Wird der 3D-Hentai menschliche Pornostars ersetzen?

3D Hentai Will Kill the Porn Star. Befreit von den physischen Begrenzungen des Körpers können animierte Pornostars noch dann dämonische Schwänze essen, wenn sich bei Sasha Grey längst der Kiefer verhakt hat.

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Sep. 5 2013, 5:00pm


Collagen von Sam Dwyer

Selbst wenn du dich in den spermabefleckten Ecken der widerlichsten Pornoseiten des Internets umsiehst, wirst du merken, dass es kaum etwas Verdreckteres als Cartoons gibt. Befreit von den physischen Begrenzungen des Körpers können animierte Pornostars noch dann dämonische Schwänze essen, wenn sich bei Sasha Grey längst der Kiefer verhakt hat. Dank der Fähigkeit, alle verbotenen Begehren zu befriedigen, war Hentai (das japanische Wort, mit dem man hier früher alle möglichen Porno-Cartoons bezeichnete) schon immer als pervers verschrien. Doch jetzt, wo wir in den Bereich der hyperrealistischen 3D-Animationsfilme kommen, muss das Ganze noch kranker werden. 

Noch ist der 3D-Hentai ein relatives Nischenphänomen. Eine Google-Suche führt zu nur 8 Millionen Treffern, während das normale Hentai 26-mal mehr Ergebnisse hervorbringt. Das wird nicht mehr lange der Fall sein, denn anders als die eingefrorenen Gesichter des zweidimensionalen Äquivalents sehen die computergenerierten Pornostars des 3D-Hentai erstaunlich fleischig aus. Wenn ihre Ärsche wackeln, zeigen sich sogar Schatten auf ihren Poritzen. Jeder versteht, warum das eine Verbesserung ist.

Unsere Begeisterung über digitale Wirklichkeitstreue ist nichts Neues. Mainstream-Videospiele, CGI-Filme und sogar die Werbung streben schon lange eine zwangsneurotische Detailgenauigkeit an. Animationspornos holen hier jetzt ebenfalls auf. Da die Erwachsenenfilmindustrie mal wieder durch eine neue HIV-Furcht lahmgelegt wird, ist es leicht verständlich, warum die digitalen Avatare jene krankheitsanfälligen erwachsenen Schauspieler so einfach ersetzen können. Ehrlich gesagt kann ich es kaum erwarten, nie wieder einem weiteren ungeschickten Pornostar dabei zusehen zu müssen, wie er einen Orgasmus vortäuscht. 

Was den Inhalt betrifft, sind auch 3D-Hentais voll von Dämonen-Vergewaltigungen, Tentakel-Sex und kaum verschleierter Pädophilie, die sich auch im zweidimensionalen Äquivalent finden. Wenn du diese Fetische dem Verfall unseres modernen Zeitalters ankreiden willst, dann solltest du wissen, dass einer der frühesten und bekanntesten erotischen Cartoons ein Holzschnitt ist, der aus dem Jahr 1814 stammt. Er trägt den Titel Der Traum der Fischersfrau und zeigt eine Frau mit weitgespreizten Beinen, der von einem Oktopus in all ihren einladenden Körperöffnungen Vergnügen bereitet wird. Anders ausgedrückt ist gruseliger Sex kein neues Phänomen. Unser sprichwörtliches Feuer wurde schon seit jeher von krankem Scheiß wie diesem entflammt. 

Hentai ist die Kurzform von „hentai seiyokuto“ oder „perversem sexuellen Vergnügen“. Laut Mark McLelland, einem japanischen Kulturhistoriker und Professor an der Universität Wollongong, wurde der Begriff im 19. Jahrhundert geprägt, um ein anomales sexuelles Verhalten zu beschreiben. In den 1920ern verschob sich die Definition, dank Freuds Psychopathologie, hin zu einer Bezeichnung für jegliche sexuellen Abweichungen. Zu dieser Zeit war man in Japan in der Nachkriegszeit angelangt und das Wort wurde zur Beschreibung aller nicht-normativen Sexpräferenzen genutzt, ähnlich wie heute das Wort „queer“. Heutzutage ist Hentai die weltweite Domäne der männlichen Manga-Fans, darunter auch dieses hinreißenden Franzosen von nebenan.

Im Grunde verändert sich nicht viel beim Übergang des Hentais von der Zwei- zur Dreidimensionalität. Noch immer haben Websites Thumbnail-Galerien, Videos und Paywalls. Einige Anzeigen sind grotesk: „Blut, Sperma, gebrochene Muschis, Schmerz, Albtraum, Tentakelmonster, die unschuldige Mädchen mit ihren vielen Schwänzen bumsen!“ Einige kommen in gebrochenem Englisch daher: „Is the 3D girls porn of your interest? Than why are you waiting for a permission, click here and let yourself enjoy the pretty damn good amount of 3d girls porn with the hottest teens.“ Noch immer sind Bilder mit unersättlichen Jungfrauen mit riesigen Muschis verbreitet, die getreu am Hure-oder-Heilige-Paradox festhalten. Der 3D-Animationsporno hat sogar seine eigenen A-Promis.

Der größte Unterscheid zwischen 2D- und 3D-Hentai ist der Hyperrealismus des letzteren und die Wahrnehmung dessen, wozu wir uns einen runterholen. Obwohl der Animationsporno lebensecht auszusehen versucht, liegt der Masturbationsappeal in der Tatsache, dass die massiv bestückten Stars im Grunde übermenschlich und deshalb virtuell, ausdrucksstärker und biegsamer als ihre menschlichen Kolleginnen sind. Ihre Erotik liegt nicht darin, dass sie komplett menschlich aussehen, sondern eher in ihrer surrealen Merkwürdigkeit. Die Spannung zwischen Naturalismus und Fantasy appelliert an einen bestimmten Sinn für Unheimlichkeit, die so abgefahren ist, dass das Ganze, vielleicht sogar ungewollt, lustig wird. Diese spezielle Ästhetik der 3D-Hentais erinnert mich an bestimmte Arten exzentrischer Internetkunst, wie zum Beispiel Wendy Vainitys unheimliche Animationen oder die verwirrten sprechenden Köpfe von Ian Chengs virtuellen Models. Dabei hilft es auch, dass Vainity und Cheng einen großen Sinn für Humor haben. 

Aufgrund seiner fertigen Gewalt- und Tabuthemen ist der Hentai bereits von allen möglichen Arten der Zensur betroffen. Second Life, die Online-Community, in der die von Benutzern gemachten Pornoanimationen wucherten, sperrte die Erwachsenengemeinde 2009 in einen Rotlichtbezirk. Als ich Professor McLelland anschrieb und ihn bat, seine Forschung näher auszuführen, weigerte er sich mit der Begründung, dass in Australien, wo er ansässig ist, „sogar das Reden über diese Sachen potentiell illegal“ sei. 

Nichtsdestotrotz hält der Siegeszug an. Sehr bald wird der Oculus Rift, das weltweit erste Headset für Virtual-Reality-Spiele, auf den Markt gebracht. Präzise darauf abgestimmt hat bereits jemand ein Animationspornospiel entwickelt. Das Spiel heißt Custom Maid 3D und es geht vor allem darum, höhere Level zu erreichen, um die Kleidung deines Mädchens abschälen zu können. Es ist überflüssig zu sagen, dass dieses Spiel weit mehr Ständer verursachen wird als Diabolo.

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