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Freundschaftstypen und wie du mit ihnen umgehen sollst

Warum Zweckfreunde mehr Liebe verdienen und alte Freunde nie zu Sexfreunden werden sollten.

von Franz Lichtenegger
19 Mai 2015, 9:04am

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Titelfoto: VICE Media

Eine Studie des britischen Anthropologen Robin Dunbar besagt, dass Menschen nur imstande sind, Beziehungen zu höchstens 150 Personen aufzubauen. So hoch ist die kognitive Grenze der Anzahl an sozialen Kontakten, mit denen unser Gehirn umgehen kann. Wir können also rein theoretisch nicht mehr als 150 Freunde haben, auch wenn Facebook mir da eine andere Geschichte erzählt.

Passend dazu auf Noisey: Wie zur Hölle erkläre ich meinem besten Freund, dass ich seine Musik hasse?

Was die Dunbar-Zahl allerdings nicht berücksichtigt, sind die verschiedenen Arten von Freundschaften, die wir in unserem sozialem Umfeld pflegen. Da gibt es nämlich so einige—mal mehr, mal weniger intim. Wir haben uns verschiedene Freundschaftstypen überlegt, ihre Bedeutungen festgelegt und stellenweise definiert, wie du dich ihnen gegenüber verhalten solltest.

Alte Freunde

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Foto: VICE Media

Sie sind der wichtigste und elementarste Bestandteil deines Freundeskreises—sie sind das Herzstück, das Epizentrum deines sozialen Kosmos. Du kennst sie teils schon aus dem Sandkasten, teils aus der Schule oder eben aus dem Ort, in dem du aufgewachsen bist. Sie gehören zu deinem Leben, solange du denken kannst—sie kennen deine Familie, deine schlechten Angewohnheiten, deine Ängste. Sie wissen über deine peinlichen Jugendsünden Bescheid, kennen die Geschichte zu jeder deiner Narben und waren dabei, als du deinen ersten Rausch auskotzen musstest. Ihr seid gemeinsam erwachsen geworden und habt so ziemlich alles zusammen angestellt, was man als Jugendlicher so anstellen kann.

Jetzt kommt der unangenehme Teil. Es wird nämlich einen Punkt geben, an dem eure Interessen und eure Lebenswege auseinandergehen werden. Das ist normal. Es wird auch Zeiten geben, in denen euer Kontakt völlig abgerissen scheint und ihr der Meinung sein werdet, eure Freundschaft hätte sich quasi im Staub des Erwachsenenlebens aufgelöst. Das ist jedoch Blödsinn. Alte Freunde bleiben dir für immer erhalten, einfach aus dem Grund, weil sie alte Freunde sind und dich immer wieder ein bisschen daran erinnern, wer du mal warst.

Das heißt allerdings nicht, dass du diese Freundschaft überhaupt nicht pflegen musst—schreib deiner alten Sandkastenfreundschaft halbwegs regelmäßig eine SMS, die ungefähr so aussieht: „Danke für deine Freundschaft. Bussi, VICE". Fang am besten jetzt gleich damit an.

Beste/Enge Freunde

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Foto: VICE Media

Manchmal hat man Glück und man findet beste Freunde bereits in alten Freunden. Manchmal findet man sie aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Ein Zeitpunkt, an dem ihr euch aus einem heterogenen Freundschaftsbrei herausentwickelt habt und euch mit Menschen umgebt, die euch ziemlich ähnlich sind.

Manche haben nur einen besten Freund und bezeichnen den Rest der Entourage als ihre engen Freunde. Manche haben eine ganze Gang aus besten Freunden. So oder so—das hier sind die Freunde, wegen denen dein Handy ständig vibriert; die, die dich liebevoll „Hurensohn" und „Bitch" nennen; die, wegen denen du nicht mehr weißt, wo dieser riesige blaue Fleck an deinem Oberschenkel herkommt; die, mit denen du Gras und Musikgeschmack teilst.

Sie sind dein Team, dein Squad. Ihr habt eine WhatsApp-Gruppe, schickt euch täglich Screenshots von Leuten, die ihr abgrundtief hasst, und nehmt sie anschließend im Chat auseinander. Wenn ihr nicht gerade hasst, feiert ihr das neue Taylor Swift-Video oder. Es ist die höchste Form einer platonischen Liebe.

Dieser Freundeskreis ist übrigens auch mit Abstand der größte, weil er manchmal aus mehreren, voneinander unabhängigen Teams bestehen kann. Aber diese Freunde sind auf jeden Fall die, die man am liebsten und öftesten um sich hat.

