Cash for Kim: Warum sich nordkoreanische Zwangsarbeiter in Polen zu Tode schuften können

VICE hat mit nordkoreanischen Zwangsarbeitern in Polen gesprochen und herausgefunden, wer alles wie von deren Ausbeutung profitiert.

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Mai 20 2016, 4:00am

„Cash for Kim" wurde bei den Webby Awards 2017 in der Kategorie News & Politics: Individual Episode als Webby Awards Honoree ausgezeichnet.

Ausgehend von einem VICE vorliegenden Unfallbericht zum Tod eines nordkoreanischen Schweißers in der CRIST-Werft in Gdingen 2014, haben VICE-Filmemacher Sebastian Weis und Manuel Freundt herausgefunden, für welche Unternehmen Nordkoreaner in Polen arbeiten, wie hoch die Löhne sind, welche die Arbeiter, augenscheinlich zum größten Teil nicht behalten können, und wer bewusst oder unwissentlich von Nordkorea über norwegische, dänische und britische Auftraggeber— deren Arbeits- und Lohnsituation profitiert.

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Weis und Freundt haben dafür auch mit jenen nordkoreanischen Arbeitern sprechen können, die abgeschirmt, überwacht und wohl aus Angst vor Strafe eigentlich niemandem Auskunft darüber geben, unter welchen Bedingungen sie in Polen leben und arbeiten.

Im Abgleich mit vertraulichen Unterlagen, die VICE vorliegen, darunter Werkverträge, Auszahlungsbelege, Personenverzeichnisse, Passkopien und Auszüge eines aus Nordkorea herausgeschmuggelten Melderegisters, das die Leitung eines polnischen Unternehmens durch ein hochrangiges Mitglied des nordkoreanischen Militärs vermuten lässt, entwirrt der Film ein Geflecht aus organisierter Ausbeutung, bürokratischem Chaos, behördlichem Desinteresse, politischer Ignoranz bis hin zur EU-Kommission und Arbeitskonditionen, die nicht zuletzt nach der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Internationalen Arbeitsorganisation Zwangsarbeit genannt werden müssen.

Die Dokumentation nötigt einem dabei die Frage auf, ab wann man die Existenz nordkoreanischer Zwangsarbeiter in Polen nicht einfach für einen bürokratischen Systemfehler, sondern für Wirtschaftspolitik durch unterlassene Hilfeleistung halten kann—die nicht nur europäischen Unternehmen zu Gute kommt, sondern der Kim-Diktatur an den internationalen Sanktionen vorbei ermöglicht, Devisen nach Nordkorea zu schaffen.

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