Eine Matratze in einem Schrank unter einer Treppe – für nur 760 Euro im Monat

Für umgerechnet 760 Euro im Monat kannst du jeden Harry-Potter-LARPer vor Neid erblassen lassen.

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30 September 2015, 2:05pm

Ernsthaft. Foto via Alex Lomax

Um was geht es hier? Ein Bett unter einer Treppe, obwohl „Bett", wenn wir ehrlich sind, schon eine großzügige Beschreibung ist, denn es hat keinen Rahmen und ich bin mir auch nicht sicher, ob es überhaupt offiziell eine Matratze hat. Es könnte sehr gut sein, dass es sich einfach um zwei große Sofakissen mit einem Laken drüber handelt.
Wo befindet sich das Ganze? In Clapham, Londons Klein-Australien.
Was kann man dort so machen? Ich schätze, um einen schnellen, gnädigen Tod beten.
OK, und wie viel kostet mich das? 500 Pfund im Monat, plus 60 Pfund Nebenkosten! Also etwa 760 Euro!

Exklusive Bilder auf VICE.com von Saddam Husseins Verste—halt, warte, nein, das hier ist eine „Wohnungsanzeige" aus Clapham im Südwesten Londons. Und dieses wunderschöne Domizil kann für nur 760 Euro im Monat dein sein. Für eine Folterkammer in Schrankform, die durch ein Kinderbettwäscheset von IKEA so richtig wohnliches Flair bekommt.

Sieh nur:

Hier der Text der Wohnungsanzeige, die sich Twitter-Nutzerin @alex_lomax heute angesehen hat: „Wir suchen eine freundliche, aufgeschlossene und gesellige Person für einen wunderschönen Altbau in Clapham. Wir sind ein netter Haufen und wir chillen gerne zusammen—wir suchen nicht wirklich jemanden, der immer nur in seinem Zimmer bleiben will. Zimmer mit Bett inklusive. Nebenkosten werden geteilt—monatlich ca. 60 Pfund pro Person."

Zwei Sachen dazu:

1. Ich muss eure Behauptung, ein „netter Haufen" zu sein, wirklich infrage stellen, denn ihr scheint tatsächlich Geld von jemandem dafür verlangen zu wollen, dass diese Person unter eurer Treppe hausen darf wie ein deformierter böser Krüppelzwilling, der sich von Brotrinden und Rattenknochen ernährt, mit hervorquellenden, an die Dunkelheit gewöhnten Augen und strähnigem, dünnem Haar. Ich sehe mich selbst nicht mal als besonders guten Menschen, aber wenn unter meiner Treppe jemand leben müsste—wenn ich die Person zum Beispiel vor Nazi-Verfolgung beschützen müsste—dann würde ich wenigstens nicht meine Jacken in ihrem ohnehin schon winzigen Schlafzimmer aufhängen.

2. „wir suchen nicht wirklich jemanden, der immer nur in seinem Zimmer bleiben will." — Wie gut, dass es sich bei dem Zimmer um das winzige Vorzimmer der Hölle handelt und absolut kein Mensch darin bleiben könnte, ohne dem Wahnsinn zu verfallen, oder? Denn stell dir mal die WG-Bewohner vor, wie sie die Anzeige schreiben. „Wir brauchen jemanden, der kein Problem damit hat, 500 Pfund im Monat für eine Folterkammer zu zahlen", sagen sie, „aber gleichzeitig muss die Person auch gut drauf und gesellig sein." Ein weiterer Mitbewohner meldet sich zu Wort: „Und sag ihnen, dass die Nebenkosten nochmal 60 Pfund machen, verdammt. Ich weiß, dass wir denen zwar kein Fenster oder eine mit internationalen Menschenrechtsstandards vereinbare Wohnfläche bieten, aber die haben gefälligst ihren Teil der WLAN-Kosten zu zahlen. Auf meine Tasche legt sich keiner, so viel steht fest."

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Oft gebe ich den Vermietern die Schuld an solchen Sachen—denn wie ihr hoffentlich nicht vergessen habt, belegen Vermieter auf der Erdenabschaum-Skala einen Platz weit unter Kakerlaken—, aber diesmal bin ich überzeugt, dass die WG aus der Sisters Avenue selbst auch Dreck am Stecken hat. Wenn du in einem Haus wohnst, in dem es unter der Treppe ein Bett gibt, dann bist du eindeutig eines der größten Monster der Weltgeschichte.