Partyfreunde

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Foto: Stefanie Katzinger via VICE Media

Das sind Freunde, die du im Grunde genommen nicht mal wirklich mögen musst. Du triffst sie nur unregelmäßig, liebst sie für den Verlauf eines Abends, machst peinliche Selfies mit ihnen, weißt aber in Wahrheit nicht mal, was sie eigentlich im Leben machen. Du kannst von Glück reden, wenn du—dank Facebook—überhaupt ihren Nachnamen weißt (auch, wenn du keine Ahnung hast, warum jemand „Wontsay" oder „Dichnixan" heißt). Wenn nicht gerade Wochenende ist, beschränkt sich euer Kontakt auf etwaige Wochenendpläne oder eben Nachbesprechungen vom Wochenende.


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So eine Koalition basiert meist auf der Gefälligkeit des gemeinsamen Feierns. Weil ihr aber die gleichen Partys mögt, auf dieselbe Musik abgeht und ein gemeinsamer Rausch nun einmal verbindet, ist eine Partyfreundschaft nur allzu oft ein idealer Nährboden für eine enge oder gar eine beste Freundschaft. Das solltest du allerdings nicht erzwingen—lasst eure gegenseitige Zuneigung ganz natürlich sprießen und gedeihen.

Falsche Freunde

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Foto: VICE Media

Es gibt zwei Typen falscher Freunde. Die einen sind die harmlosen. Du magst sie nicht und sie mögen dich nicht, ihr seid aber beide einfach viel zu höflich, um das zuzugeben. Also täuscht ihr eine Freundschaft vor, von der ihr beide nicht so wirklich wisst, warum sie überhaupt existiert. Allerdings will keiner derjenige sein, der die hässliche Wahrheit ausspricht, also macht ihr euch gezwungenermaßen wieder ein Kaffeetreffen aus, weil ein Schnack ja schon „längst überfällig" ist und ihr euch „so viel erzählen" müsst. Es ist eine dieser Verabredungen, bei denen man sofort weiß, dass sie nie stattfinden werden.

Es wird allerdings auch Zeiten geben, in denen dir jemand in den Rücken fallen wird. Jemand, dem du dein vollstes Vertrauen geschenkt hast, der dich schonungslos ausnutzen und dir eiskalt ins Gesicht lügen wird. Später wird er sich in einem verschissenen Brief entschuldigen, weil er ein feiges und hinterfotziges Arschloch ist. Du wirst diesem Jemand vergeben und ein paar Monate später nochmal härter auf die Schnauze fallen. Das sind auch falsche Freunde, aber die schmerzvolle Variante. Aus ihnen lernst du. Mit dieser Sorte gehst du am besten um, indem du sie vollkommen aus deinem Leben streichst. Das volle Programm, inklusive Facebook-Block.

Studienfreunde

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Foto: VICE Media

Deine Leidensgenossen, die manchmal mehr, manchmal weniger auf deiner Wellenlänge sind und für peinliche Momente sorgen. Wenn ihr euch außerhalb der Uni trefft, müsst ihr sie gezwungenermaßen euren anderen Freunden vorstellen und versucht sofort, eure Bekanntschaft mit „Wir studieren nur zusammen" rechtzufertigen, was die ganze Situation nur noch unangenehmer für alle Beteiligten macht.

Die meisten Studienfreunde sind jedoch gute Seelen, die im weitesten Sinn deine Interessen teilen und somit zu den Guten gehören. Ein langer Uni-Tag und kollektiver Hass auf Professoren, die es nicht packen, einen Satz ohne „hm" zu formulieren, schafft ein Gefühl der Gemeinschaft, das es sonst nur selten in dieser Form gibt. Sei lieb zu ihnen, es könnte gut sein, dass du später noch mal mit ihnen zu tun haben wirst. (Du wirst sie wahrscheinlich fragen, ob sie Curly Fries oder normale Pommes dazu wollen.)

Zweckfreunde

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Foto: VICE Media

Zweckfreunde sind die gutmütigsten Menschen, die du je kennenlernen wirst, und du bist einfach nur skrupellos, weil du sie als solche siehst. Sie reparieren gratis dein Handy, besorgen dir billiges Gras oder sind deine Mitfahrgelegenheit nach Hause. Im Gegenzug dazu wollen sie nichts als deine Freundschaft, die du ihnen jedoch verwährst, weil sie Zweckfreunde sind. Du hast nicht mal ein schlechtes Gewissen, wenn sie dich bereits zum fünften Mal fragen, ob du Zeit für ein Bier hast und du sie wieder mal versetzt. Wenn dann dein Computer wieder mal nicht funktioniert, rufst du sie an und fragst demütig „Könntest du..." und natürlich werden sie können, weil sie Zweckfreunde sind. Dennoch haben sie mehr Liebe verdient, oder vielleicht wenigstens mal ein Geburtstags-SMS. Wirklich, das muss drin sein.

