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Der Ku-Klux-Klan versucht, sein Image mit gemeinnützigen Projekten zu retten

Der Klan versucht, in Georgia Highway-Patenschaften zu übernehmen, und der Bundesstaat ist alles andere als erfreut.

von Jacob Harper
16 Juli 2015, 4:49pm

Foto: Patrickneil | Wikimedia Commons | Gemeinfrei

Der Ku-Klux-Klan hat ein Imageproblem. Jetzt nimmst du vielleicht an, dass das irgendwie mit diesem „White Power"-Ding und dem Lynchen schwarzer Menschen zu tun hat, und damit hättest du Recht. Der Klan hat diesen problematischen Aspekt seiner Plattform zwar nicht angesprochen, doch er versucht auf andere Weise, sein Image zu bereinigen—und zwar vor allem durch gemeinnützige Arbeit.

Zur Zeit entscheidet ein Berufungsgericht in Georgia, ob es dem KKK erlaubt sein sollte, am „Adopt-a-Highway"-Patenschaftsprogramm des US-Bundesstaats teilzunehmen. Der KKK beantragte 2012 seine Zulassung zu dem Programm und legte nach der Ablehnung dieses Antrags Beschwerde ein, womit der Fall vor Gericht ging.

Überraschenderweise ist das nicht das erste Mal, dass der Klan versucht hat, sich an gemeinnütziger Arbeit zu beteiligen—und es ist ihnen auch fast ausnahmslos erlaubt. Nathan Robb—Sohn des nationalen Direktors des KKK, Thomas Robb—beantragte 1992 die Patenschaft für einer Meile der Route 65 in der Nähe von Harrison, Arkansas. Der Bundesstaat lehnte den Antrag ab, doch die NGO American Civil Liberties Union (ACLU) nahm sich des Falls an und das Urteil des Bundesstaats wurde in einem Bundesgericht aufgehoben. Der „Klan Highway", wie er schon bald genannt wurde, zog eine erhebliche Menge Müll auf sich, und als der Klan es versäumte, seinen Antrag zu erneuern, entfernte der Bundesstaat ihn schnell wieder aus dem Programm.

Der KKK beantragte 1998 die Patenschaft für einen Abschnitt der Interstate 55 in Saint Louis. Wieder lehnte der Bundesstaat anfänglich den Antrag ab und wieder wurde diese Entscheidung in höheren Instanzen aufgehoben. Da der Bundesstaat Missouri keine Möglichkeit hatte, dem Klan die Teilnahme an dem Programm zu verwehren, reagierte er auf das Problem, indem er dem Highway-Abschnitt des Klans den Namen Rosa Parks Highway gab, nach der afroamerikanischen Bürgerrechtlerin.

Später, als eine Neonazi-Organisation die Patenschaft für einen Highway-Abschnitt in der Nähe von Springfield übernahm, bediente sich Missouri eines ähnlichen Tricks und nannte den Abschnitt nach dem jüdischen Theologen Rabbi Abraham Joshua Hertzel.

Der Grund für diese Bemühungen des Klans ist einfach: Die Patenschaft für einen Highway zu übernehmen, ist eine der einzigen Methoden, mit denen die Gruppe für sich werben kann. Die Medien verkaufen ihnen keine Werbeflächen und es gibt auch nicht gerade einen Haufen Menschen, die sich den Klan als Sponsor ihres Sportteams wünschen. Dann bleiben nur noch öffentliche Bauvorhaben und dergleichen, und die damit verbundene Bekanntheit. Wenn der Staat dagegen ankämpft, umso besser.

Es handelt sich hierbei um eine Methode, die seit eh und je von Verbrechern und verbrecherischen Organisation angewandt wird. Al Capone finanzierte regelmäßig Lebensmittel- und Kleidungssammelaktionen für Arme. Das Los-Zetas-Kartell hinterlässt Bedürftigen zum Dreikönigsfest Geschenke. Pablo Escobar wurde in Kolumbien regelrecht angebetet, weil er in dem verarmten Land Sozialwohnungen und Stadien baute.

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Bereits als der Klan noch in den Kinderschuhen steckte, bediente er sich einer ähnlichen Vorgehensweise und verteilte zu Thanksgiving Truthähne. Die Soziologie-Professorin Katherine Blee, die mehrere Bücher über Frauen im KKK geschrieben hat, hat NPR gegenüber gesagt, der Klan habe in den 1920ern regelmäßig „öffentlich Baseballteams, Vater-Sohn-Ausflüge, Baby-Schönheitswettbewerbe, Hochzeiten, Taufen, Jugendligen, Autorallyes und Feste finanziert".

Der Klan wollte es sich nicht mit Lokalbehörden verscherzen, und so wurde er besonders geschickt darin, den Fokus von seinem Rassismus und seinen Morden auf die gemeinnützigen Projekte zu lenken. In seinem Buch One Hundred Percent American: The Rebirth and Decline of the Ku Klux Klan, erwähnt Thomas Pegram mehrere Fälle, in denen Ortsverbände, oder „Klaverns", Geld für das angebliche Gemeinwohl ausgaben, „um [die Legitimität des Klans] als quasi-öffentliche Organisation zu etablieren".

