noch eines: sich vermummen, den Schal über die Nase ziehen und resignieren. Betritt man dann in dieser Montur jedoch das heiß ersehnte öffentliche Verkehrsmittel oder ein Geschäft, wird die Kälte innerhalb von Sekunden zur Hitze—und wenn man besonders viel Pech hat, ist in der Bahn nur noch ein Platz frei: Der über der Heizung. Es hilft auch nichts, sich sofort alle möglichen Lagen vom Körper zu reißen, denn aus diesen rollenden Backöfen gibt es zumindest bis zur Ziel-Station keinen Ausweg mehr und die Frisur ist schon nach dem 15-minütigen Weg in die Arbeit zerstört und die Klamotten durchgeschwitzt.

Außerdem dauern im Winter die Tage gefühlte zehn Minuten. Wenn man Pech hat, verlässt man das Haus, wenn es noch dunkel ist und kommt erst dann wieder zurück, wenn es schon wieder stockfinster ist. Man hat um fünf am Nachmittag schon das Gefühl, der Tag sei vorbei und es sei völlig legitim, sich auf die Couch zu legen und faul zu sein, denn schließlich ist es ja schon Nacht. Irgendwie ist das aber auch das einzig Gute am Winter: Er legitimiert das Nichtstun.

Verena hasst auch auf Twitter den Winter: @verenabgnr


Titelbild: David Joyce | Flickr | CC BY-SA 2.0