Internetfreunde

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Foto: Stefanie Katzinger via VICE Media

Die sind lustig, weil man sie meistens über Monate hinweg auf Facebook stalkt, irgendwann „zufällig" möglichst ironisch beim selben Status kommentiert, dann eine Freundschaftsanfrage sendet und dann erst mal ein obligatorisches Like-Massaker zelebriert. Irgendwann beginnt man auch zu chatten, kommentiert Herzen beim Status, und nachdem man sowieso jeden Furz aus dem Leben dieser fremden Person mitbekommt, fühlt es sich irgendwann fast so an, als ob man ein wesentlicher Teil der Existenz des jeweils anderen wäre—bis man sich zufällig irgendwo trifft (Es wird passieren, ob ihr wollt oder nicht).

Von diesem Augenblick an gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste lautet wie folgt:
Der Internetfreund ist im echten Leben noch viel besser als im Internet, ihr liebt euch jetzt noch viel mehr als vorher und feiert euch gegenseitig, weil ihr super seid. Er oder sie zeigt dir Urlaubsfotos, du tust überrascht und sagst „woah, schön", kennst aber in Wahrheit bereits alle dieser Bilder in- und auswendig, weil sein beziehungsweise ihr Instagram insgeheim deine Bibel ist. Du machst innerlich Luftsprünge, weil du einfach weißt, dass auf diesem Instagram-Account bald auch ein Foto von dir sein wird, versehen mit dem Hashtag #soulmates. Du überlegst dir einen Filter und ihr beschließt direkt, eure Freundschaft auf „Beste Freunde"-Level zu hieven.

Die zweite (und leider wahrscheinlichere) Möglichkeit: Der Internetfreund kommt in Wahrheit gar nicht so eloquent und kokett rüber, wie seine Facebook-Posts vermuten lassen würden, und ist im Grunde genommen eine einzige große Enttäuschung, von der du dir wünschen wirst, sie wäre ein Internetfreund geblieben. In dem Fall kann man allerdings noch immer Sexfreunde werden.

Sexfreunde

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Foto: Stefanie Katzinger via VICE Media

Der Sexfreund ist ein schwieriger Fall—und wohl auch der komplizierteste. Im besten Fall ist er oder sie einfach jemand, zu dem man abgesehen vom gelegentlichen, zwanglosen Sex nicht die geringste Art einer Beziehung hat. Leider ist dieser Fall eher die Ausnahme—und da fängt die ganze Scheiße auch schon an.

Sexfreunde entwickeln sich nämlich in der leidigen Regel aus einem der oben beschriebenen Freunde, was eigentlich nur schlecht ausgehen kann. Sex mit Sandkasten, Studien- oder Partyfreunden zieht immer wieder das unangenehme Wiedersehen vor versammelter Mannschaft nach sich, bei der man so tut, als ob nie was gewesen wäre, sich Bussi links Bussi rechts gibt, die anderen Freunde sich denken, wem man hier eigentlich was vormachen will, und fragt, wie es dem anderen geht, obwohl man genau weiß, wie es dem anderen geht, weil man vor zwei Tagen noch ineinander gesteckt hat.

Beste Freunde werden meist nicht zu Sexfreunden, weil sie sich schon viel zu gut kennen, um einander auch nur ansatzweise attraktiv finden zu können. Sollte es aber doch passieren, ist die Chance hoch, dass mindestens einer der Beteiligten nachträglich—oder währenddessen—in Selbsthass-Tränen ausbricht. Fazit: Sucht euch Sexfreunde, mit denen ihr rein gar nichts gemeinsam habt, außer den Sex.

Fazit

Freunde sind etwas Schönes und ohne sie wäre das Leben ziemlich langweilig. Freundschaften zu knüpfen, sie zu pflegen und sie vielleicht auch im Guten aufzulösen, sind wichtige, nie endende Prozesse. Jeder kennt Menschen, ohne die man nicht die Person wäre, die man heute ist. Freunde haben einen größeren Einfluss auf unser Leben, als wir vielleicht begreifen. Egal ob Zweck- oder Sexfreund—man darf sie nie als selbstverständlich ansehen. Wenn ihr streitet, kommuniziert! Kommunikation ist die Lösung. Alleinsein kann zwar Spaß machen, ein Leben in Einsamkeit ist allerdings nichts, womit man sich anfreunden möchte. Und wozu hätten wir Freunde nötig, wenn wir sie nie nötig hätten.

Der letzte Satz ist ein Shakespeare-Zitat und Franz weiß eigentlich selbst nicht so genau, was das eigentlich bedeuten soll. Erklärt es ihm auf Twitter: @FranzLicht