Ein vom Klan gesponsorter Baby-Schönheitswettbewerb würde 2015 vielleicht nicht zu viele Teilnehmer anlocken, doch ihr aktueller Highway-Patenschafts-Plan passt perfekt in diese Mentalität: Hauptsache, die eigentlichen Eigenschaften der Organisation stehen nicht im Fokus. Was ist der Klan? Tja, das sind doch die Leute, die die Straßen säubern. Der neue, sanftere Ku-Klux-Klan. Und überhaupt, die haben seit 1981 niemanden mehr gelyncht!

Bei der gemeinnützigen Arbeit des Klans handelt es sich also höchstwahrscheinlich um eine Methode, seine traurigen, schwindenden Mitgliederzahlen aufzubessern. Die Zeit ist nicht gnädig mit dem KKK gewesen. Handelte es sich bei ihm früher um eine mächtige Vereinigung von Arschlöchern mit mehr als vier Millionen Mitgliedern, so zählt der Klan heute laut dem Southern Poverty Law Center nur noch zwischen 5.000 und 8.000 Mitglieder. In anderen Worten: Der Klan stirbt aus.

Privatveranstaltungen wie Klan-Sportereignisse und -Picknicks könnten also für immer der Vergangenheit angehören. Doch Regierungsprojekte sind für die gesamte Bevölkerung. Das ist es auch, was die Highway-Patenschaftsprogramme zu einem solch ansprechenden Zugang zu gesetzlich geschützter PR macht.

Der KKK hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung wie alle anderen Gruppen auch, weshalb seine Versuche, an gemeinnützigen Projekten teilzunehmen, auch meist geschützt sind. Anstatt sie direkt zu verbieten, müssen Regierungen auf der Lokal- und Bundesstaatsebene sich anderer Methoden bedienen, um die Versuche des KKK zu unterbinden. Meist gibt es hierzu zwei Möglichkeiten: Entweder sie beziehen sich auf die öffentliche Sicherheit oder sie argumentieren, es handle sich bei öffentlicher Beschilderung nicht um eine Form der Rede, auf die Gesetze zur Redefreiheit zuträfen.

Diese Leute reinigen einen Highway, gehören aber nicht zum KKK.
Foto: U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Maebel Tinoko | Wikimedia Commons | Gemeinfrei

Als der Bundesstaat Georgia 2012 den Antrag des Klans auf Highway-Patenschaft ablehnte, berief er sich auf „potentielle soziale Unruhe oder Störung des Verkehrsflusses". Das Verkehrsministerium von Arkansas hat einen ähnlichen Antrag des Klans abgelehnt, mit der Begründung, dass ein KKK-Schild „dem öffentlichen Ansehen des Adopt-a-Highway-Programms und des Arkansas State Highway and Transportation Department schaden" würde, wobei es den KKK als „offen und erwiesenermaßen rassistisch und religiös diskriminierende Organisation" bezeichnete.

Insgesamt lässt sich sagen, dass eine Gruppe ziemlich beschissen sein muss, um von der Regierung das Recht abgesprochen zu bekommen, öffentliche Projekte mit unentgeltlicher Arbeit zu unterstützen. Zu dem Zeitpunkt, als der KKK seinen Antrag in Arkansas einreichte, hatten bereits 2.200 andere Organisation Anträge gestellt, sich um die Straßen des Bundesstaats zu kümmern. Der KKK war die erste Gruppe, deren Antrag abgelehnt wurde.

Nach diesen unausweichlichen Ablehnungen kam es zu der berüchtigten Verteidigung des KKK durch die ACLU. Wie Brenda L. Jones, ausführende Direktorin der ACLU-Eastern Missouri, erklärte: „Die Verteidigung der Rechte von Organisationen, die die Regierung aufgrund ihrer Sichtweise versucht zu zensieren, bildet den Kern des ersten Verfassungszusatzes und der Mission der ACLU, selbst wenn diese Sichtweisen nicht beliebt sind."

Letztendlich dreht sich in dem aktuellen Gerichtsfall in Georgia alles um eine Frage. Wie die Generalstaatsanwaltsassistentin von Georgia Brittany Bolton CNN gegenüber sagte: „Bei diesem Fall geht es darum, ob es sich bei vom Bundesstaat entworfenen, produzierten und auf einem staatlichen Highway aufgestellten Schildern, auf denen der Name Georgia deutlich zu lesen ist, um die eigene Rede des Bundesstaats handelt."

In vergangenen Fällen haben die Gerichte zugunsten des Klans entschieden. Doch da momentan die öffentliche Abscheu gegenüber rassistischen Motiven wie der Südstaatenflagge und kapuzentragenden Klan-Mitgliedern einen neuen Höhepunkt erreicht hat, neigt sich die Siegessträhne des Klans in Fragen des ersten Verfassungszusatzes vielleicht dem Ende zu.